Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Einfach ein bisschen vom Gas: So soll das Swiss-Problem mit den A220 gelöst werden



Die Piloten des Problemfliegers A220 dürfen im Reiseflug vorläufig nicht vollen Schub geben. Der Hersteller Airbus Canada und die kanadische Flugsicherheitsbehörde haben eine entsprechende Handlungsanweisung herausgegeben.

Diese ist am Montag vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) veröffentlicht worden. Die neuen Airbus-Flugzeuge der Swiss haben in den letzten Monaten mehrere Triebwerkspannen erlitten. Im August etwa verlor eine Maschine auf dem Weg nach London über Frankreich Triebwerksteile und musste in Paris zwischenlanden.

An Airbus A220 lands at Toulouse-Blagnac airport, southwestern France, Tuesday, July 10, 2018. Airbus unveiled its new A220 aircraft Tuesday, with an A220-300 landing in the southwestern French town of Toulouse. The aircraft were formerly Bombardier C Series planes and are aimed at the 100-150 seat aircraft market. (AP Photo/Frederic Scheiber)

Macht Probleme: der Airbus A220. Bild: AP/AP

Mitte Oktober groundete die Swiss die gesamte Flotte der C-Series, wie die A220 auch genannt wird. Nach einer Inspektion gingen die 29 Flugzeuge wieder in Betrieb. Die Triebwerke seien in einwandfreiem Zustand, teilte die Swiss damals mit.

Nun hat die Untersuchung erste Hinweise auf die Ursache der Probleme ergeben. In der Handlungsanweisung werden die Piloten angewiesen, auf einer Höhe über 29'000 Fuss höchstens 94 Prozent Schub zu geben. Die automatische Schubkontrolle muss ausgeschaltet werden.

Triebwerks-Ausfall

Steigflüge in grosser Höhe bei vollem Schub könnten zu einem Ausfall des Triebwerks und einer Beschädigung des Flugzeugs führen, heisst es in der so genannten Lufttüchtigkeitsanweisung. Die Schubbegrenzung wird im neuen Flughandbuch der A220 festgehalten.

Zusätzlich soll das Flugzeug bei Wetterbedingungen, in welchen eine Vereisung des Flugzeugs möglich ist, nicht über 35'000 Fuss Höhe geflogen werden. Gemäss dem Hersteller kann das Einschalten der Enteisungsanlage auf dieser Höhe zur Überhitzung des Triebwerks führen und den Feueralarm auslösen, was zu einem Abbruch des Fluges führt.

Über die zugrundeliegenden Ursache für die Triebwerksprobleme werden keine Angaben gemacht. Die Untersuchungen dauerten an, heisst es in der Lufttüchtigkeitsanweisung. Ein sicherer Flugbetrieb sei gewährleistet, sagte Swiss-Chef Thomas Klühr im Interview mit dem «Blick». Es wäre aber ein besseres Gefühl, wenn man die genaue Ursache schon wüsste.

Vorzeige-Flugzeug

Die Lufttüchtigkeitsanweisung sei aufgrund der Erfahrungen der Swiss herausgegeben worden, hiess es beim Bazl auf Anfrage. Es handle sich um eine weitere Vorsichtsmassnahme, die im Zusammenhang mit den Triebwerksproblemen ergriffen worden sei.

Die Swiss war Erstkundin der C-Series, sie fliegt seit 2016 mit Maschinen dieses Typs. Die 29 Flugzeuge machen knapp die Hälfe der Europaflotte der Fluggesellschaft aus. Diese stammen vom kanadischen Unternehmen Bombardier, das seine Mittelstreckenjets mittlerweile an Airbus verkauft hat. Deshalb erhielten die Maschinen auch die Airbus-Nomenklatur A220. Die Triebwerke werden Pratt & Whitney hergestellt. (sda)

Flugzeug-Passagiere des Grauens

Was uns das Flugpersonal EIGENTLICH sagen will

Play Icon

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • WID 28.10.2019 13:24
    Highlight Highlight Tönt nicht sehr vertrauenserweckend. Ich fliege vorerst keine Gesellschaft mit A220 im Einsatz.
  • Patho 28.10.2019 11:52
    Highlight Highlight Weshalb hat eigentlich nur die Swiss Probleme mit dem Flugzeug? Werden Probleme bei anderen Airlines einfach verheimlicht?
    • 7immi 28.10.2019 12:31
      Highlight Highlight @patho
      es ist vor allem der Flughafen Genf betroffen, da vermutlich die An- und Abflugverfahren und -profile etwas speziell sind. Gemäss meinen Infos ist es so, dass das Getriebe bei entsprechenden Lastwechseln in Schwingung gerät, was die Verdichterschaufeln ebenfalls in Schwingung versetzt, und dann gibts Probleme. Daher will man entsprechende Lastwechselkurven softwareseitig ändern.
    • Ericg 28.10.2019 12:56
      Highlight Highlight es ist nicht nur die swiss... https://simpleflying.com/airbaltic-airbus-a220-engine-change/
    • Ton 28.10.2019 13:51
      Highlight Highlight Im Sinne von: In der Schweiz steht Lärmvermeidung vor Sicherheit.

      Ich glaube aber eher, dass es damit zusammenhängt, dass die Swiss der erste Abnehmer dieses Typs war.
  • Heinzbond 28.10.2019 11:46
    Highlight Highlight Bin ja kein Pilot, aber wenn man mit dem Flieger nicht vollschub oder wie das auf luftfahrtchinesisch heist, ist DER dann noch sicher sollte einmal im notfall ein durchstarten notwendig sein?
    • Pümpernüssler 28.10.2019 14:38
      Highlight Highlight 94% schub gilt nur ab 20'000 fuss, liegt eher an der kälte in dieser höhe.
    • BoJack 28.10.2019 14:52
      Highlight Highlight Unter einer Höhe von 29000 ft darf voller schub gegeben werden.
    • maylander 28.10.2019 15:01
      Highlight Highlight Das Flugzeug muss mit einem ausgefallenen Triebwerk noch steigen können.
      Bei einem zweistrahligen Flugzeug hat man, wenn beide Triebwerke arbeiten das doppelte an Leistung zur Verfügung, die man eigentlich bräuchte. Zur Lärmvermeidung wird aber sehr steil gestartet.
      Zudem wird der Schub ja erst auf hoher Höhe gedrosselt. Beim Start ist also nicht zu befürchten.
    Weitere Antworten anzeigen

Interview

Die Swiss in Turbulenzen: «Der Bund muss sich mit Worst-Case-Szenarien beschäftigen»

Die Lufthansa-Tochter leidet wie alle Fluggesellschaften massiv unter den Folgen der Corona-Krise. Ein Branchenexperte fordert die Schweizer Regierung nun auf, sich auf die Frage vorzubereiten: Was passiert mit der Swiss, wenn der Lufthansa das Geld ausginge?

Die Luftfahrtbranche steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach der Ausweitung der Corona-Krise haben die USA einen Einreisestopp für Europa-Passagiere verhängt. Andreas Wittmer, Leiter des Center for Aviation Competence an der Universität St. Gallen, sagt im Interview, weshalb vor allem die US-Flüge für europäische Airlines wichtig sind, weshalb er mit Groundings rechnet und welche Fragen sich der Bund für die Zukunft der Swiss stellen muss.

Wie stark trifft der US-Einreisestopp für Europa die …

Artikel lesen
Link zum Artikel