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Unattraktives Arsenal – der CL-Titel wäre ein Zeichen an die Kritiker

epa12991423 Arsenal manager Mikel Arteta poses with the Premier League trophy as the team celebrate the Premier League title at the end of the English Premier League match Crystal Palace against Arsen ...
Trainer Mikel Arteta hat aus Arsenal eine regelrechte Maschinerie gemacht.Bild: keystone
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Arsenals Meisterschaft war unausweichlich – die Champions League wäre die Krönung

Das beste Team Englands ist Arsenal bereits, jetzt könnten die Gunners zudem erstmals den europäischen Thron besteigen. Es wäre die Krönung für Mikel Arteta und die Entwicklung des Klubs unter dem Trainer – und ein Zeichen an die Kritiker.
30.05.2026, 08:1030.05.2026, 08:10

Nach 22 Jahren hatte Arsenals Warten auf den 14. englischen Meistertitel ein Ende. In der letzten Woche durften die Gunners endlich feiern. Der Erfolg war aber mindestens vier Jahre «in the making», also in Arbeit.

2022/23, 23/24 und 24/25 wurde Arsenal jeweils Zweiter der Premier League, führte diese teilweise bis kurz vor Schluss an. Eine solche Konstanz musste irgendwann belohnt werden. Die Meisterschaft war fast schon unausweichlich. Aus den «Invincibles» von 2004 wurden sozusagen die «Inevitables» von 2026.

Ein Transferminus von über 800 Millionen Euro

Dies liegt einerseits daran, dass die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt Stück für Stück ein hervorragendes Kader zusammengestellt haben. Insgesamt über eine Milliarde Euro hat Arsenal in den letzten sechs Jahren für Spieler wie Declan Rice, Viktor Gyökeres oder Martin Ödegaard ausgegeben. In der Premier League haben seit 2020 nur Chelsea und Manchester United ein noch grösseres Transferminus als Arsenal (835,9 Millionen Euro).

Andererseits hat es aber auch viel mit Mikel Arteta und seinem System zu tun. Den Wert des Trainers beschrieb sein ehemaliger Schützling Granit Xhaka so: «Das ist alles dank dir, Mikel.» Im Dezember 2019 kam der Zauberlehrling von Pep Guardiola bei Manchester City als Cheftrainer nach Nordlondon. Der 44-jährige Baske orientierte sich an Guardiolas Ballbesitzfussball, den er in seinen dreieinhalb Jahren als Assistenztrainer bei Manchester City mitprägte, entwickelte diesen aber weiter.

Arteta setzt noch mehr auf Spielkontrolle und Sicherheit. Angeführt von Jürgen Klopps Liverpool versuchten immer mehr Klubs gegen dominante Gegner, Chaos zu stiften. Mit Geschwindigkeit und hohem Pressing die Unsortiertheit beim Gegner nach Ballverlusten zu nutzen. Guardiola reagierte darauf, indem er in seinem System selbst Anleihen davon einbaute. Arteta hingegen will das Risiko so stark wie möglich minimieren.

Unattraktive Spielweise führt zum Erfolg

Bei Arsenal läuft alles geordnet ab, jedes Zahnrädchen muss in das andere greifen, um erfolgreich zu sein. Die defensive Kompaktheit steht an oberster Stelle. Offensiv fehlt im Vergleich zu anderen Topteams hingegen etwas die Durchschlagskraft aus dem Spiel heraus. Hier sind Standards der grosse Erfolgsfaktor: Fast 30 Prozent von Arsenals Toren in Premier League und Champions League gehen auf ruhende Bälle zurück. Das führt zu einem nicht immer ansehnlichen Spielstil, für den sich Arteta immer wieder Kritik anhören muss, doch der Erfolg gibt dem Trainer und den Gunners recht.

Arsenal Team Statistiken Stats aus Champions League und Premier League vor dem Final gegen PSG
Bild: sofascore

Gerade die hohe Konstanz ist damit zu erklären, dass Arsenal sehr wenig dem Zufall überlässt. Damit hat es die untere Grenze des Leistungspotenzials (auf Englisch wird vom «Floor», also «Boden», gesprochen) auf ein sehr hohes Niveau gehoben. In drei der letzten vier Saisons holten die Gunners 84 oder mehr Punkte in der Premier League. Nun wurden sie endlich mit der Meisterschaft belohnt – am heutigen Samstagabend (18 Uhr) geht es im Champions-League-Final nun gegen Paris Saint-Germain.

Wie hoch ist Arsenals Topniveau?

Dann ist die Konstanz viel weniger wert als in einer Meisterschaft über die gesamte Saison. Stärker als um den «Floor» geht es hier um das an einem perfekten Tag maximal erreichbare Niveau (also «Ceiling» oder auf Deutsch «Decke»). Dass Arsenal in dieser Hinsicht mit den absoluten Topteams in Bestform mithalten kann, konnte es noch nicht wirklich beweisen. Weder gegen Manchester City, noch gegen Liverpool gewann Arsenal in dieser Saison. Auch gegen Michael Carricks Manchester United unterlag der Meister. Einzig der 3:1-Sieg in der Ligaphase der Champions League gegen Bayern München sticht heraus.

Jetzt geht es gegen das auf internationaler Bühne beste Team der letzten beiden Saisons. Angesichts der überragenden Offensive um Ballon d'Or-Gewinner Ousmane Dembélé, Juwel Désiré Doué und Georgien-Star Chwitscha Kwarazchelia wird die defensive Stabilität von Arsenal so richtig auf den Prüfstand gestellt. Können Gabriel, William Saliba und Co. auch die PSG-Stars, die Bayern München in einem Spiel fünf Tore einschenkten und gegen Chelsea im Achtelfinal insgesamt gar acht Treffer erzielten, in Zaum halten? Nur dann hat Arsenal in Budapest eine Chance.

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Die drei Pariser Musketiere: Ousmane Dembélé, Chwitscha Kwarazchelia und Désiré Doué (v. l.).Bild: imago

Auch PSG-Coach Enrique liess sich von Guardiola inspirieren

Der Final der Königsklasse wird insbesondere spannend, weil es auch ein Clash der Systeme ist. Anders als im Halbfinal zwischen PSG und Bayern München, die gemeinsam für ein Offensivfeuerwerk gesorgt haben, kommt es hier zum altbekannten Duell: Ein Team, das aus einer kontrollierten Defensive agiert, gegen einen mutig nach vorne spielenden Gegner, der sich auch vor Risiko nicht scheut. Auch PSG-Trainer Luis Enrique ist dabei ein ideologischer Sohn von Pep Guardiola. Er hat sich aber fussballerisch in die entgegengesetzte Richtung entwickelt.

Setzt sich der von Mikel Arteta gut geölte Arsenal-Motor gegen den aufregenden PSG-Fussball tatsächlich durch, sässen die Gunners erstmals in der Vereinsgeschichte auf den europäischen Thron. Es wäre die endgültige Krönung von Arteta und Arsenals Entwicklung der letzten Jahre – und der Beweis, dass das Team nicht nur durch die Konstanz über eine gesamte Saison, sondern auch über 90 Minuten zur Weltspitze gehört.

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