Drohungen nehmen auch gegen Bergbahnpersonal immer mehr zu
Erst kürzlich haben die SBB Alarm geschlagen, dass Angriffe gegenüber dem Zugpersonal immer brutaler würden. Wie das SRF nun berichtet, beschränkt sich das Problem aber nicht nur auf Personal in Zügen, sondern wird vermehrt auch bei den Bergbahnen beobachtet.
So würde es auch dort zu immer mehr Zwischenfällen kommen, sagt Matthias Hartwich, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals: «Unsere Leute werden im Freizeitverkehr geschubst und beschimpft – es ist kaum vorstellbar.»
Gleich sieht es auch Lukas Mathyer, Leiter des Zugdienstes der Jungfraubahnen, gegenüber SRF: «Der Ton wird rauer – vor allem seit der Coronapandemie ist der Respekt kleiner geworden.» Es brauche nicht viel, dass eine Situation eskaliere, so Mathyer. «Meist haben die Kundinnen und Kunden das Gefühl, im Recht zu sein.»
Drohung, das Personal zu filmen
Vor allem eine Entwicklung macht den Verantwortlichen der Jungfraubahnen zu schaffen: Immer mehr Personen drohen dem Bergbahnpersonal, die Konfrontation zu filmen und dann ins Netz zu stellen. Das gehe sogar so weit, dass das Bahnunternehmen eine Kampagne starten musste, die darauf hinweist, man soll die Privatsphäre des Personals respektieren.
Seit Kurzem zeigt das Bahnunternehmen darum auf seinen Bildschirmen eine Anzeige mit dem Aufruf: «Respect privacy – no filming our staff».
Immerhin: Im Vergleich zum Zugpersonal wurde bei den Jungfraubahnen noch keine körperliche Gewalt registriert. Beleidigungen und Beschimpfungen beschäftigen das Personal aber trotzdem. Lukas Mathyer sagt im Bericht: «Ich musste lernen, damit umzugehen. Ich lasse meine Uniform immer bei der Arbeit.» Denn die Leute würden ihn nicht persönlich beschimpfen, sondern den Bahn-Angestellten.
Die Gewerkschaft SEV fordert deshalb, dass das Personal auch während des Tages nie allein unterwegs ist.
Runder Tisch geplant
Bei den Jungfraubahnen sieht man jedoch noch keinen Handlungsbedarf. Was bereits durchgeführt wird, sind Verhaltenskurse für das Personal, in denen der Umgang mit schwierigen Situationen geschult wird. Zudem sei noch vor dem Sommer ein runder Tisch mit Transportunternehmen und Betroffenen geplant. Auch das Bundesamt für Verkehr soll daran teilnehmen. (ome)
