Schweiz
Videos

Ständerat will Armeeangehörigen keine Munition nach Hause mitgeben

Video: ch media/matthias steimer

Ständerat will Armeeangehörigen keine Munition nach Hause mitgeben

03.12.2025, 11:2203.12.2025, 13:29

Armeeangehörige sollen auch künftig keine Munition für ihre persönliche Waffe zu Hause aufbewahren können. Der Ständerat hat am Mittwoch eine Motion dazu mit klarem Mehr abgelehnt. Damit ist das Anliegen vom Tisch.

Video: ch media/matthias steimer

Die Forderung, die Abgabe von Taschenmunition vorzubereiten, kam aus der SVP. Mit 31 zu 9 Stimmen bei 3 Enthaltungen sagte der Ständerat Nein zu der Motion von Werner Salzmann (SVP/BE). Ja-Stimmen kamen vor allem aus der SVP und vereinzelt von Mitte und FDP. Mit dem Nein ist die Motion vom Tisch.

Mehr Tötungsdelikte befürchtet

Eine knappe Mehrheit der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats (SIK-S) hätte die Abgabe der Taschenmunition wieder handhaben wollen wie vor 2007: Bis dahin gehörte diese Munition zur persönlichen Ausrüstung von bewaffneten Armeeangehörigen. Seither wird sie eingezogen, und so bleibt es nun auch.

--- DIE SCHWEIZER ARMEE IST IMMER WIEDER EIN THEMA IN DER OEFFENTLICHKEIT. KEYSTONE HAT AUS DIESEM GRUND DAS BILDMATERIAL ZUR SCHWEIZER ARMEE AKTUALISIERT UND STELLT IHNEN IN LOSER REIHENFOLGE NEUE TH ...
Die Motion forderte, dass künftig wieder Munition zum Sturmgewehr mit nach Hause genommen werden soll.Bild: KEYSTONE

Im Rat setzten sich die Gegnerinnen und Gegner der Abgabe klar durch. Sie argumentierten mit den Risiken. Es sei erwiesen, dass die Suizidrate und auch die Zahl der Tötungsdelikte mit im Haus verfügbaren Schusswaffen zurückgegangen sei, seit die Munition der Armee nicht mehr nach Hause mitgegeben werde.

«Eine einsatzfähige Schusswaffe im Keller ist ein Risiko», sagte Daniel Jositsch (SP/ZH). Es gehe um sogenannte Reflextaten, zu denen es in Extremsituationen komme, etwa wenn ein Mensch stark unter Druck stehe. In psychologischen Abklärungen sei dies nicht erkennbar.

«Zwängerei»

2023 habe der Nationalrat eine Motion für die Wiederabgabe von Taschenmunition deutlich abgelehnt, gab Franziska Roth (SP/SO) zu bedenken. «Jetzt zuzustimmen, wäre Zwängerei.» In Briefen an Ratsmitglieder hätten zahlreiche Organisationen auf die Gefahr durch Schusswaffen hingewiesen, sagte Flavia Wasserfallen (SP/BE).

Flavia Wasserfallen, SP-BE, an der Sommersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 4. Juni 2025 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Til Buergy)
Flavia Wasserfallen sprach von einer «Zwängerei».Bild: keystone

Bei einer Mobilmachung würde Munition am Mobilmachungsort verteilt, schnell und sicher, fügte Andrea Gmür-Schönenberger (Mitte/LU) hinzu. Käme es nach einer Heimabgabe der Munition zu einem Tötungsdelikt mit einer Armeewaffe, würde das der Armee schaden.

Bei der Strafverfolgung brauche es Transparenz zur Frage, wer Tötungsdelikte verübe und ob dabei eine Armeewaffe im Spiel gewesen sei, entgegnete Motionär Salzmann. Diesbezüglich seien noch nie Studien verlangt worden.«Es geht nicht darum, Munition sofort abzugeben, sondern es geht um die Vorbereitung, damit sie abgegeben werden kann», sagte Salzmann als einziger Befürworter im Rat, der sich äusserte. Im Moment sei es noch nicht möglich, Taschenmunition sofort abzugeben, weil es noch keine dezentralen Abgabestellen gebe.

Sicherheit bei Mobilmachung

In einem hybriden Kriegsumfeld müssten Armeeangehörige sehr rasch in der Lage sein, kritische Infrastrukturen zu bewachen und Kontrollen durchzuführen, sagte Salzmann zum Vorstoss.

Die Abgabe von Taschenmunition erhöhe die Sicherheit bei einer Mobilmachung, stärke die Verteidigungsfähigkeit und sei ein Zeichen des Wehrwillens der Schweiz, schrieb die Kommissionsmehrheit. Gegenüber Armeeangehörigen, die bereit seien, ihr Land im Ernstfall zu verteidigen, sei die Abgabe von Munition ein Vertrauensbeweis.

Loaded clips for the assault rifle SG 550, pictured during an urban warfare exercize of the grenadier recruit school of the Swiss Armed Forces in Isone, canton of Ticino, Switzerland, on July 2, 2013. ...
50 Schuss Taschenmunition nahmen Schweizer Armeeangehörige bis 2007 noch mit Hause. Ein Magazin fasst 20 Patronen.Bild: KEYSTONE

Auch für den Bundesrat lässt sich eine Heimabgabe der Munition nicht rechtfertigen, wie Verteidigungsminister Martin Pfister sagte. Dass ein mobilisierter Soldat ausserhalb eines militärischen Verbandes Munition einsetze, sei nicht vorstellbar. Indem Soldaten ihre Waffen mit heim nehmen dürften, werde ihnen Vertrauen entgegengebracht. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Polizei sammelt Waffen ein
1 / 10
Polizei sammelt Waffen ein
In mehreren Kantonen sammelte die Polizei am 11. November 2017 Waffen und Munition ein. (Bild: Kapo Zürich)
quelle: kapo zürich
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Frauen sollen Orientierung zu Armee und Zivilschutz besuchen müssen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
«Historische» 30 Grad im September: Hier wurde am Sonntag der Temperaturrekord geknackt
Der Hitzesommer ist zwar nur noch eine ferne Erinnerung, doch auch im September haben sommerliche Temperaturen die Schweiz im Griff: Am letzten Septemberwochenende wurden an vielen Orten auf der Alpennordseite Temperaturrekorde geknackt. Das Thermometer kletterte in Basel-Binningen sogar auf 30,1 Grad.
Zur Story