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Per Bahn zum Shoppen nach Deutschland: Werbung in SBB-Zentren verärgert den Handel

Mit dem Zug zum Shoppen über die Grenze: Ein solches Angebot flimmert derzeit über Bildschirme in den Reisezentren der SBB. Der Handel ist verärgert. Der Reiseveranstalter wiegelt ab, der Gewerbeverband attackiert die Bahn.
22.06.2022, 15:23
Stefan Ehrbar / ch media

Gut 100 Kilometer nach der deutsch-schweizerischen Grenze erwartet Shopping-Fans im Outletcity Metzingen ein kleines Paradies. Die Produkte von über 500 Premium- und Luxusmarken können dort zu günstigen Preisen gekauft werden, heisst es in der Eigenbeschreibung des Centers. Vor allem Marken aus dem Kleidungs- und Beauty-Bereich sind vertreten.

Werbung im SBB-Reisezentrum: Zum Shoppen nach Deutschland.
Werbung im SBB-Reisezentrum: Zum Shoppen nach Deutschland.Bild: ehs

Davon sollen auch Schweizer Einkaufstouristinnen und -touristen profitieren. In den Reisezentren der SBB bewirbt die Veranstalterin Railtour derzeit Trips in die «City of Fashion» – «der Umwelt zuliebe mit der Bahn». Nur zweieinhalb Stunden von Zürich entfernt warte das Shoppingvergnügen, heisst es in den Spots.

Gewerbeverbandschef Bigler: «Wir finden das befremdlich»

Das ausgerechnet in den Schalterhallen der SBB Werbung für Einkaufstourismus gemacht wird, stösst dem Handel sauer auf. Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, sagt: «Wir finden es befremdlich, wenn ein subventioniertes Staatsunternehmen, welches in seinem Kerngeschäft Mängel aufweist – Stichwort Pünktlichkeit und Sauberkeit – solche Angebote bewirbt.»

Ähnlich tönt es beim Verband Swiss Retail Federation, in dem neben Detailhändlern wie Aldi und Spar auch Manor, Mode Bayard und C&A vertreten sind. «Grundsätzlich müssen wir mit Konkurrenz aus dem Ausland leben», sagt Direktorin Dagmar Jenni. Es sei aber schon «etwas unschön»: «Die SBB sind ein Staatsbetrieb und auch mit Steuergeldern alimentiert», betont Jenni. «Sie sollten ein Interesse daran haben, dass die Mehrwertsteuer in der Schweiz generiert wird.»

Ein Markenparadies: Das Outletcity im deutschen Metzingen.
Ein Markenparadies: Das Outletcity im deutschen Metzingen.Bild: zvg

Die SBB verweisen darauf, dass es sich beim Spot auf den Bildschirmen in ihren Reisezentren um bezahlte Werbung handle. Diese seien von der Railtour-Marke Tourmark fixfertig angeliefert worden und schon letztes Jahr einmal gebucht worden. Wie viel die Kampagne kostet, geben weder die SBB noch Railtour bekannt.

Railtour wurde ursprünglich von den SBB mitgegründet, gehört mittlerweile aber vollständig zum Reisekonzern DER Touristik. Die SBB arbeiten weiterhin mit Railtour zusammen und bewerben deren Angebote auch auf der eigenen Internetseite.

«Shopping ist nur ein kleiner Teil»

Railtour-Sprecherin Liliane Rotzetter sagt, die Kritik aus dem Handel könne man «sehr gut nachvollziehen». «Wir sind Anbieter von Städtereisen und Kurztrips auf Basis der Formel Bahn und Hotel in der Schweiz oder im benachbarten Ausland», sagt sie. Bei einer Städtereise stünden bei der Kundschaft viele Programmpunkte wie Sightseeing, Kunst und Kultur und Essen auf der Liste. Shopping sei nur ein Teil davon.

Die Werbung habe man zusammen mit dem Outletcity, einem Partner von Railtour, gebucht. Das Angebot werde meist in Zusammenhang mit einer Städtereise nach Stuttgart kombiniert. «Das passt vollumfänglich in unser Reise-Portfolio, wie auch ein Abstecher nach Ludwigsburg oder Esslingen», sagt Rotzetter.

Verschwindet die Wertfreigrenze?

Outletcity Metzingen zählte 2019 rund 4.2 Millionen Besucherinnen und Besucher, 40 Prozent der Umsätze wurden von Gästen aus dem Ausland generiert. Bahnreisende aus der Schweiz dürften nur einen kleinen Teil davon ausmachen. Doch der Einkaufstourismus nimmt nach zwei Jahren des pandemiebedingten Einbruchs wieder zu – und hiesige Händler verlieren Umsätze an die ausländische Konkurrenz.

Dagmar Jenni von Swiss Retail Federation hofft deshalb, dass die vom Parlament angenommenen Vorstösse zur Beseitigung der Wertfreigrenze von 300 Franken im Einkaufstourismus rasch umgesetzt werden. «Unseren Informationen nach hängen die Gesetzgebungsarbeiten in der Verwaltung», sagt sie. Das sei stossend. «Es scheint fast so zu sein, als wolle man den klaren parlamentarischen Willen hintertreiben.» (aargauerzeitung.ch)

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8 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tokyo
22.06.2022 15:30registriert Juni 2021
dachte für den Gewerbeverband gelten freie Märkte und Angebot und Nachfrage...
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Nordkantonler
22.06.2022 18:32registriert September 2020
Jammern die Tourismusverbände auch, wenn die SBB ihre Dienste für Ferien in Italien und Frankreich anpreisen?
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Hösch
22.06.2022 20:41registriert März 2022
Auf den Werbeflächen in den Bahnhöfen kann jeder werben für was er will. Die SVP genau so wie Railtour.
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