Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Abfuhr an die BLS: SBB wollen Monopol im Fernverkehr mit allen Kräften verteidigen



ARCHIVBILD --- ZUM THEMA FERNVERKEHRSKONZESSIONEN DER BAHNEN SBB UND BLS VON  FREITAG, 8. SEPTEMBER 2017, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Eine Lokomotive der SBB ueberquert eine kleine Bruecke der Loetschberg-Linie in der Naehe des Nordportals des Loetschberg-Basistunnels der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen NEAT (Alp Transit) in Frutigen im Kanton Bern, Schweiz, aufgenommen am 15. Maerz 2007. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Wollen alleine bleiben: SBB. Bild: KEYSTONE

Die SBB bleibt im Bahnstreit mit der BLS hart: Von einer möglichen Aufteilung der Fernverkehrskonzession hält sie nichts. «Das wäre ein Scheinwettbewerb, der kaum zusätzlichen Kundennutzen bringt», schreibt sie. Vielmehr möchte das Unternehmen Kooperationen eingehen.

Die SBB hat am Freitag beim Bundesamt für Verkehr (BAV) die Erneuerung der schweizweiten Fernverkehrskonzession für weitere 15 Jahre beantragt, wie die Bahnbetreiberin vor den Medien in Bern bekannt gab. Integraler Bestandteil des Antrags bildet die Kooperation mit der Südostbahn (SOB). Die SOB wird ab Dezember 2020 im Rahmen der SBB-Fernverkehrskonzession zwei Linien mit eigenem Rollmaterial und im Co-Branding fahren.

Durch die Integration der heutigen Regionalverkehrslinien St. Gallen-Chur und Bern-Neuenburg-La Chaux-de-Fonds in den Fernverkehr sowie des Halbstundentakts Basel-Biel ab dem Jahr 2022 entlastet die SBB nach eigenen Angaben Bund und Kantone um bis zu 30 Millionen Franken pro Jahr.

Kooperation statt Konkurrenz

Keine Einigung erzielt wurde dagegen mit der BLS. Diese sei nicht auf ihr Kooperationsangebot eingegangen, schreibt die SBB. Lösungen sieht die SBB nur dann, «wenn diese unter einer schweizweiten Konzession erfolgen, deutlichen Mehrwert für die Kunden schaffen, die Gesamtsystemkosten nicht steigen und die betriebliche Machbarkeit gewährleistet ist».

Bei einer möglichen Aufteilung der Konzession - wie das die BLS verlangt - wäre laut der SBB das Gegenteil der Fall: Sie schätzt, dass durch Ineffizienzen die Gesamtsystemkosten um 15 bis 20 Millionen Franken pro Jahr steigen würden. Hinzu kämen hohe Umstellungskosten in Höhe von 20 bis 40 Millionen Franken. Zudem müssten mehrere hundert Mitarbeitende den Arbeitgeber wechseln.

«Es käme zu einem Scheinwettbewerb, der kaum mehr Kundennutzen bringt, dafür aber erhebliche Mehrkosten verursacht», hält die SBB fest. «Das heutige Gleichgewicht zwischen rentablen und unrentablen Linien wäre nicht mehr gewährleistet.»

Angst vor ausländischer Konkurrenz

Auch würde eine Aufteilung der Konzession auf mehrere Bahnen im gleichen System den politisch gewollten Kooperationsansatz im öffentlichen Verkehr der Schweiz gefährden. «Der Systemwechsel würde der Konkurrenz aus dem Ausland die Türen zum nationalen Fernverkehr öffnen», fürchtet sie SBB.

Die SBB hält derzeit das Monopol auf den Fernverkehrslinien in der Schweiz. Ein Grossteil der Fernverkehrskonzessionen läuft aber Ende 2017 ab. Das BAV hat sie neu ausgeschrieben. Ende Februar wurden Gespräche am Runden Tisch mit dem BAV und den Bahnen ohne Ergebnis beendet.

Im April hatte die BLS bekanntgegeben, sie interessiere sich für einige Linien, darunter eine von Brig über Bern, Aarau, Zürich und Zürich-Flughafen nach Romanshorn TG. Eine weitere würde Interlaken mit Bern, Aarau, Zürich, Zürich-Flughafen und St. Gallen verbinden. Zudem wolle sie die bestehende Linie von Interlaken via Bern und Olten nach Basel übernehmen. Das Unternehmen informiert am (heutigen) Nachmittag über das weitere Vorgehen.

SBB droht mit Serviceabbau

Der Bund wird bis spätestens Anfang Dezember die Fernverkehrskonzession neu vergeben. Falls der BLS zu weit entgegengekommen würde, behält sich die SBB vor, Anträge für einzelne Linien anzupassen oder gegebenenfalls zurückzuziehen.

«Je nach Ausgang des Konzessionsverfahrens», also falls das notwendige Gleichgewicht zwischen rentablen und unrentablen Fernverkehrslinien nicht gewährleistet wäre, sei die SBB «nicht in der Lage, die heutigen Regionalverkehrslinien St. Gallen-Chur (Rheintal Express), Bern-Neuenburg-La Chaux-de-Fonds sowie den Halbstundentakt Basel-Biel ab 2022 wie geplant in den Fernverkehr aufzunehmen.»

Klappt alles im Sinn der SBB, wird sie das heute eingereichte Konzept ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember fahren können. «Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.» (sda)

SBB will in Zukunft mehr Luxuswohnungen bauen

SBB SwissPass

So stellt sich SBB-Präsident Gygi die Zukunft des Generalabonnements vor

Link zum Artikel

SBB verpassen Mitarbeitern einen Maulkorb zur Pannen-Karte: «Bitte äussern Sie sich nicht negativ zum SwissPass» 

Link zum Artikel

Ärger mit der SBB-Karte: SwissPass blockiert Kreditkarten und erschwert Bezahlung

Link zum Artikel

SBB-Personenverkehr-Chefin: «SwissPass ist bloss eine ‹dumme Karte›, sie kann nicht viel.»

Link zum Artikel

Tschüss blaues GA, ciao blaues Halbtax: Ab morgen gibts nur noch den roten «SwissPass» 

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

51 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
surfi
08.09.2017 10:54registriert February 2016
Die Argumentation ist logisch.
Die SBB betrieben Fernverkehrsstrecken die rentieren und solche die weniger rentieren. In der Rechnung werden diese ausgeglichen.
Verliert jetzt die SBB logischerweise die profitablen, dann fehlt das Geld für die anderen zu betreiben. Das bedeutet nichts anderes als dass die Angebote auf anderen reduziert werden.
Die BLS hingegen wollen nur Rosinen picken und keine nicht rentablen Strecken betreiben.
Übrigens würden die Preise nicht gesenkt werden, da alle Bahnen dieselben Preise haben. Sonst müsste ja pro Betreiber ein anderes Billett gelöst werden.
364
Melden
Zum Kommentar
MrHomii
08.09.2017 12:21registriert May 2014
Finde eine aufteilung in der kleinen schweiz lohnt sich nicht. Dies würde vermutlich für den nutzer nur höhere preise mit sich bringe. Desweiteren finde ich die sbb eine grossartig firma, auch wenn ich wohl der einzige bin der das so findet. Im vergleich gibts weltweit fast bis gar keine Firma welche den öffentlichen verkehr so gut managt. Insofern bin ich ein #sbbfan ;)
354
Melden
Zum Kommentar
Mäf
08.09.2017 14:15registriert December 2014
Das Gstürm ist nur ein Machtspiel von ein paar Nasen in der Teppichetage. Warum überhaupt noch verschiedene Bahnen? Schliesst euch zusammen, macht die beste Bahn der Welt mit gutem Service und Angebot zu fairen Preisen. Wäre doch was, nid?
344
Melden
Zum Kommentar
51

SBB mieten Nachtzüge – ab 2021 sollen sie nach Amsterdam rollen

Der Ausbau des Nachtzug-Netzes geht voran. Dabei setzt die Bahn auf gemietetes Rollmaterial – und die finanzielle Unterstützung durch die Politik.

Die SBB wollen die Schweiz wieder mit Nachtzügen mit Europa verbinden. Dafür mieten sie bei der deutschen RDC Asset GmbH, einer Tochterfirma der Railroad Development Corporation aus den USA, Schlaf- und Liegewagen. Der Zuschlag wurde am 15. August erteilt. Der Auftrag beinhaltet die Bereitstellung und den Unterhalt der Wagen für die Periode von Dezember 2021 bis Dezember 2024. Eine Verlängerung um ein Jahr ist möglich.

Wie die CH-Media-Zeitungen aus mit der Planung vertrauten Quellen erfahren …

Artikel lesen
Link zum Artikel