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NHL: Das Wichtigste zu den Trades von Timo Meier und Nino Niederreiter

Nashville's Nino Niederreiter, left, checks San Jose's Timo Meier during the NHL hockey game between San Jose Sharks and Nashville Predators played in Prague, Czech Republic, Saturdday, Oct. ...
Nino Niederreiter (Mitte) und Timo Meier (rechts) sind beide bei neuen Teams gelandet.Bild: keystone
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Meiers Vorfreude und Niederreiters Tränen – was die Schweizer NHL-Trades bedeuten

Mit Timo Meier und Nino Niederreiter waren in den letzten Tagen gleich zwei Schweizer Teil von bedeutenden Trades in der NHL. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
27.02.2023, 11:0728.02.2023, 13:15
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Schweizer dominieren derzeit einen grossen Teil der NHL-Gespräche. In New Jersey schrieb das Trio Jonas Siegenthaler, Akira Schmid und Nico Hischier an diesem Wochenende Geschichte. Nashvilles Roman Josi schoss in der Nacht auf heute zwei Tore und Kevin Fiala von den L.A. Kings provozierte den Rauswurf eines Gegners.

Aber die ganz grossen Schlagzeilen gehören natürlich den Trades von Timo Meier zu den New Jersey Devils und von Nino Niederreiter zu den Winnipeg Jets. Was bedeuten die Tauschgeschäfte für die Karrieren der beiden Stürmer? Und was haben die Teams davon?

Timo Meier zu New Jersey

  • Die New Jersey Devils erhalten: Timo Meier (Stürmer), Scott Harrington (Verteidiger), Santeri Hatakka (Verteidiger), Timur Ibragimov (Stürmer), Zach Emond (Goalie), Fünftrunden-Pick 2024.
  • Die San Jose Sharks erhalten: Shakir Mukhamadullin (Verteidiger), Fabian Zetterlund (Stürmer), Nikita Okhotiuk (Verteidiger), Andreas Johnsson (Stürmer), Erstrunden-Pick 2023, Erstrunden-Pick 2024 mit Bedingungen, Siebtrunden-Pick 2024. Die Sharks bezahlen weiterhin 50 Prozent des Gehalts von Meier.

Die «Timo Time» wird um drei Stunden zurückgestellt. Die New Jersey Devils machen den Schweizer NHL-Fans eine Freude und sichern sich die Dienste von Timo Meier. Insgesamt wechseln im mit Spannung erwarteten Tauschgeschäft neun Spieler und vier Draft-Picks die Seiten.

Wer gewinnt den Trade?

Die New Jersey Devils erhalten mit Timo Meier sicherlich den besten Einzelspieler im gesamten Trade. Die weiteren Spieler, die im Trade zu New Jersey stossen, sind Ergänzungen für die Farmteams in der AHL oder gar in der drittklassigen ECHL. Einzig Verteidiger Scott Harrington könnte gelegentlich in der NHL zum Einsatz kommen.

Die Fans von San Jose waren zunächst nicht besonders glücklich mit dem Trade. Sie hofften, entweder Stürmer Alexander Holtz oder Verteidiger Seamus Casey als Teil des Deals zu erhalten. Die zwei sind nach den unantastbaren Luke Hughes (der jüngere Bruder von Jack Hughes) und Simon Nemec die vielversprechendsten Talente in der Devils-Organisation. Und auch Dawson Mercer, auf den die Sharks ein Auge geworfen hatten, bleibt in New Jersey.

New Jersey Devils' Dawson Mercer (91) celebrates with teammate Dougie Hamilton (7) after scoring the game winning goal during the overtime period of an NHL hockey game against the Los Angeles Kin ...
Acht Tore in den letzten sechs Spielen: Dawson Mercer bleibt in New Jersey.Bild: keystone

Stattdessen baut San Joses General Manager Mike Grier sein Verteidiger-Reservoir aus. Nikita Okhotiuk ist 22-jährig und hat in dieser und in der letzten Saison erste Schritte in der NHL unternommen und dabei gut ausgesehen. Noch jünger und vielversprechender ist Shakir Mukhamadullin (21). Von ihm wird erwartet, dass er nach dieser KHL-Saison den Sprung nach Nordamerika wagt. Stürmer Fabian Zetterlund ist zudem etwas unterschätzt. Der 23-Jährige ist ein guter, schneller Forechecker, defensiv verlässlich und auch in Unterzahl einsetzbar.

Wertvoll ist auch der Erstrunden-Draftpick in diesem Jahr. Der Draft-Jahrgang 2023 gilt als aussergewöhnlich stark, sodass auch mit einem späten Pick in der ersten Runde noch gute Spieler gezogen werden können.

Was bedeutet der Trade für Timo Meier?

Zuallererst bedeutet der Trade, dass Timo Meier von einem der schlechtesten Teams der NHL zu einem der besten wechselt. Mit den New Jersey Devils kann der Appenzeller in dieser Saison in den Playoffs spielen. Bei den Sharks ging es längst nur noch darum, die Ausgangslage für den Draft 2023 zu optimieren.

Meier trifft in Newark auf viele bekannte Schweizer Gesichter. Nico Hischier führt die Devils als Captain an. Mit ihm hat Meier schon an den letzten zwei Weltmeisterschaften gespielt und gut harmoniert. Auch Jonas Siegenthaler kennt er schon von Nati-Zusammenzügen und mit Goalie Akira Schmid figuriert derzeit ein weiterer Schweizer im Kader der Devils. Entsprechend zeigte der Appenzeller sich in einer ersten Reaktion voller Vorfreude auf seine neuen Teamkollegen.

Es ist realistisch, dass Meier langfristig bei den «Teufeln» bleibt, denn dort hat er in den nächsten Jahren die Chance, den Stanley Cup zu gewinnen. Es wäre ein historischer Erfolg. Der erste Cup eines NHL-Teams mit mehreren Schweizern in wichtigen Rollen.

So könnten die Devils-Sturmlinien mit Meier aussehen:

  • Meier – Hischier – Mercer
  • Sharangovich – Hughes – Bratt
  • Palat – Haula – Tatar
  • Wood – McLeod – Bastian

Warum haben die Devils Meier geholt?

Die Devils liegen derzeit sicher auf einem Playoff-Platz, aber der Osten wird ein Schlachtfeld. Die New York Rangers haben bereits mit Vladimir Tarasenko aufgerüstet und könnten demnächst auch noch Patrick Kane holen. Toronto hat sich mit Ryan O'Reilly verstärkt und Boston und Tampa sind auch ohne zusätzliche grosse Namen angsteinflössend.

In den schwächeren Saisonphasen der Devils in dieser Saison war klar: Bei der Torproduktion hängt sehr viel von Nico Hischier, Jack Hughes und Jesper Bratt ab. Läuft es bei einem des Trios nicht, ist schnell Schicht im Schacht. Mit Timo Meier wird der Angriff nun um einen weiteren torgefährlichen Starstürmer erweitert. Das macht die Devils vielseitiger und unberechenbarer, zumal der Schweizer als kräftiger Powerstürmer noch einmal ein zusätzliches Element einbringt. Auch das Powerplay dürfte noch einmal besser werden.

Einige Tore und Assists von Meier in dieser Saison.Video: YouTube/NHL

New Jersey General Manager Tom Fitzgerald dürfte bei Meier aber auch die Playoff-Erfahrung im Hinterkopf gehabt haben. 2019 kamen die Sharks bis in den Conference-Final und Meier steuerte in 20 Spielen fünf Tore und zehn Assists bei. Der Appenzeller weiss, wie man in wichtigen Spielen punktet und sie gewinnt. Da ist er vielen Spielern im jungen Devils-Team voraus.

Wie sieht es mit einer Vertragsverlängerung aus?

In den ursprünglichen Gerüchten hiess es, die Devils seien nicht an «Rentals» interessiert – also an Trades von Spielern, die im Sommer gleich wieder gehen. Mit Timo Meier ist – Stand jetzt – noch keine Vertragsverlängerung zustande gekommen. Aber Fitzgerald wird sicher alles versuchen, um den Schweizer langfristig zu binden.

Meier ist Restricted Free Agent (RFA). Das bedeutet, dass die Devils auch nach Auslaufen des Vertrags die Rechte am 26-Jährigen besitzen, sofern sie ihm im Sommer eine sogenannte «Qualifying Offer» (eine Art Vorvertrag) anbieten. Realistischer ist, dass Fitzgerald und Meiers Lager bereits in den nächsten Tagen mit den Verhandlungen für eine Vertragsverlängerung beginnen.

Der grösste Streitpunkt in den Verhandlungen dürfte die jährliche Lohnsumme sein. Meiers Agent soll über neun Millionen Dollar verlangen. Fitzgerald möchte aber keinem Spieler mehr bezahlen als die acht Millionen, die Jack Hughes jährlich erhält.

Wann spielt Meier das erste Mal für New Jersey?

Das ist noch unklar. Meier schlägt sich derzeit noch mit einer leichten Oberkörperverletzung herum. Besonders gravierend scheint es nicht zu sein, der Stürmer trainiert derzeit ganz normal.

Meier wird am Dienstag in Denver zu den Devils stossen. Wahrscheinlich ist, dass er im Verlauf des Roadtrips mit Spielen in Colorado, Vegas und Arizona sein Debüt gibt.

Warum umfasst der Trade 9 Spieler?

Die Fans beider Klubs mussten sich lange gedulden von der ersten Trade-Ankündigung bis zur Enthüllung aller Details. Mehrere Stunden vergingen, auch weil der Trade noch einmal angepasst werden musste, weil ein nicht genannter, für das Tauschgeschäft vorgesehener Spieler an einer Verletzung litt.

Auf den ersten Blick erscheint es kurios, dass die Devils einen Star wie Meier und gleichzeitig vier weitere Spieler erhalten, während sie ihrerseits vier Spieler abgeben. Das hat aber durchaus seine Gründe. Einerseits geht es darum, dass beide Parteien weiterhin die Salär-Obergrenze einhalten können. Andererseits darf ein NHL-Team pro Saison maximal 50 laufende Verträge in seinen Büchern haben. So mussten die Sharks auch Spieler abgeben, um alle Spieler von New Jersey aufnehmen zu können.

Mehr zum Trade:

Nino Niederreiter zu Winnipeg

  • Die Winnipeg Jets erhalten: Nino Niederreiter
  • Die Nashville Predators erhalten: Zweitrunden-Draftpick 2024

Nino Niederreiters Zeit bei den Nashville Predators ist bereits wieder vorbei, er wurde per Trade zu den Winnipeg Jets transferiert. Das kam auch für den Churer Stürmer und für Nashville-Captain Roman Josi, der Niederreiters Unterschrift im Sommer bei den Preds orchestrierte, überraschend. «Josi war nach dieser Hammer-Nachricht genau so aufgewühlt wie ich. Wir haben auf dem Zimmer hemmungslos zusammen geweint», sagte Niederreiter dem «Blick».

Wer gewinnt den Trade?

Die Winnipeg Jets. Sie erhalten einen guten Allround-Stürmer, der mit vier Toren in den letzten drei Spielen seinen Torriecher abermals bewiesen hat. Dafür müssen sie nur einen Zweitrunden-Draftpick abgeben. Wenn man sich die Trades aus den letzten Tagen und Wochen anschaut, ist der Deal für die Jets ein Schnäppchen.

Was bedeutet der Trade für Niederreiter?

Klar ist: Niederreiters erste Emotion, nachdem ihm mitgeteilt wurde, dass er zu den Jets geht, war nicht Freude. «Ich hatte mich in Nashville bestens eingelebt. Die Stadt hat mir besonders gut gefallen. Und mit Roman Josi hatte ich hier einen Freund, mit dem ich mich auf und neben dem Eis blind verstehe», sagte der 30-Jährige. Zumal Winnipeg steuertechnisch, und auch was die Freizeit angeht, deutlich weniger bietet, als die Musik-Hauptstadt in Tennessee.

Sportlich gesehen ist der Wechsel für Niederreiter allerdings ein Upgrade. Die Jets sind auf gutem Weg, die Playoffs zu erreichen. Bei Nashville ging der Trend zuletzt in die falsche Richtung. Einmal in den Playoffs, ist es in der Western Conference aufgrund der schwächeren Konkurrenz deutlich einfacher, diese erfolgreich zu gestalten.

Das Playoff-Rennen in der Western Conference der NHL.
Das Playoff-Rennen im Westen der NHL.Bild: screenshot nhl.com

In Winnipeg dürfte Niederreiter einen Platz in den ersten zwei Linien erhalten. Entweder läuft er an der Seite von Mark Scheifele und Kyle Connor auf oder gemeinsam mit Pierre-Luc Dubois und dem Ex-Bieler Nikolaj Ehlers. Der Schweizer dürfte für die Kanadier ein wichtiges Puzzleteil sein, wenn es darum geht, die Playoff-Qualifikation definitiv zu sichern.

Was bedeutet der Trade für Nashville?

Das Tauschgeschäft von Niederreiter war für Nashville der Aufbruch in eine neue Ära. Die Predators wagen damit einen zarten Schritt in Richtung «Rebuild» – also den Neuaufbau des Teams, indem man Kaderspieler abgibt und Prospects und Draftpicks sammelt.

Gestern wurde bekannt, dass der seit 1997 amtierende General Manager David Poile zurücktritt und Barry Trotz diesen Posten übernimmt. Gleichzeitig gaben sie Stürmer Tanner Jeannot an Tampa Bay ab und erhielten dafür unfassbare fünf Draft-Picks.

Jetzt bleibt noch die Frage: Wollen die Predators einfach ihre Ausgangslage für den diesjährigen, hochkarätigen Draft verbessern und dann mit etwas Glück nächstes Jahr wieder angreifen? Oder gibt es einen Neuaufbau von Grund auf über mehrere Jahre? Falls der neue GM Trotz die zweite Option wählt, ist irgendwann vielleicht sogar ein Trade von Roman Josi nicht auszuschliessen.

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21 Kommentare
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Aareschwumm
27.02.2023 11:59registriert November 2014
So ein guter Text. Vielen Dank für die Zusammenfassung. Die Berichte aus der NHL auf Watson machen einfach spass.
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magicfriend
27.02.2023 11:19registriert Oktober 2014
Die Jets sind halt extrem unter dem Radar in Europa und strahlen nicht den Glanz aus, den es bei den ganz grossen Franchises gibt. Zudem ist auch Winnipeg als Stadt kaum bekannt. Jedoch wird dort gut gearbeitet und die Jets hatten in 11 Jahren 5 Playoff-Teilnahmen. Da haben Organisationen mit deutlich mehr Renomee weniger vorzuweisen. Und dieses Jahr wird es knapp, könnte aber durch El Niño reichen. Genau dafür werden sie ihn geholt haben. Machs gut, Nino und viel Erfolg in Kanada.
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McHunt
27.02.2023 11:21registriert Januar 2023
Sehr schade um Nino... Und ob Josi mit Nashville nochmals in den Titelkampf des Stanley Cup's eingreifen kann, wage ich zu bezweifeln. Im 2017 haben sie die Chance dazu im Finale leider vertan.
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