Schweiz
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«Bis jetzt ist nur das Arschloch zu sehen» – 9 Porträts von Menschen am Eidgenössischen 

Bild: watson

250'000 Menschen haben während drei Tagen auf 90 Hektar Land 200'000 Liter Bier getrunken und verfolgt, wie 275 Schwinger um den Titel des Bösesten der Bösen kämpften. Wir haben neun von ihnen porträtiert.

29.08.16, 12:03 30.08.16, 13:48


Der Sensebezirkler

Daniel, Sensebezirk. bild: watson

«Am Bauch lass' ich mir grad eine Ente stechen.»

«Früher hab ich selber geschwungen, mittlerweile bin ich über den Fussball aufs Thaiboxen gekommen. Ich war kein besonders talentierter Schwinger, im Gegensatz zu meinem Kollegen Pellet Markus hier drüben. Den hätten Sie sehen sollen, also eigentlich vor allem seinen Bruder, den Hanspeter Pellet, den Kugelblitz aus dem Sensebezirk. Ich stamme auch aus dem Sensebezirk, da gibt es einen unglaublichen Zusammenhalt. Du musst dir vorstellen: wir sind fast alleine in einem vom Französischen dominierten Kanton. Und die Welschen, nun ja, denen fehlt halt einfach die Disziplin (lacht).

bild: watson

Ans Schwingfest gehe ich regelmässig, dieses Mal als Helfer. Ich mag die Atmosphäre hier, wo sonst kann man an einem Sportanlass Bier im Glas trinken? So wie hier sollte es überall sein, auf der ganzen Welt. Auch wenn ich die Stimmung in der Patinoire, wo Gottéron spielt, natürlich auch liebe.

Willst du meine Tattoos sehen? Ich hab eins von Gottéron, eins von AC/DC und eins von Che Guevara. Und am Bauch lasse ich mir grad eine Ente stechen, aber es ist erst das Arschloch zu sehen (zieht das T-Shirt hoch und zeigt auf seinen Bauchnabel).

Der Alphornbläser

Bernhard, Laupen. bild: watson

«Was ich von Beruf mache? Siehst du doch, ich bin Rentner.»

«Ein Foto? Klar kannst du ein Foto machen, ich trag nur noch schnell Sonnencrème auf. Unglaubliche Hitze hier. Um 18 Uhr spielen wir in der Arena auf, ich bin Alphornbläser, seit zweieinhalb Jahren. Vorher habe ich Blasinstrumente gespielt, das ist fast ein nahtloser Übergang (lacht).

Schwingen gefällt mir, aber ich bin nicht angefressen. Ich bin – wie sagt man? – polysportiv veranlagt. Wenn was im Fernsehen läuft, dann schaue ich es. Alles hat seinen Reiz. Wobei mir Fussball und Eishockey schon am ehesten zusagen. Hab ich früher übrigens selber einmal gespielt, Eishockey, zum SCB hat's leider nicht ganz gereicht (lacht). Was ich von Beruf mache? Siehst du doch, ich bin Rentner. Jetzt muss ich los, wir müssen noch einspielen.»

Die Bierkönigin

Die Bierkönigin. bild: watson

«Hast du mich was gefragt? Willst du ein Bier? Hier hast du ein Bier.»

Der Jodler

Anton, Frick. bild: watson

«Was ich rauche? Villiger.»

«Mösch Anton mein Name, googeln Sie mich, dann wissen Sie alles. Ich war 28 Jahre lang im Gemeinderat von Frick, davon 24 Jahre als Gemeindeammann. Für welche Partei? Für die SVP natürlich. Mein erstes Eidgenössisches erlebte ich vor genau 30 Jahren, 1986 in Sitten. Als Jodler interessiere ich mich fürs Schwingen, das ist nur normal, umgekehrt genauso. Wir leben in einer Symbiose, die Jodler und die Schwinger. Selber auf dem Sägmehl gestanden bin ich nur am Nationalturnen. Das kennen Sie nicht?

Wir, der Hansjörg und ich, sind am Samstagmorgen um 5 Uhr in Frick losgefahren. Und jetzt sind wir immer noch hier. Gestern Abend mussten wir die Segel streichen, da hat es nur noch für den ÖV gereicht. Welche Marke ich rauche? Villiger. Aber nur noch eine pro Tag, ich bin am reduzieren.»

Der Jodler-Freund

Hansjörg, Frick. bild: watson

«Deutsches Mineral, allerhand.»

«Alles prächtig, aber darf ich etwas sagen? Dass das von den SBB gestern während der Hitzewelle verteilte Mineralwasser aus Deutschland kommt, sternesiech, das ist schon allerhand.»

Die Trachtengruppe

bild: watson

«Wir sind aus dem Sensebezirk, klar kannst du ein Foto machen.»

Der Bergbauer

Küffer, Ins bild: watson

«Ich hab' Viecher oben auf dem Berg, die kann ich nicht so lange alleine lassen.»

«Ich hab's in den Knien und vor kurzem ist auch noch eine Diskushernie dazugekommen. Eigentlich wäre ich jetzt im Stadion, meine Tochter hat mir ein Ticket geschenkt, aber ich halte das nicht aus, so lange zu sitzen, ohne die Beine strecken zu können. An Schwingfeste gehe ich eher selten, auch wenn mich der Sport gäng fasziniert hat. Ich hab' Viecher oben auf dem Berg, die kann ich nicht so lange alleine lassen.

Impressionen vom Esaf 16

Womit machen Sie das Foto? Ich hatte auch mal so ein Ding, aber ich bin damit nicht klargekommen, mit meinen Tööpen habe ich immer drei Tasten aufs Mal verwütscht. Jetzt hab ich so ein AHV-Telefon. Aber nützlich wär's schon, wegen der neuen Tierverkehrsdatenbank braucht man auch als Bauer einen Internet-Zugang. Ich sage immer: Man kann alles lernen, wenn man will. Ich will halt einfach nicht. Das sollen die Töchter für mich machen.»

Die Stumpen-Verkäuferinnen

Elena und Leila, Basel. bild: watson

«Zuckerwatte und Einhörner!»

«Zwei Tage Stumpen, Krumme und Zigarillos verkaufen, bei 35 Grad im Schatten und du fragst, ob wir erledigt seien? Witzbold. Aber es läuft gut, Raucherwaren ziehen hier. Ob wir auch sonst ans Schwingfest gegangen wären? Was willst du jetzt hören? Eigentlich ist das ja nicht unsere Welt, wir studieren beide in Basel, bewegen uns in anderen Kreisen, aber interessant ist es schon, mal einen Einblick zu bekommen. Was uns sonst so gefällt? Zuckerwatten und Strassenkatzen. Und Einhörner natürlich.»

Die Hymnen-Bläser

Marie-Cécile und Adrian. Bild: watson

«Jetzt gibt's noch rasch eine Wurst und dann müssen wir wieder ins Stadion.»

«Wir hatten bisher kaum Zeit, das Schwingen zu verfolgen, gerade eben waren wir noch im Radio. Wir spielen für die Alphornbläservereinigung Deutschfreiburg. Das ist unser erstes Eidgenössisches und es steht den Jodelfesten in nichts nach: Friedlich, tolle Atmosphäre, schöne Gesänge und Musik. Jetzt gibt's noch rasch eine Wurst und dann müssen wir wieder ins Stadion, «Ranz de Vaches» blasen. Wie, du kennst die Freiburger-Hymne nicht?»

Die Event-Gängerin

Humans of Schwingfest

Priska, Bern bild: watson

«Ich bin ohne Ticket angereist, dass ich das Schwingen in der Arena verpasse, ist nicht so tragisch. Hauptsache, ich bin dagewesen. Ich finde, so einen grossen Anlass sollte man nicht verpassen – die Leute, das Bier, die Stimmung.» 

Protokoll: William Stern

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wuu 29.08.2016 21:47
    Highlight Ach Daddy, du mit deiner Ente :-)
    15 1 Melden
  • pamayer 29.08.2016 18:58
    Highlight Und der titel ist ja haarsträubend cool! Die Ente! !!
    12 1 Melden
  • Hüendli 29.08.2016 17:18
    Highlight Neun! Und ja, Clickbait muss wirklich nicht sein.
    Ansonsten ein sehr schöner Artikeln mit starken Bildern (die in s/w ideal zur Geltung kommen) und wenigen, dafür aussagekräftigen und die Stimmung perfekt einfangenden Worten. Gerne mehr!
    25 1 Melden
  • Dsign 29.08.2016 15:41
    Highlight Dieser tolle Bericht verdient keine Clickbaiting-Headline. Da fühle ich mich doch als Leser gleich zu Anfang verarscht – mol, super. Dennoch vielen Dank für den Bericht und die stimmungsvollen Schwarzweiss-Fotos
    38 5 Melden
  • stoipi 29.08.2016 13:28
    Highlight Merci für die Porträts, grossartiger Einblick/Querschnitt!
    29 2 Melden
  • marhu13 29.08.2016 13:21
    Highlight Coole Art, gut geschrieben. Gefällt mir. Mehr davon.
    34 3 Melden
  • lily.mcbean 29.08.2016 12:20
    Highlight Schhade, sind die Fotos schwarzweiss. Vor allem die Trachten der Mädels wäre schön in Farbe gewesen!
    65 20 Melden
    • Fumo 29.08.2016 13:14
      Highlight Das kommt davon wenn man Journalisten mit einen Handy bewaffnet und ihnen die Arbeit der Fotografen machen lässt. Ist ja günstiger als beide bezahlen zu müssen.
      23 40 Melden
    • Soulrider 29.08.2016 13:26
      Highlight Kann ich nur zustimmen. Ist doch eigentlich ein farbenfroher Anlass an dem Linke und Rechte, Jung und Alt teilnehmen können ohne dass es sinnlose Streitereien gibt.
      26 13 Melden
    • Dsign 29.08.2016 15:44
      Highlight Es muss nicht immer bunt sein. Da und dort ist die s/w-Tonabstimmung in den Hauttönen entgleist aber mehrheitlich finde ich das eine gelungene Fotoserie – die Farben entstehen als «Kopfkino».
      22 3 Melden

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