Schweiz
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Tour dur d'Schwiiz, 41. Etappe: Naters - Stalden VS

Tour dur dSchwiiz

Vom Papst, Kaiser und Sonnenkönig geehrt – aber den Wallisern war das piepegal: Wer nicht passt, muss weg

Wer nach Brig kommt, dem fällt er sofort auf: der Stockalperpalast. Ein König wohnte nie dort, ein anderer Blaublüter auch nicht. Sondern «nur» ein blitzgescheiter Handelsmann. Doch als er zu erfolgreich wurde, nutzte alles nichts mehr. 



Mit dem Velo durch die ganze Schweiz

In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d'Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter

Eigentlich hätte dieser Artikel zur vorletzten Etappe gepasst. Aber ich kam nicht dazu, ihn zu schreiben. Die Erzählungen von meinen Nachbarn in Naters, Herke und Margrit, waren so gut, dass ich sie jetzt noch bringe. Denn vermutlich geht es vielen «Üsserschwiizern» so, wenn sie nach Brig kommen. Sie sehen das Schloss und denken: Wow, wem das wohl gehörte?

tour dur dschwiiz 40. etappe

Der Stockalperpalast mit den drei Türmen: Kaspar, Melchior und Balthasar. Bild: watson

Es war nie ein König, Kaiser oder Prinz. Sondern ein Bürgerlicher. Ein spezieller zwar, aber kein Blaublüter. Hier wohnte und geschäftete der grösste Schweizer Kapitalist des 17. Jahrhunderts: Kaspar Jodok von Stockalper. Zwischen 1658 und 1678 liess er das Anwesen errichten. 

Reich wurde der schlaue Handelsmann mit der Passstrasse über den Simplon. Nach den Römern war er der zweite, welcher den Pass als Verbindung zwischen Nord und Süd nutzte. In Gondo steht noch heute der Stockalperturm, in Brig eben das Schloss, eigentlich das Handelshaus. Keiner kam über den Berg ohne nicht Wegzoll bezahlen zu müssen. Stockalper handelte mit allem: Schnecken (für die Franzosen), Söldnern und Erzen. Er sicherte sich das Warentransport-Monopol über den Simplon und krönte seine Macht 1648 mit dem Monopol auf Salz.

kaspar stockalper

Kaspar Stockalper himself auf dem lustigen Pferd. bild: wikipedia

Die Kassen Stockalpers klingelten und als gewiefter Geschäftsmann sicherte er sich die Macht ab, indem er seine Familie mit anderen einflussreichen Walliser Geschlechtern verschwägerte. Viele angesehene Personen standen in seiner Schuld. Sein Imperium umfasste von der Adria bis zum Ärmelkanal, von Spanien bis Deutschland. Papst Urban VIII schlug ihn zum Ritter vom Goldenen Sporn, Kaiser Ferdinand III erhob ihn 1653 in den Adelsstand, Ludwig XIV – der Sonnenkönig – verlieh ihm die Würde des St.-Michael-Ordens (was auch immer diese Auszeichnungen bedeuten ...).

Es schien, dass niemand Stockalpers Macht brechen konnte. Doch just als Stockalper alles dominierte, formierte sich 1676 Widerstand. Die Erneuerung des Salzmonopols wurde im Jahr darauf unterschlagen und 1678 wurde Stockalper vorgeworfen sich Ämter erschlichen und Leute betrogen zu haben. Zölle habe er illegal erhöht, das Monopol missbraucht. Mit dem Tod bedroht wurde der Handelsherr gezwungen, sich als schuldig zu bekennen. Sein Hab und Gut wurde aufgeteilt, Stockalper selbst ins Exil nach Domodossola gejagt. Fünf Jahre musste er dort bleiben und verarmte total. Nichts blieb vom Reichtum. Ausser das Schloss.

tour dur dschwiiz 40. etappe

Die Römer, Stockalper und Napoleon: Sie alle wussten schon, der Weg über den Simplon ist Gold wert. Bild: watson

Da sich die Machtverhältnisse in Brig in der Zwischenzeit wieder änderten, konnte er für seine letzten Jahre in seinen Palast zurückkehren, wo er 1691 mit 81 Jahren verarmt starb.

Heute befindet sich im Stockalperpalast beispielsweise die Gemeindeverwaltung von Brig-Glis, der Innenhof wird meist für kulturelle Veranstaltungen genutzt und im Garten geniessen Jung und Alt die Sonne und den Blick auf das imposante Bauwerk. 

Tour dur d'Schwiiz, 40. Etappe

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Heute aus der Reihe «spezielle Gemeindewappen der Schweiz»: Schwarze Köpfe 

Wappen zeigen meist etwas aus dem Ort, etwas das die Gegend gut repräsentiert. An schwarze Köpfe – oder wie die Gemeinden selbst schreiben: Mohren – denkt man dabei in der Schweiz kaum. Trotzdem gibt es fünf solche Wappen. Warum?

Ich staune nicht schlecht, als ich auf der 67. Etappe durch den Jura kurz nach dem Ortsschild von Cornol diesen Willkommensgruss erblicke:

Fragend lässt mich dabei das Wappen zurück. Warum hat es da drei schwarze Köpfe drauf? Das ist doch sehr unüblich für die Schweiz. Und bei der Darstellung der Männer schiesst es mir durch den Kopf: Hier würden heute einige Rassismus schreien. Auf jeden Fall würde in der Schweiz 2015 kaum mehr jemand auf die Idee kommen, so ein Wappen zu gestalten.

Ich frage bei …

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