Diese für Schweizer untypische Eigenschaft bringt uns* den WM-Titel
* sicher wahrscheinlich womöglich
Der gemeine Schweizer ist neutral, wagt sich selten auf die Äste, ist in der Öffentlichkeit zurückhaltend und stapelt eher tief. Kein Wunder ist es bei der Fussball-Nati in Granit Xhaka vor allem ein Spieler mit kosovarischen Wurzeln, der regelmässig mit grossen Ansagen vorprescht. Zum Beispiel, wenn er vor der EM 2021 ankündigt, Kleidung bis zum Final zu packen. Ein grosses Selbstbewusstsein ist eben keine typische Schweizer Eigenschaft.
Doch bei der Eishockey-Nati ist in diesem Jahr an der Heim-WM das Gegenteil festzustellen. An Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten mangelt es den Schweizern nicht. Nach dem 3:1-Sieg im Viertelfinal gegen Angstgegner Schweden sagte Denis Malgin, Sohn russischer Eltern: «Wir wissen, dass wir jede Mannschaft schlagen können.» Dies sei im Kopf aller Spieler und eben ausschlaggebend für den Erfolg.
Erstmals an dieser WM gerieten die Schweizer am gestrigen Donnerstag in Rückstand. In der Vergangenheit wäre die Nati womöglich auseinandergebrochen – gerade nach der Fünfminutenstrafe gegen Dean Kukan. So wie 2023, als die Schweiz nach einer fantastischen Gruppenphase im Viertelfinal gegen das auf dem Papier deutlich schwächere Deutschland früh in Rückstand geriet und am Ende 1:3 unterlag.
Doch dieses Team ist ein anderes. Es hat sich weiterentwickelt – spielerisch, aber vor allem mental. Der Rückschlag mit dem frühen Gegentor und der langen Unterzahl brachte die Nati nicht aus dem Konzept. Wie gegen Finnland, das im letzten Gruppenspiel einen 0:2-Rückstand aufholte, blieb die Schweiz ihrem Spiel treu. Wartete geduldig auf Chancen und nutzte diese dann in Form von Traumtoren durch Roman Josi und Malgin.
Letzterer erklärte dann auch: «Wir wollen gegen jeden Gegner unser Spiel durchziehen.» Sich vom anderen Team ein anderes System diktieren lassen? Nicht mit dieser Schweiz! Trainer Jan Cadieux stellte klar: «Egal gegen wen wir spielen, wir passen unser Spiel nicht an!»
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist auch der Umgang mit Härte. Den Vorwurf, dass die Schweiz ein weiches Team ist, kann ihr niemand mehr machen. Gegen die robusten Skandinavier gaben die Nati-Spieler wiederholt den Tarif durch – nicht nur mit fairen Mitteln. Timo Meier wird nach seinem Kniecheck gegen Oskar Sundqvist harsch kritisiert, es sei eine «dreckige Aktion» gewesen. Der Schweizer Stürmer wurde von den Schiedsrichtern nicht mit einer grossen Strafe belegt. Ob zurecht oder zu Unrecht sei dahingestellt, doch muss die Frage berechtigt sein: Muss ein Team nicht auch mal über die Grenze des Erlaubten gehen, um alles zu gewinnen?
Diese Schweizer Nationalmannschaft ist in jedem Fall reif für den WM-Titel. Im Halbfinal geht es am Samstagnachmittag (15.20 Uhr) nun gegen Norwegen, im Final würden Kanada oder Finnland warten. Dank des neuen Selbstbewusstseins kann die Schweiz gegen jeden Gegner bestehen.
Ach was, nehmen wir Malgin und Co. als Vorbild und sagen ganz untypisch schweizerisch: So wird die Nati ganz sicher Weltmeister!
