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Wetter: So (un)gewöhnlich sind die hohen Temperaturen an Weihnachten

Der Wintersturm Burglind zieht ueber den Alpnachersee in Stansstad am Mittwoch 3. Januar 2018. (KEYSTONE/Urs Flueeler)..Winter storm Burglind blows over the Lake of Alpnach in Stansstad, Switzerland,  ...
Nein, echte Weihnachtsstimmung kommt so nicht auf.Bild: KEYSTONE

Grüne Weihnachten – so (un)gewöhnlich sind die hohen Temperaturen an den Festtagen

Temperaturen um die 10-Grad-Marke im Flachland und sogar über 20 Grad im Tessin: Wer in diesem Jahr auf weisse Weihnachten gehofft hat, wird einmal mehr bitter enttäuscht. Das milde Wetter über die Festtage hat schon fast Tradition, immerhin ist es in den Bergen weiss.
23.12.2023, 14:0323.12.2023, 17:35
Philipp Reich
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Wieder keine weissen Weihnachten im Flachland – über die Festtage stellt sich in diesem Jahr ein relativ milde Nordwest- bis Westlage ein, die jegliche Optionen für Schnee im Flachland ausschliesst. Gemäss «MeteoNews» wird es deshalb bis mindestens 800 bis 1000 Meter, wahrscheinlich noch etwas weiter hinauf, grün sein. Die Schneefallgrenze liegt meist zwischen 1000 und 1500 Metern, steigt an Heiligabend aber gegen 2000 Meter an. In höheren Lagen liegt auch deshalb weit überdurchschnittlich viel Schnee.

Weisse Weihnachten an ausgewählten Orten:

Mindestens einmal im Minimum ein Zentimeter Schnee zwischen dem 24. und dem 26. Dezember.
Mindestens einmal im Minimum ein Zentimeter Schnee zwischen dem 24. und dem 26. Dezember.bild: meteonews.ch

Ein böiger Wind, viel Regen und hohe Temperaturen – auch in diesem Jahr entpuppt sich das berühmt-berüchtigte Weihnachtstauwetter als Spielverderber für weisse Weihnachten im Flachland. Und sogar in den Bergen werden die Festtage eher grau-grün statt reinweiss. Schuld ist einmal mehr eine milde Südwest- bis Westlage mit atlantischen Luftmassen, die eine Schneeschmelze bis in höhere Lagen bewirkt.

Im Flachland bleibt es über die drei Festtage einmal mehr sehr mild. An Heiligabend kann es zeitweise noch stürmisch und nass sein, am Weihnachtstag und Stephanstag bleibt es meist dagegen trocken, teils sogar sonnig. Die Temperaturen liegen in tieferen Lagen fast überall bei rund 10 Grad. Noch wärmer ist es im Tessin, wo der Föhn am Samstag gar Temperaturen von bis zu 22 Grad brachte.

Oft wird für solche hohen Temperaturen und die damit fehlenden weissen Weihnachten das sogenannte Weihnachtstauwetter verantwortlich gemacht. Als Weihnachtstauwetter wird eine mild-nasse Witterungsperiode mit atlantischen Luftmassen bezeichnet, die in Mitteleuropa und damit auch in der Schweiz als klimatologische Singularität oder Witterungsregelfall immer wieder um die Weihnachtszeit eintreten soll.

Tauwetter würde aber bedeuten, dass es vor Weihnachten eigentlich frostig gewesen sein muss und Schnee gelegen hat, der dann über Weihnachten bei positiven Temperaturen geschmolzen ist. Das war in den letzten Jahrzehnten aber kaum je der Fall, da es kaum je Schnee gab. Auch eine aktuelle Temperatur-Analyse von MeteoNews für Bern zeigt, dass das Weihnachtstauwetter zumindest im 21. Jahrhundert eher Mythos als Fakt ist.

Dennoch: Die Temperatur-Analyse von Bern zeigt, dass es in den letzten Jahren über Weihnachten nur noch selten frostig wurde. Zufall oder neue Normalität? Um das herauszufinden, haben wir bei Meteo Schweiz die Durchschnittstemperaturen der drei Weihnachtstage seit 1931 für die fünf Standorte Bern, Basel, Davos, Einsiedeln sowie Zürich angefragt und diese in drei Kategorien eingeteilt:

  1. 🥶 = Durchschnittstemperaturen unter 0 Grad
  2. 😳 = Durchschnittstemperaturen zwischen 0 und 5 Grad
  3. 🥵 = Durchschnittstemperaturen über 5 Grad

Das Fazit: Milde Temperaturen über Weihnachten – egal, ob Tauwetter oder nicht – lassen sich tatsächlich statistisch erhärten. In Bern war es an 140 von 276 Weihnachtstagen seit 1931 im Schnitt über 0 Grad Celsius. In Zürich gar an 167 Tagen und in Basel an 191 Tagen. Tagesdurchschnittswerte von über 10 Grad sind allerdings eine absolute Rarität: In Bern war dies nie der Fall, in Zürich zweimal und in Basel sechsmal.

Zwar gab es auch schon in früheren Jahren milde Weihnachtstage, die folgenden Grafiken zeigen aber eindrücklich, dass sich diese in den letzten Jahren deutlich gehäuft haben.

Bern

Wärmster Weihnachtstag in Bern seit 1931:
26. Dezember 1974: 9,6 °C im Schnitt; 14,3 °C max.

Anzahl Tage mit einer Maximaltemperatur über 10 Grad:
19

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Zürich

Wärmster Weihnachtstag in Zürich-Fluntern seit 1931:
26. Dezember 1974: 11,2 °C im Schnitt; 14,0 °C max.

Anzahl Tage mit einer Maximaltemperatur über 10 Grad:
21

Bild

Basel

Wärmster Weihnachtstag in Basel seit 1931:
26. Dezember 1974: 13,2 °C im Schnitt; 15,7 °C max.

Anzahl Tage mit einer Maximaltemperatur über 10 Grad:
40

Bild

Davos

Wärmster Weihnachtstag in Davos seit 1931:
25. Dezember 2013: 3,6 °C im Schnitt; 6,8 °C max.

Anzahl Tage mit einer Maximaltemperatur über 10 Grad:
0

Bild

Einsiedeln

Wärmster Weihnachtstag in Einsiedeln seit 1931:
25. Dezember 2013: 8,1 °C im Schnitt; 13,7 °C max.

Anzahl Tage mit einer Maximaltemperatur über 10 Grad:
14

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32 Kommentare
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Zweiundvierzig
23.12.2023 14:50registriert April 2016
Man braucht kein Klimatologe zu sein um den Trend zu erkennen: Es wird wärmer, und zwar rapide!
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Sergeant Pepper
23.12.2023 14:21registriert November 2018
Was nützen diese Statistiken. Für Klimaleugner aus dem rechten politischen Spektrum , sind das nichts als alternative Fakten.
5528
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Wa’Tsun
23.12.2023 14:42registriert März 2021
Interessant dass St. Gallen mehr weisse Weihnachten hatte als Chur. Und sogar Zürich hatte gleich viele weisse Weihnachten wie Chur. Das sieht man mal was das Föhntal ausmacht!
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