Schweiz
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Abgepackter Feinkristallzucker laeuft ueber ein Foerderband in der Zuckerfabrik Aarberg, am Freitag, 23. Februar 2018, in Aarberg. Der Schweizer Zuckerruebenanbau und damit die Produktion von Zucker in den beiden Werken in Frauenfeld und Aaarberg sind in Gefahr, da die EU im Herbst 2017 einseitig die Zuckermarktordnung geaendert hat. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Abgepackter Kristallzucker in der Zuckerfabrik Aarberg – 1 Kilogramm feinsten Schweizer Süssstoffs. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Alles auf Zucker! Wenn's um Süsses geht, schmelzen im Nationalrat bürgerliche Prinzipien 

Der Nationalrat befasste sich gestern mit der Unterstützung der Schweizer Zuckerproduktion. Viele Bürgerliche rückten für einmal ab vom Dogma des Marktliberalismus. Der heimische Zucker schmeckt halt noch immer am Besten: eine Glosse.



Kristallzucker beginnt bei 135 Grad Celsius zu schmelzen. Ab 135 bis 149 Grad entsteht die typische goldbraune Flüssigkeit. Aus Zucker wird Karamell. Während des Karamellisierens, so erklärt Wikipedia, laufen nicht «vollständig geklärte, zum Teil gleichzeitig ablaufende chemische Prozesse» ab.  

Ähnliches war am Mittwoch im Nationalrat zu beobachten: Nicht vollständig geklärte chemische Prozesse. Bürgerliche weibeln für staatliche Unterstützung, Linke und Grüne sprechen von DDR-Staat und verweisen auf die selbstregulierende Kraft des Marktes. Wer hat da in der grossen Kammer am Heizkörper gedreht?

Eine Gruppe um FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois will Schweizer Zuckerproduzenten mit einem Mindestpreis unter die Arme greifen – weil die EU Quotenregelung und Exportbeschränkung letzten September aufhob. 

Der bürgerlich dominierte Nationalrat gab der Initiative statt – gegen den Widerstand von Linken, Grünen und Grünliberalen. Diese argumentierten, dass die Branche den Preis selber ausmachen könne.

Interessant ist, dass immerhin sieben FDP-Nationalräte dem Vorstoss zustimmten. Die Partei also, die sonst bei jeder Gelegenheit auf die selbstheilende Kraft des Marktes hinweist. Das Fähnlein der sieben Aufrechten – einige davon Bauern oder Landwirtschaftsvertreter – sorgte zusammen mit SVP- und CVP-Stimmen für eine komfortable Mehrheit im Rat.

Was in anderen Bereichen für Liberale ein Ding der Unmöglichkeit ist – Stichwort Lohngleichheit – geht beim Zucker offenbar problemlos: der Eingriff des Staates in die freie Markwirtschaft. Zucker sei ein Grundnahrungsmittel, dessen Versorgungssicherheit die Schweiz garantieren müsse, argumentierten die Unterstützer. 

Man stelle sich vor: eine Schweiz ohne eigenen Zucker. Ovomaltine mit spanischem Süssstoff, Lindt-Schoggi mit polnischer Süsse, Kägifret, das nach französischen Zuckerrüben schmeckt– bei dem Gedanken rebellieren die eidgenössischen Geschmacksnerven. 

Das Prinzip des freien Marktes hat offenbar auch bei hartgesottenen Wirtschaftsliberalen einen Schmelzpunkt: irgendwo zwischen 135 und 149 Grad. 

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