Schweiz
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Offen gesagt

«Lieber Beat Breu, Ihre Misere ist nicht gottgegeben ...»

Einer der grössten Schweizer Radsport-Stars der 80er-Jahre scheitert auch mit seinem jüngsten Projekt, dem Circus Beat Breu. Es ist ein schmerzhaftes Déjà-vu.



Lieber Herr Breu

Promis verlieren ja noch vor Ihrer Anonymität als allererstes den Nachnamen. Man ist ab einem gewissen Bekanntheitsgrad für alle nur noch der Vorname. Auch Sie sind spätestens seit dem Sieg auf Alpe d'Huez für alle nur noch «dä Beat». Unanständig eigentlich, weil Sie ohne Ihr Einverständnis als Kumpel von Hinz und Kunz ins kollektive Gedächtnis Schweizer Sportgeschichte einverleibt worden sind.

Ein bisschen, vermute ich, fühlen Sie sich diesem Umstand ausgeliefert, dass Sie für alle nur «dä Beat» sind. Zwar weiss man ja auf einer rationalen Ebene, dass nicht jede, die einen beim Vornamen nennt, eine beste Freundin ist und dass viele Schulterklopfer bloss die Stelle suchen, an der das Messer am besten in den Rücken geht.

Aber es braucht ausserordentlich viel Selbstbewusstsein, sich nach Jahren oder Jahrzehnten der allumfassenden kumpelhaften Duzerei täglich zu erinnern, dass Glück flüchtig ist und man selbst dafür verantwortlich ist, es sich dauerhaft zu erarbeiten.

Das wiederum bedingt natürlich auch ein bisschen, dass man für sich selber einsteht, seine Entscheidungen selbst trifft, in Geschäftsdingen stets ein wenig Restmisstrauen hegt und für Fuckups die Verantwortung übernimmt. Dass Sie das können, bezweifle ich nicht, sonst hätten Sie in den Fahrerfeldern an den grossen Rundfahrten nicht bestehen, geschweige denn siegen können.

Bloss tun Sie seither stets das Gegenteil. Komiker und Bordellbetreiber sind Sie nur geworden, weil Ihr Bruder Ihr Vermögen verspekuliert hatte und normale Jobs Sie nie wieder in die schwarzen Zahlen gebracht hätten, Ihr Comeback auf der Bahn als Steher ist wegen der verschwundenen Wunderwasser-Sponsoren gescheitert und an Ihrer Scheidung war Heidi beziehungsweise deren Eifersucht schuld.

Dazu passt, dass jetzt ebendiese Heidi im «Blick» die Schuld am Scheitern des Circus Beat Breu dem österreichischen Partner in die Schuhe schiebt. Sie selbst konnten oder wollten nicht mehr sprechen vor lauter Enttäuschung, was ich ein wenig nachvollziehen kann.

Es ist ja auch das gefühlt hundertste Mal in der Geschichte Ihres Nach-Radsport-Lebens, dass ein stiller Teilhaber versucht, mit Ihrem guten Namen im «Blick», der «Glückspost» oder der «Schweizer Illustrierten» Geld zu machen, und Sie fallen lässt, sobald die Zahlen nicht mehr ganz so rosig aussehen, wie von irgendeinem Ihrer windigen Duz-Berater oder einer windigen Duz-Beraterin erschwafelt.

«Mein Leben ist wie eine Velotour in den Bergen, es geht mal rauf und mal runter», pflegten Sie früher stets in den Boulevard zu rufen, der Sie schon lange nur noch runterfährt. Und dort liegt doch auch der Kern Ihrer Misere: Sie sehen sich nicht als Handelnden in Ihrem Leben, sondern stets nur als passive Manövriermasse, die allen und allem ausgeliefert ist. Ich bin ziemlich sicher, dass das nicht gottgegeben ist und wünschte mir, Sie könnten diese Einstellung auf Ihre alten Tage vielleicht noch einmal ablegen.

Fangen Sie mal damit an, darauf zu bestehen, dass man Sie wieder siezt.

Ich grüsse Sie herzlich

Ihr Maurice Thiriet

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39
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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Boogie 21.08.2019 14:31
    Highlight Highlight Der gute Beat Breu sollte sich schon lange einen einfachen Job, mit sicherem Anstellungsverhältnis suchen und es dabei belassen. Alles andere führt immer wieder zu Pleiten, Pech und Pannen.
  • Bruno Wüthrich 21.08.2019 10:59
    Highlight Highlight Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Name Beat Breu immer noch so gut ist, wie er einmal war, oder ob er ob all der von der Boulevardpresse begleiteten Pannen und Pleiten nicht bereits total verhunzt ist.

    Ich jedenfalls kann den Namen Beat Breu nur dann in mir hoch halten, wenn ich die letzten 25 Jahre beinahe vollständig ausblende, was ich ihm zuliebe gerne tue.

    Noch zum Zirkus: Lieber Beat Breu, nehmen Sie das Vorgefallene als Ende mit Schrecken. Denn dass es vorbei ist, ist tausendmal besser als ein Schrecken ohne Ende. Zirkusse sind Auslaufmodelle.
  • snowleppard 21.08.2019 10:20
    Highlight Highlight Breu hat den Namen. Er sollte einen Schnitzel-Food-Truck eröffnen. Ich kenne hier keine Schnitzel-Buden wie in Österreich. Hei, ich liebe das Zeug. Verschiedene Schnitzel, verschiedene Salate, Pommes, Country Cuts usw. Alles relativ einfach. Es braucht 2 Personen dazu. Der Breu kann reden und ich bin überzeugt, wenn er das korrekt und sauber mit Qualität macht, hat er keine Sorgen mehr.
    Natürlich wär ich dann Stammkunde, logisch oder.
    • Lowland 21.08.2019 15:05
      Highlight Highlight Finde das eigentlich eine gute Idee. Was mir Sorgen dabei macht ist korrekt, sauber und gute Qualität.
      Ich denke das war bereits bei den letzten Geschäftsversuchen das Problem.
  • Fly Baby 21.08.2019 08:18
    Highlight Highlight Das hat Beat Breu nicht verdient. Er tut mir wirklich leid. Ich durfte ihn Ende 90gern kennen lernen. Er kam so 2-4 Mal im Monat in unserem Restaurant vorbei um eine Glas Wein zu trinken. Ein sehr netter Mensch.
  • Mangi 21.08.2019 07:26
    Highlight Highlight Nach dem Bordell und dem Zirkus wäre da noch die Möglichkeit eine Shischa Bar zu eröffnen
  • Billy Meier 21.08.2019 05:54
    Highlight Highlight So, und jetzt noch mein ernst gemeinter Kommentar: Eine super Analyse!
    Herr Breu sollte sich dringend überlegen, mit welcher Tätigkeit er eigentlich erfolgreich sein kann. Was er alles nicht kann, das weiss nun die ganze Schweiz.
  • Sergio Colleoni 21.08.2019 04:13
    Highlight Highlight Vielleicht könnten Sie Herrn Breu einen Job anbieten, Büroputzen z Bsp
  • Elpampa 21.08.2019 00:12
    Highlight Highlight Irgendwie tragisch, jede Nation hat einen Ausnahmesportler, welcher tief gefallen ist und nun so „herumlungert“

    Gazza bei den Engländern
    Ullrich bei den Deutschen
  • Ihre Dudeigkeit 20.08.2019 23:44
    Highlight Highlight Und ein Projekt mehr welches der Beat abhaken kann. Grind abä u d secklä kommt nicht aus dem Radsport, aber der Beat hat es verinnerlicht. Wahnsinn wie er sich immer wieder aufraffen kann. Alleine dafür hat er meine grösste Bewunderung verdient. Respekt Beat.
  • Randalf 20.08.2019 23:35
    Highlight Highlight
    Chef,
    Du in deinem enviroment lässt es dir gut gehen und machst nichts ausser mal deine Mein6ng kund zu tun.

    Herr Breu hingegen war und ist ein Kämpfer.
    Er wird irgendwie, irgendwas weitermachen.

    Er ist ein Macher, und deshalb zeige ich ihm Respekt.
    • Mia_san_mia 21.08.2019 07:50
      Highlight Highlight Er macht ja gar nichts... Er probiert nur.
  • N. Y. P. 20.08.2019 22:37
    Highlight Highlight dito Shaqiri

    Bei Shaqiri hat sein (ex Automech) hochtalentierter Bruder alle finanziellen Fäden in der Hand.

    Wenn Shaqiri nicht aufpasst, ist sein Geld schneller weg, als ihm lieb ist.
    • mukeleven 20.08.2019 23:04
      Highlight Highlight und sonst gerne loredana fragen! 🤪
  • theshark 20.08.2019 21:17
    Highlight Highlight Ein Sie nach dem Du. Darum geht es, ok. Aber für mich zu weit ausgeholt. Drum geht es eben nicht nur und das Sie. Seitenhiebe da und dort. Ich frage mich nicht, war das nötig. Es war nicht nötig, die Schmuddelkiste zu ziehen. Menschen haben Chrakter, bessere und schwächere. Die Macht des Schreibenden hat, hatte und wird Beat nicht haben. Ein Frontalangriff wäre ehrlicher gewesen.
    • sambeat 20.08.2019 22:20
      Highlight Highlight Also die Schmuddelkiste (oder Schublade?) hat hier niemand gezogen...
  • Billy Meier 20.08.2019 20:38
    Highlight Highlight „und dass viele Schulterklopfer bloss die Stelle suchen, an der das Messer am besten in den Rücken geht.“

    „Chefsache“-Fans wissen, wie @dickmo das meint: Davor fürchtet er sich am meisten! 😂

    Wann kommt endlich die „Chefsache“ mit Huber? Motto: Die hellste Kerze ist noch immer der Chef!
  • länzu 20.08.2019 19:13
    Highlight Highlight Ein Superbeitrag. Bravo. Das bringt die Sache auf den Punkt. Bezweifle aber, dass Beat Breu die Richtigkeit erkennt.
  • Magenta 20.08.2019 19:12
    Highlight Highlight Ich find's einfach immer traurig, wenn jemand sich ständig wieder irgendwo reinreitet, der es nur gut meint und einfach immer Pech hat (ok, und vielleicht auch ein Stück Unvermögen und Naivität).

    Wenn Beat Breu wenigstens ein A... Loch wäre, was er vermutlich nicht ist, dann könnte man drüber lachen. So tut er einem einfach nur leid... 😲
  • Arneis 20.08.2019 18:49
    Highlight Highlight Von einem halb so alten Online-Redakteur jovial herabgeputzt zu werden, das steht für Qualitätsjournalismus.
    • dickmo 20.08.2019 20:36
      Highlight Highlight Ich bin nicht halb so alt, leider. Und ich putze niemanden herab. Außerdem heisst es runterputzen, nicht herabputzen. Geben Sie sich etwas mehr Mühe bei der Kommentierung meiner Beiträge, ich gebe mir auch Mühe.
    • sowhat 20.08.2019 21:22
      Highlight Highlight Gab und hatte.....
    • Billy Meier 21.08.2019 05:49
      Highlight Highlight Das deutsche ß hat in einer Schweizer Kommentarspalte nichts zu suchen. Herrn Manser oder Herrn Huber wäre das nicht passiert...
  • Neruda 20.08.2019 18:12
    Highlight Highlight Meine Versicherungs- und Bankberater Siezen mich immer und trotzdem werde ich von ihnen durchs Band beschissen. Mmh doof...
    • WerWillSchonStringenzUndSachkenntnis 20.08.2019 21:44
      Highlight Highlight Gratis-Tipp: sparen sie alles Geld für Finanzberater. Die wissen nichts besser - ausser ihnen Gebühren abzuknöpfen.
  • mukeleven 20.08.2019 17:58
    Highlight Highlight da bleiben wir lieber beim circus watson.
    aber der breu gibt so schnell nicht auf - der kommt nochmals, der will richtig auf die fre... fliegen.
    fuer diesen biss bewundere ich ihn.
    • Wurstbrot 21.08.2019 19:03
      Highlight Highlight Das ist wegen der OVO.
  • grmpf 20.08.2019 17:40
    Highlight Highlight Ich denke ihm sind Leute die ihn duzen lieber, als welche die öffentlich über ihn urteilen ohne je mit ihm gesprochen zu haben...
  • bossanova 20.08.2019 17:38
    Highlight Highlight was der Herr Breu schon dazumal formulert hat als er beschissen wurde „ De Godi, dä Sauhund „ gilt immer noch.
    Leider umgibt er sich bis heute immer wieder mit solchen Godis.
  • Asparaguss 20.08.2019 17:36
    Highlight Highlight Gut geschrieben. Gute und ehrliche Worte. Alles gute Herr Breu
  • Jacques #23 20.08.2019 17:19
    Highlight Highlight Das ist schlechtes workplace environment! 🙄

    Alles Gute, Herr Breu... Eigene Kraft ist angesagt.
  • Der Teufel auf der Bettkante 20.08.2019 17:15
    Highlight Highlight Bei allem Respekt für den Artikel, aber dem Herrn Breu sagen sie doch umgs. nicht «Beat» sondern wohl eher «dä Breu» - was aber duztechnisch auch nicht besser ist. Kann ich nicht belegen, ist ein Bauchgefühl.
    • Herr Noergler 20.08.2019 17:56
      Highlight Highlight Also eigentlich nennt man ihn umgangssprachlich „Bergfloh“.
    • Der Teufel auf der Bettkante 20.08.2019 17:58
      Highlight Highlight Das wohl noch mehr, ja
  • Offi 20.08.2019 17:13
    Highlight Highlight Ein weiteres gescheiteres Projekt, aber er wird nicht aufgeben und uns bald mit was Neuem überraschen ... ich freu mich drauf!
  • hopplaschorsch12 20.08.2019 17:12
    Highlight Highlight gut geschrieben. dem gibt's nichts hinzuzufügen. dem herr breu alles gute.
    • Petrum 20.08.2019 17:16
      Highlight Highlight Gut ja, Corsin hätte es besser gemacht ;)
    • Charlie Brown 20.08.2019 19:02
      Highlight Highlight Darum durfte Herr Manser es ja auch nicht schreiben...
    • Billy Meier 20.08.2019 20:43
      Highlight Highlight Und Huber hätte noch ein paar Fakten mehr berichten können.
      Wobei: Von Sport versteht der ja nix...

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