Schweiz
Wirtschaft

Finanzministerin Karin Keller-Sutter über die Bundesfinanzen

Kassensturz mit Karin Keller-Sutter: Die wichtigsten Fragen rund um die Bundesfinanzen

Schwarze Zahlen, aber nicht so rosige Aussichten: Finanzministerin Karin Keller-Sutter will weiter sparen.
19.02.2026, 08:5419.02.2026, 08:54
Benjamin Rosch / ch media

Finanzministerin Karin Keller-Sutter ist selbst ernannte Sparfüchsin. Am Mittwoch trat sie vor die Medien, um Einblick in ihre Bücher zu gewähren. Die wichtigsten Fragen dazu hier in der Übersicht.

Hat Keller-Sutter Grund zur Freude?

Ja und nein. Der Bund erzielt 2025 voraussichtlich einen Finanzierungsüberschuss von 300 Millionen Franken, obwohl ein Defizit von 800 Millionen budgetiert war – das ist soweit positiv. Eine «Punktlandung», nannte dies Keller-Sutter, die dafür aber vor allem ausserordentliche Steuereinnahmen aus Genf verantwortlich macht. Die Lage bleibe angespannt: «Wir erhalten keine Atempause», formulierte es die Finanzministerin.

Hat den Überblick über die Staatskasse: Keller-Sutter sieht die Lage angespannt.
Hat den Überblick über die Staatskasse: Keller-Sutter sieht die Lage angespannt.bild: keystone

Wie entwickelten sich Einnahmen und Ausgaben konkret?

Die ordentlichen Einnahmen beliefen sich 2025 auf 87,2 Milliarden Franken, die ordentlichen Ausgaben auf 86 Milliarden Franken. Erstmals seit Einführung der Schuldenbremse 2003 überschritten die ordentlichen Ausgaben den Budgetwert. Dies ist unter anderem auf einen Nachtragskredit für das EU-Forschungsprogramm Horizon Europe zurückzuführen. Im ausserordentlichen Haushalt schlugen insbesondere Mehrausgaben in Form eines Kapitalzuschusses an die SBB von 850 Millionen Franken sowie auf der Einnahmenseite eine Zusatzausschüttung der Nationalbank zu Buche.

Braucht es dann noch das Entlastungspaket?

Geht es nach Keller-Sutter: Klar ja. Trotz des positiven Jahresabschlusses bleiben die Bundesfinanzen strukturell unter Druck. «Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass wir eine Milliarde übrig haben», sagte Keller-Sutter vor den Medien. Für die Jahre 2027 bis 2029 seien weiterhin Defizite zu erwarten. Ohne Gegenmassnahmen würden sich die Fehlbeträge ab 2027 auf 2 bis 4 Milliarden Franken pro Jahr belaufen. Unter den Parteien hingegen regt sich der Unmut über die Verzichtsplanung des Bundesrats.

Welche Rolle spielt die geplante Mehrwertsteuererhöhung?

Eine im Finanzplan vorgesehene Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,8 Prozentpunkte zugunsten von Armee und Sicherheit würde den Haushalt 2028 vorübergehend ausgleichen. Das, wenn das Entlastungspaket nicht mehr im Parlament abgeschwächt würde. 2029 wäre dennoch wieder mit einem strukturellen Defizit von rund 800 Millionen Franken zu rechnen. Ohne Mehrwertsteuererhöhung würde das Defizit 2028 rund 700 Millionen und 2029 rund 1,8 Milliarden Franken betragen.

Was bedeutet die angespannte Finanzlage für die Bundesverwaltung?

Die angespannte Haushaltslage zwingt den Bund zu einigen Priorisierungen. Besonders im Bereich Digitalisierung besteht ein hoher Investitions- und Betriebsbedarf. Aufgrund der finanziellen Einschränkungen zeichnet sich ab, dass verschiedene Digitalisierungsprojekte nicht im gewünschten Tempo umgesetzt werden können. Ausserdem kündigt Keller-Sutter an, nach der definitiven Beratung des Entlastungspakets dem Bundesrat weitere Kürzungsvorschläge zu unterbreiten. Bereits im April werde es deshalb zur nächsten Standortbestimmung kommen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Olympischen Spiele Mailand-Cortina 2026
1 / 103
Die besten Bilder der Olympischen Spiele Mailand-Cortina 2026

Das olympische Feuer im Mailänder Friedensbogen ist erloschen – die Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina sind offiziell beendet.

quelle: keystone / wu hao
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Hund auf der Zielgeraden mischt Langläuferinnen auf
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
35 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Oliver01
19.02.2026 09:13registriert Februar 2023
Ueli Maurer hat schon gespart und meistens riesige Überschüsse verkündet und bei Karin Keller Suter geht das System genauso weiter. Gespart wird auf Kosten der Mittelschicht und der ärmeren, wie immer.
489
Melden
Zum Kommentar
avatar
Trio_Duo
19.02.2026 09:50registriert Februar 2025
TAX THE RICH!
239
Melden
Zum Kommentar
35
Die schlimmsten ÖV-Dramen in der Schweiz
Der Brand eines Postautos in Kerzers FR rüttelt die Schweiz auf. Auch früher kam es in Bussen, Zügen und Trams schon zu Todesopfern.
Das Drama von Kerzers macht sprachlos. Sechs Personen sind in einem brennenden Postauto gestorben, mehrere Personen wurden mit schweren Verletzungen ins Spital gebracht. Die Polizei geht davon aus, dass eine Person den Brand mutwillig ausgelöst hat. Eine vergleichbare Tat gab es in der Schweiz noch nie. Auch wenn der öffentliche Verkehr hierzulande extrem sicher ist, blieb das Land von Bus- und Bahnunglücken mit Todesopfern und Verletzten jedoch nicht verschont.
Zur Story