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Wirtschaft

Glarner Skigebiet Braunwald muss für die Zukunft etwas ändern

Skifahrer geniessen die Pisten der Sportbahnen Braunwald auf dem Seblengrat, am Sonntag, 2. Maerz 2025, in Braunwald. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Der Seblengrat liegt mit 1897 Metern über Meer vier Meter unter dem höchsten Punkt im Skigebiet (Gumen, 1901m)Bild: keystone
Interview

Braunwald stand vor dem Ende – jetzt wird über 3 Optionen verhandelt

Vor einem Jahr hiess es, dass der gute Winter das Skigebiet Braunwald rettete. Dieses Jahr war der Winter deutlich weniger gut. Zumindest schneemässig. So lief es dem Ort auf der Glarner Sonnenterrasse.
07.03.2026, 13:3207.03.2026, 13:32

Im Oktober 2024 schlug das beliebte Familien-Skigebiet Braunwald Alarm: Noch ein schlechter Winter und das Ende ist nah. Die Aktionäre schossen im Herbst 2024 gemäss Geschäftsbericht knapp 1,7 Millionen Franken ein. Frau Holle hatte ein Einsehen: Der Winter 2024/25 war gut und schneereich. Braunwald konnte im März 2025 mitteilen: «Sportbahnen Braunwald blicken auf eine erfolgreiche Wintersaison zurück.»

Gerettet war (und ist) das Skigebiet Braunwald damit natürlich noch nicht. Obwohl auf den «Traumwinter» auch ein guter Sommer folgte, schlossen die Sportbahnen das Geschäftsjahr – auch dank Wertberichtigungen und der Kapitalerhöhung – mit einem kleinen Gewinn ab. Im September 2025 war eine weitere Aktienkapitalerhöhung von 300'000 Franken nötig.

So hoch liegt das Skigebiet von Braunwald:

Braunwald

Quelle: swisstopo, OpenStreetMap, Mapzen | Karte: watson

Die magenta-farbenen Gebiete liegen unter 1500 Metern. Grün sind die Skilifte, Sessel- und Gondelbahnen. (Auf der Karte kannst du auch zu anderen Schweizer Gebieten fliegen und zoomen.

Dann kam der Winter. Zumindest datumsmässig. Bei der Saisoneröffnung am 20. Dezember lag kein Schnee. Skifahren war auch über Weihnachten und Neujahr nicht möglich. Bis auf das kleine Kinderland waren alle Pisten zu. Trotzdem gab es positive Anzeichen. Wir haben bei Verwaltungsratspräsident Richi Bolt nachgefragt, wie die Saison verlief.

Richi Bolt, wenn ich mir die Webcam (Stand: 5. März) und den Pistenplan von Braunwald anschaue, dann sehe ich: Es hat Schnee und alle Bahnen und Pisten sind offen. Das sieht gut aus?
Richi Bolt: Ja, aktuell haben wir am Morgen Top-Verhältnisse am Berg.

Schnee fehlte in dieser Saison lange. Erst am Wochenende des 10. Januars konnte der Skibetrieb richtig aufgenommen werden. Wie viele Skitage hattet ihr in dieser Saison?
Seit dem ersten Schnee läuft der Betrieb. Wir werden Ende Saison bei rund 65 Tagen sein. Das muss man sich klar vor Augen führen. Lohnt sich so ein Aufwand für zwei Monate im Jahr?

Skifahrer auf den letzten Metern der Piste der Sportbahnen Braunwald, am Sonntag, 2. Maerz 2025, in Braunwald. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Schnee war in diesem Jahr in Braunwald lange Mangelware.Bild: keystone

Letztes Jahr mussten die Bahnen eine Woche vor dem geplanten Saisonende schliessen, weil Schnee fehlte. Werden die Anlagen dieses Jahr bis zum 15. März in Betrieb sein?
Davon gehen wir aus. Es sieht zwar nicht mehr nach Niederschlag aus in den nächsten Tagen. Aber wie gesagt, die Verhältnisse sind jetzt gut. Und wichtiger als Schnee ist bei uns eh etwas anderes.

Was denn?
Schönes Wetter. Wir haben sehr viele Leute in Braunwald, weil sie einfach das Wetter geniessen und in der Natur unterwegs sein wollen.

Trotzdem gehört Schnee zu einer Wintersportdestination. Während Weihnachten und Neujahr – den wichtigsten Tagen im Jahr – gab es keinen Skibetrieb.
Das ist richtig. Aber wir verzeichneten trotzdem einen Logiernächterekord über die Festtage. 2013 und 2020 waren diesbezüglich auch gut. Aber so wie dieses Jahr hatten wir das zuletzt 2009. Dazu trug auch die Eröffnung des Panoramahotels bei.

Wie erklären Sie sich das?
Es gibt hier auch ohne Schnee Angebote. Und wir bauen auf Übernachtungsgäste, nicht Tagesgäste. Das ist ein Vorteil.

In der Saison 2024/25 konnten Sie den Gastro-Ertrag um rund 40 Prozent steigern, denjenigen der Bahnen um 12 Prozent. Wie sieht es diese Saison aus?
Im Gastrobereich können wir nochmals zulegen. Bei den Bahnen gibt's einen kleinen Rückgang.

Wenn die Gäste realisieren, dass Skifahren in Braunwald nicht mehr garantiert werden kann, wird sich aber wohl auch das Buchungsverhalten für längere Aufenthalte ändern, oder nicht?
Es ist uns allen klar, dass es nicht weitergehen kann wie in den letzten Jahren. Es braucht Veränderungen.

Braunwald Pistenplan
5. März 2026: Alle Anlagen und Pisten in Braunwald sind in Betrieb. Möglich aber, dass sich bald viel mehr auf das Grotzenbüel konzentriert.Bild: braunwald.ch

Wie sehen diese aus?
Aktuell stehen drei Zukunftsszenarien zur Wahl. Welche wir umsetzen, werden wir Ende März oder Anfang April entscheiden. Ich darf zu den Optionen konkreter noch nichts sagen.

Ist eine davon der Konkurs?
Im Grundsatz ist ein Konkurs kein Thema. Das ist immer die schlechteste Lösung. Es braucht sicher gewisse Anpassungen. Wir haben insbesondere zwei Probleme.

Welche?
Wir haben zu wenig Frequenzen. Die Erschliessung von Braunwald wird auch in Zukunft über die Standseilbahn erfolgen. Das macht es aufwendig, um nach Braunwald zu kommen. Die Glarner Regierung hat letztes Jahr entschieden, dass dies auch so bleibt und damit bleibt die Standseilbahn unser Nadelöhr. Mit viel mehr Frequenzen können wir also nicht rechnen. Das zweite Problem sind die alten Anlagen. Diese sind wartungs- und personalintensiv.

Dass deutlich mehr Gäste kommen, wird also schwierig. Dann bleibt, das Angebot anzupassen.
Im Verhältnis zu der Anzahl Besucher haben wir eigentlich ein zu breites Angebot. Das ist super für die Gäste: Anstehen muss man bei uns eigentlich nie. Aber als Betrieb ist es so nicht kostendeckend. Ziel beim Skibetrieb könnte sein, dass wir uns mehr auf ein Gebiet konzentrieren. Vielleicht ist weniger auch weniger. Aber wir wollen diesen Entscheid breit abstützen, in ein paar Wochen wissen wir mehr.

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Auf dem Grotzenbüel wird für den Sommer mehr investiert.Bild: www.imago-images.de

Sie führten auf dieses Jahr auch die Familienkarte ein. Skifahren inklusive Mittagessen für die ganze Familie für 222 Franken. Wie kam das Angebot an?
Eigentlich war es ein Revival. Wir hatten diese Familienkarte schon vor vielen Jahren, jetzt haben wir sie wieder aktiviert. Das Angebot wurde gut genutzt.

Im Gespräch war auch eine Art «Abo-Zwang» pro Bett in den Hotels oder Ferienwohnungen. Was ist da der Stand?
Ein «Abo-Zwang» ist nicht durchsetzbar. Der Begriff kommt von den Medien. Aber ja, wir haben mit den Übernachtungsanbietern über diverse Möglichkeiten diskutiert. Die Hotels waren offen für Massnahmen, aber wir gehen jetzt andere Wege.

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Braunwald liegt hier links auf einer Sonnenterrasse. Die Lage und Aussicht sind super. Schneesicher ist das Gebiet aber nicht.Bild: www.imago-images.de

Wie sieht es eigentlich mit einer möglichen kantonalen Unterstützung aus? Die Landsgemeinde bewilligte 2018 einen Rahmenkredit von 12,5 Millionen Franken für die Mitfinanzierung touristischer Kerninfrastrukturen.
Die Vergabe ist noch nicht fix. Wir mussten zuerst Klarheit über die Erschliessung haben, vorher konnten wir kein Projekt planen. Wir rechnen damit, dass wir einen Teil des Geldes erhalten.

Beim Grotzenbüel eröffneten Sie 2023 einen Seilpark. Der war jetzt auch im Winter offen, als der Schnee fehlte. Wie sehr setzt man in Braunwald vermehrt auf den Sommer?
Wir verdienen im Sommer noch kein Geld. Der Seilpark ist super, aber auch er braucht Personal. Die Kosten und Einnahmen decken sich da aktuell ungefähr.

Seilpark Braunwald Grotzenbüel
Der Seilpark beim Grotzenbüel war auch im Winter in Betrieb, als der Schnee fehlte.Bild: Braunwald.ch

Bald soll auch eine Zip-Line entstehen.
Genau, wir hoffen, dass wir die ab Sommer in Betrieb nehmen können. Es soll eine Zip-Line für Familien werden und wir werden sie auch beim Grotzenbüel bauen, um Synergien nutzen zu können.

Zur Diskussion stand auch eine Rodelbahn?
Das dauert noch etwas länger. Das Investment ist grösser und die Finanzierung muss noch geklärt werden.

Wie geht es mit den Bergbahnen in Braunwald weiter?
Wir glauben an die Zukunft. Es wird weitergehen, aber so wie es in den letzten Jahren, eigentlich sogar seit 20 bis 30 Jahren war, so geht es nicht weiter.​

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Skifahren bei wenig Schnee – Das sagen die Gäste
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