Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
HANDOUT - Verwitterte Kleider, Bergschuhe und andere Gegenstaende, die auf dem Tsanfleuron-Gletscher im Gebiet des Glacier 3000 oberhalb von Les Diablerets VD am Donnerstag, 13. Juli 2017 zusammen mit zwei Leichen gefunden worden sind. Nach ersten Erkenntnissen befanden sie sich die Leichen waehrend Jahrzehnten im Eis.
(GLACIER 3000) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Diese Leichen gab der Gletscher im Waadtland frei. Bild: GLACIER 3000

Das Geheimnis der Gletscherleichen ist endgültig gelüftet

Fast hundert Jahre lang lagen eine Frau und ein Mann im Eis begraben. Nun gab der Gletscher bei Les Diablerets VD die beiden frei. Und ihre tragische Geschichte. Die Walliser Polizei bestätigt die Version einer 79-jährigen Frau.

Sabine Kuster / Nordwestschweiz



Einmal von einer Spalte verschluckt, behalten die Gletscher ihre eiskalten Geheimnisse. Doch wegen der steigenden Temperaturen nicht mehr für immer. Im Kanton Wallis bei Les Diablerets hat der Tsanfleuron-Gletscher zwei Menschen frei gegeben.

75 Jahre im Eis. Gletscher gibt vermisste Eltern frei

Video: srf

Gefunden wurden sie letzte Woche von einem Pistenbully-Fahrer. Die Walliser Kantonspolizei brachte die beiden Leichen ins Institut für Rechtsmedizin in Lausanne. Bereits da war klar: Es waren eine Frau und ein Mann aus der Kriegszeit, die auf dem Gletscher starben. Denn ihre Kleidung mit den genagelten Schuhen war für diese Zeit typisch.

Update: Leichen sind formell identifiziert

Die beiden leblosen Körper, die vergangene Woche auf dem Tsanfleuron-Gletscher gefunden wurden, sind laut Walliser Polizei formell identifiziert. Es handelt sich um die seit dem 15. August 1942 vermissten Marcelin und Francine Dumoulin. (wst/sda)

Doch schon bevor die Resultate der Rechtsmedizin vorlagen, ist sich eine Walliserin sicher, wer da gefunden wurde: ihre Eltern. Zu gut passt der Fund zu dem, was die inzwischen 79-jährige Frau über den Tod ihrer Eltern weiss. Die welsche Zeitung «Le Matin» erzählte gestern ihre bewegende Geschichte.

Bild

Marceline Udry-Dumoulin mit einem Foto ihrer Eltern. Sie ist überzeugt, dass es sich beim Leichenfund um sie handelt. bild: twitter/lematin

Am 15. August 1942 aufgebrochen

Marceline Udry-Dumoulin wurde mit vier Jahren Waise, zusammen mit ihrer Schwester und fünf Brüdern. Ihre Eltern machten sich am 15. August 1942 von ihrem Dorf Chandolin im Wallis auf den Weg zu einer Berner Alp, wo sie ihr Vieh füttern und noch am selben Tag zurückkehren wollten. Der Vater war Schuster, die Mutter Lehrerin, doch sie hielten wie die meisten Leute damals Vieh. «Es war das erste mal, dass meine Mutter den Vater begleitete, denn in den Sommern davor war sie immer schwanger gewesen», erzählt Marceline Udry-Dumoulin.

Die Frau ist sichtlich bewegt. «Wir haben immer nach ihnen gesucht», sagt sie, «aber wir haben nicht mehr geglaubt, ihnen eines Tages die letzte Ehre zu erweisen, wie sie das verdient haben. Nach 75 Jahren des Wartens hat mich diese Nachricht sehr erleichtert.» Ihre Eltern kehrten von dieser Wanderung über den Gletscher zur Alp nie zurück. Im Dorf suchte man bis in den Herbst erfolglos nach ihnen in verschiedenen Gletscherspalten. Die Tochter erinnert sich nur noch daran, wie ihre Tante auf der Treppe des Hauses weinte und das Mädchen in die Arme nahm. Wenig später wurden die sieben Geschwister getrennt und auf verschiedene Familien verteilt. «Ich hatte Glück und konnte bei der Tante bleiben», sagt Marceline Udry-Dumoulin.

Gedenkmesse auf dem Gletscher

Die Geschwister und sie seien sich durch die Distanz fremd geworden, obwohl alle in der Region wohnten. Bis ein Bruder, ein Priester, 1957 eine Gedenkmesse auf dem Gletscher organisierte. «Das war ein grosser Moment der Wiedervereinigung für uns», sagt die Tochter. Sie selber stieg drei mal auf den Gletscher, in der Hoffnung, die Eltern zu finden. Doch erst jetzt zeigte sich das Eis gnädig.

Marceline trägt den weiblichen Vornamen ihres Vaters Marcelin und wohnt noch in ihrem Geburtsdorf. Nun kann sie sich endlich richtig von beiden verabschieden. Sie sagt: «Zur Beerdigung werde ich nicht schwarz tragen. Ich denke, weiss wird passender sein. Das steht für die Hoffnung, die ich nie verloren habe.»

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Älteste Höhlenmalerei der Welt entdeckt

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Warum die Rekruten im Home-Office nicht mit dem privaten Auto fahren dürfen

40 Prozent der Rekruten starten die RS im Home-Office. Dabei unterstehen sie dem Militärstrafgesetz. Dass sie unter der Woche das private Fahrzeug nicht benutzen dürfen, könnte viele vor Probleme stellen.

Am 18. Januar beginnt für 12'000 junge Männer und Frauen hierzulande die Rekrutenschule. 40 Prozent davon bereiten sich zuhause, im «Distance Learning», auf ihren Dienst vor.

Erst nach drei Wochen, Anfangs Februar, rücken sie in die Kasernen ein. Trotz des Home-Office unterstehen sie während der Dienstzeit dem Militärstrafgesetz. Dieses sieht etwa vor, dass Rekruten nicht mit dem privaten Auto fahren oder für jemand anderen als die Armee arbeiten dürfen.

Neben dem Privat-Auto-Verbot dürfen …

Artikel lesen
Link zum Artikel