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Fragwürdige Schweizer Wolfsabschüsse – Europarat leitet Untersuchung ein

Wolf, Plueschtiere und Grablichter bei der Mahnwache fuer die getoeteten Woelfe, am Mittwoch, 31. Januar 2024 auf dem Bundesplatz in Bern. Am letzten Tag der Schutzfrist fuer Woelfe organisiert Campax ...
Mahnwache für getötete Wölfe auf dem Bundesplatz in Bern, Anfang 2024.Bild: KEYSTONE

Fragwürdige Schweizer Wolfsabschüsse – Europarat leitet Untersuchung ein

06.12.2024, 22:0006.12.2024, 23:08

Der ständige Ausschuss der Berner Konvention im Europarat hat beschlossen, eine Untersuchung bezüglich der Schweizer Wolfsabschusspolitik einzuleiten. Einer entsprechenden Beschwerde von zwei Schweizer Wolfsschutzorganisationen wurde stattgegeben.

Die Berner Konvention ist ein 1979 verabschiedeter völkerrechtlicher Vertrag zum Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen. Die Schweiz ist Mitglied des Europarats und hat die Konvention ratifiziert.

Der Europarat ist die führende Menschenrechtsorganisation Europas. Er hat 46 Mitgliedstaaten, von denen 27 Mitglieder der Europäischen Union sind.

Worum geht's?

Der Hauptkritikpunkt der Schweizer Wolfsschutzorganisationen CH-Wolf und von Avenir Loup Lynx Jura (ALLJ) am aktuellen Wolfsmanagement der Behörden ist die willkürliche Festlegung von fünf Regulations-Regionen mit einem Schwellenwert von schweizweit zwölf Rudeln, wie Christina Steiner, Präsidentin von CH-Wolf, am Freitag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Des Weiteren kritisieren sie auch die abgesenkten Risszahlen und die präventiven Abschüsse und Rudel-Regulierungen, einzig um zukünftig mögliche Schäden zu vermeiden. «Ein solches Vorgehen ist unseres Erachtens klar nicht mit der Berner Konvention vereinbar», betonten beide Organisationen in einer Mitteilung.

Wie geht es weiter?

Der ständige Ausschuss der Berner Konvention teilte offenbar die Bedenken und entschied am Donnerstag einstimmig dafür, ein entsprechendes Untersuchungsdossier zu eröffnen. Dies bedeutet, dass die Schweiz an der nächsten Sitzung im Frühjahr 2025 erneut Bericht über ihr Wolfsmanagement erstatten muss.

An der Sitzung in Strassburg angehört wurde neben den beiden Wolfsschutzorganisationen auch das Schweizer Bundesamt für Umwelt (Bafu). Die Präsentation des Bafu sei bei den teilnehmenden Ländern auf grosse Skepsis gestossen, erklärten CH-Wolf und ALLJ.

Erst am Dienstag hatte derselbe Ausschuss des Europarats auf Geheiss einer Zweidrittelmehrheit seiner Mitgliedsländer den Schutzstatus des Wolfes von «streng geschützt» auf «geschützt» gesenkt.

Gemäss den beiden Wolfsschutzorganisationen habe insbesondere der Sprecher von Deutschland am Donnerstag betont, dass auch die Herabstufung des Wolfsschutzes kein Freipass sei, um massenhaft Wölfe zu schiessen, und dass der Wolf ein geschütztes Tier bleibe. Zudem bleibe auch mit dem geschützten Status ein günstiger Erhaltungszustand von mindestens 20 Rudeln in der Schweiz die wissenschaftliche Basis.

Wie reagiert der Bund?

Das Bafu erklärte auf Anfrage von Keystone-SDA, die Schweizer Behörden hätten nie in Frage gestellt, dass der Wolf ein geschütztes Tier sei. Gerne werde man weiterhin den Austausch mit der Berner Konvention und den Mitgliedsstaaten pflegen und berichten.

Auch werde man eventuelle gemeinsam vereinbarte Empfehlungen zur Übereinstimmung der Schweizer Wolfspolitik mit der Konvention umsetzen.

(dsc/sda)

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Polly2004
07.12.2024 05:11registriert Juni 2015
Endlich schaut mal jemand Rösti auf die Finger ! Er führt sich auf wie der Alleinherscher …. Er sagt chronisch die Unwahrheit, verändert Berichte, handelt gegen den Volkwillen (ignoriert Abstimmungen) etc.
Er wird seinem Idol Trump immer ähnlicher!
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Pummelfee
06.12.2024 23:33registriert Mai 2020
Tatsache ist doch, dass das Schweizer Stimmvolk genau dieses Jagdgesetz, das präventive Abschüsse vorsieht, 2020 bachab geschickt hat! Da gibts nichts daran zu rütteln. Aber unser Herr Rösti denkt offenbar, unsere Gesetze seien nur Empfehlungen. Und so einer ist Bundesrat!
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kärli
07.12.2024 10:51registriert Juli 2015
Good news! Nur schon etwas Medienpräsenz ausserhalb unserer Landesgrenze tut diesem Anliegen gut.
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