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Zero Waste: Ein Glas Abfall pro Jahr geht auch in Schweiz

Ein Glas Abfall pro Jahr? Das geht – und es ist bald auch bei uns möglich

Wir Schweizer sind Weltmeister im recyceln. Allerdings gehören wir mit 700 Kilogramm pro Kopf und Jahr auch zu den grössten Abfallsündern überhaupt. Das könnte sich nun ändern. Gleich mehrere Zero Waste-Läden drängen auf den Markt, die Bewegung fasst Fuss. Doch es geht um mehr als nur um abfallfrei einzukaufen. 
18.01.2017, 08:2918.01.2017, 17:23

Ich stehe vor einem riesigen Bagger. Seine Schaufel ist gefüllt mit Abfall. Es ist Abfall aus meinem Quartier – und es ist ziemlich genau die Menge, die ich pro Jahr produziere. 

Siedlungsabfall heisst das, was wir in den Müll werfen. 700 Kilogramm pro Kopf und Jahr produzieren wir in der Schweiz. Damit landen wir auf Platz 3 – weltweit. Nur die Menschen in den USA und in Dänemark leben noch verschwenderischer als wir. 

Alle Zahlen wurden für das Jahr 2013 erhoben.
Alle Zahlen wurden für das Jahr 2013 erhoben.daten: bundesamt für umwelt / data oecd
Reporter Felix Burch vor der Baggerschaufel mit 700 Kilogramm Abfall – der durchschnittlichen Menge, die jeder Schweizer pro Jahr verursacht. 
Reporter Felix Burch vor der Baggerschaufel mit 700 Kilogramm Abfall – der durchschnittlichen Menge, die jeder Schweizer pro Jahr verursacht. bild: watson
Abfall
Markus Zaugg, ERZ Entsorgung + Recycling Zürich, hinter dem, was wir jährlich wegwerfen. bild: watson

Und wir verbessern uns nicht. Im Gegenteil. Die Abfallmenge steigt stetig. Seit 1990 hat sie um 30 Prozent zugenommen. Allerdings recyceln wir auch laufend mehr. Über die Hälfte unseres gesamten Siedlungsabfalls beträgt der Anteil an Glas, Alu, Pet, Altpapier und organischen Abfällen – all das gehört zu den rezyklierbaren Stoffen. Haben wir 1989 noch 433 Kilogramm Abfall pro Person im Jahr nicht verwertet, sind es heute noch 344 Kilogramm. 

Die Recycling-Zahlen wurden für das Jahr 2013 erhoben. 
Die Recycling-Zahlen wurden für das Jahr 2013 erhoben. daten: bundesamt für umwelt

So weit, so gut. Nur ist es immer noch so, dass ein Fünftel, der in unseren Abfällen landet, wiederverwertbar wäre. Das sagt das Bundesamt für Umwelt (BAFU). Grosses Potenzial haben die Schweizer weiterhin bei den organischen Abfällen (Rüeblischale, Kartoffelschale etwa), die noch immer viel zu wenig getrennt entsorgt werden. 

Doch nicht nur. Abfall reduzieren beginnt bereits beim Einkaufen. Hier ist die Schweiz noch ein Entwicklungsland. Doch es tut sich etwas. Die sogenannte Zero Waste-Bewegung fasst Fuss. 

Was ist Zero Waste?
«Null Müll» heisst Zero Waste übersetzt, aber auch «null Verschwendung». Das Ziel ist, ein Leben zu führen, bei dem möglichst wenig Abfall produziert und kein Rohstoff vergeudet wird. Zero Waste basiert auf sechs Punkten – den sechs Rs: Refuse, reduce, reuse, recycle, rot. Auf Deutsch: Vermeiden, reduzieren, wiederverwerten, reparieren, recyceln, kompostieren. 
In der Schweiz steckt die Bewegung noch im Anfangsstadium, jetzt tut sich aber etwas. Gemäss Natalie Bino von Zero Waste Switzerland werden alleine dieses Jahr zehn Unverpackt-Läden eröffnet. Die Organisation zählt 150 Mitglieder. (feb) 

Unter der Organisation Zero Waste Switzerland haben sich Menschen zusammengeschlossen, die intelligent einkaufen. In der Westschweiz, zum Beispiel in Sion, Lausanne oder Biel gibt es bereits Unverpackt-Läden. Solche machen es leichter, nachhaltig zu leben. Im Februar eröffnen nun in Zürich mit dem «Chez Mamie» und dem «Foifi» die ersten Zero Waste-Läden der Deutschschweiz. In Luzern soll bald einer folgen. Wofür stehen diese Läden. Worin unterscheidet sich ihr Angebot? 

Die Idee hinter den Läden ist die Kreislaufwirtschaft, das Gegenmodell zur Wegwerfgesellschaft. Die Kunden bringen eigene Behälter mit und dosieren ihre Einkäufe. So gibt es möglichst wenig Überschuss. 

Foifi
Ein Modell des Foifi-Ladens. Sämtliche Lebensmittel werden offen angeboten. bild: Foifi

Die Meisterin darin heisst Bea Johnson. Sie machte Zero Waste weltweit bekannt und sie schafft es mittlerweile so zu leben, dass fast kein Abfall anfällt. Was ihre vierköpfige Familie an Abfall produziert in einem Jahr passt in ein Konfi-Glas. 

Zero Waste
In diesem Glas befindet sich der Abfall, den Bea Johnsons Familie (4 Personen) während einem Jahr produzierte. bild: Coleman-Rayner (zero waste home)

Die in Kalifornien lebende Französin reist heute mit ihrem Glas durch die halbe Welt und zeigt auf, was es braucht, ihre Vision umzusetzen: So kauft sie etwa dort ein, wo die Esswaren nicht verpackt sind – auf dem Markt. Und sie sagt oft Nein. Im Flugzeug zum Beispiel. Dort lehnt sie alle in Plastik verpackten Fertiggerichte ab. Auch im Restaurant gibt sie Tischset und Serviette zurück. Johnson stellt ihr Shampoo und ihre Schminke selber her und sie kauft beinahe keine Kleider mehr. 15 Kleidungsstücke besitzt sie  – Unterwäsche ausgenommen. 

Zero Waste
Bea Johnson mit ihrem Mann und ihren Söhnen in ihrem Zuhause in Kalifornien. Seit 2008 lebt die Familie ohne überflüssigen Müll. bild: Coleman-Rayner (zero waste home)

Angenehmer Nebeneffekt: Johnson spart durch ihren Lebensstil viel Geld. 

Kehricht pro Person im Jahr (Kilogramm):

So viel Kehricht produziert der Durschnitts-Schweizer im Vergleich zu Bea-Johnson.
So viel Kehricht produziert der Durschnitts-Schweizer im Vergleich zu Bea-Johnson.daten: bundesamt für umwelt

Die Zürcherin Tara Welschinger sagt, in der Deutschschweiz sei ein Konfi-Glas Abfall pro Jahr nicht möglich – noch nicht. Grund: Es fehlen Unverpackt-Läden. Deshalb hat sie ihren Job aufgegeben und eröffnet nächsten Monat im Zürich-West den Zero-Waste-Laden «Foifi». Dass Raschelsäckli bei Migros und Coop nicht mehr gratis sind und die Migros seit Neuestem bei ihren Take-Aways Mehrweg-Schalen anbietet, zeigt jedoch, dass auch die Schweizer mehr und mehr sensibilisiert sind auf das Thema. Welschingers Abfallbilanz ist heute schon beeindruckend. In einem Monat füllt sie gerade einmal die Hälfte eines 17-Liter-Abfallsacks. 

Wie Welschinger das konkret macht und wo sie überall aufläuft, liest du bald auf watson. 

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