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Arthur Cabral: Spielt in Fiorentina, erfüllt die Erwartungen aber noch nicht.
Arthur Cabral: Spielt in Fiorentina, erfüllt die Erwartungen aber noch nicht.Bild: keystone
Analyse

Cabral und Co. verliessen die Super League als Stars – und tun sich im Ausland schwer

Selten einmal verlassen so viele Aushängeschilder die Super League wie in diesem Winter. Die meisten sind noch nicht recht bei ihren neuen Vereinen angekommen. Was sagt das über die Schweizer Liga aus?
10.05.2022, 11:3310.05.2022, 12:36
Dominic Wirth / ch media

Die besten Fussballer ziehen weiter, wenn sich die Chance dazu bietet, in eine grössere, bessere Liga zu wechseln. Das ist das Los der Schweizer Super League, und zu einem guten Teil ist es auch ihr Zweck. Sie gilt als Ausbildungsliga, als Sprungbrett, angesiedelt eher am unteren Ende der Nahrungskette, die sich im internationalen Fussball herausgebildet hat.

Der Auslandtransfer des Leistungsträgers ist also nichts Ungewöhnliches für hiesige Klubs. Doch was sich diesen Winter ereignete, war selbst für die Verhältnisse der Super League bemerkenswert: Innert ein paar weniger Wochen verlor sie gut und gerne ein halbes Dutzend ihrer Attraktionen. Es war ein Nachholeffekt, der da wirkte. Wegen der Corona-Krise hatte sich der internationale Spielermarkt in den Transferfenstern davor merklich abgekühlt, gerade in jenem Preissegment, in dem sich Exporte aus der Schweiz in der Regel bewegen, dem tiefen bis mittleren.

Und dann also: der Winter 2021/22. Plötzlich war der Basler Arthur Cabral weg, der beste Torschütze der Liga. War auch sein Vorgänger weg, YBs Jean-Pierre Nsame. Ging Edon Zhegrova, der Flügelspieler, der beim FC Basel so viele gute Ideen hatte wie kaum ein anderer in der Super League. Wechselten Michel Aebischer, der Kopf des Berner Meisterteams, und sein Teamkollege Silvan Hefti, der dominante Rechtsverteidiger der letzten Saisons. Verabschiedete sich Eray Cömert vom FC Basel, einer der wenigen Schweizer Nationalspieler aus der Super League, und Christopher Martins, der bei YB eine wichtige Rolle eingenommen hatte im zentralen Mittelfeld.

Da ging in kurzer Zeit ziemlich viel verloren. Doch wie ergeht es den Fussballern bei ihren neuen Vereinen?

Arthur Cabral, von Basel zu Fiorentina:

Verliess die Schweiz mit 14 Ligatoren in 18 Spielen: Stürmer Cabral.
Verliess die Schweiz mit 14 Ligatoren in 18 Spielen: Stürmer Cabral.Bild: keystone

Das Beste vorweg: Arthur Cabral hat sich bei der Fiorentina in die Stammformation gespielt. Der Posten des Mittelstürmers gehörte zuletzt dem Brasilianer. Krzysztof Piatek, sein polnischer Konkurrent, musste öfter zuschauen.

Cabral kam mit der Referenz von 14 Ligatoren nach 18 Spielen in die Toskana. Die Ablösesumme: Rund 16 Millionen, mit Abstand die höchste aller Winterabgänge aus der Super League. Und hoch waren auch die Erwartungen an den Stürmer, er sollte Dusan Vlahovic ersetzen, den Serben, der für 75 Millionen zu Juventus gegangen war. Doch das ist Cabral bisher nicht gelungen. Nach zwölf Einsätzen steht er bei nur zwei Treffern. Fiorentina, das im oberen Mittelfeld der Serie A mitspielt, erzielt jetzt nur noch etwa halb so viele Tore pro Spiel wie noch mit Vlahovic.

Jean-Pierre Nsame, von YB zu Venezia

Jean Pierre Nsame erzielt in der Schweiz Tore am Laufmeter, in Italien wartet er immer noch auf seine Premiere.
Jean Pierre Nsame erzielt in der Schweiz Tore am Laufmeter, in Italien wartet er immer noch auf seine Premiere.Bild: keystone

Der Kameruner war in den letzten Jahren der Stürmer, der die Super League mit seinen Toren geprägt hat. Zweimal wurde er Torschützenkönig. In der Saison 2019/20 gelangen ihm in 32 Spielen 32 Tore. Ein Transfer ins Ausland schien nur eine Frage der Zeit, doch dann riss sich Nsame im Mai 2021 die Achillessehne.

Für YB hat Nsame seither nie mehr gespielt. Im Winter wechselte er, zwar wieder gesund, aber ohne Spielpraxis, zum abstiegsbedrohten Venezia. Dort läuft es bisher gar nicht nach Wunsch: Nsame durfte nur einmal beginnen, blieb in allen elf Einsätzen torlos. Vor dem Sieg am Wochenende gegen Bologna hat Venezia neunmal in Folge verloren. Der Abstieg ist nahe. Und damit auch eine Rückkehr des Stürmers nach Bern möglich. Die Kaufpflicht der Italiener greift nur bei einem Klassenerhalt.

Michel Aebischer, von YB zu Bologna

Michel Aebischer spielt bei Bologna oft, aber selten von Beginn an.
Michel Aebischer spielt bei Bologna oft, aber selten von Beginn an.Bild: keystone

Bei den Young Boys hat sich Aebischer über die Jahre zu einer zentralen Figur entwickelt. Es war der Freiburger, der das Spiel der Berner taktete. Als vierfacher Meister und achtfacher Nationalspieler ging der 25-Jährige im Winter zum italienischen Mittelfeldklub Bologna. Dort sass er am Wochenende, beim 3:4 gegen Venezia, auf der Ersatzbank – genau gleich wie auf der Gegenseite Jean-Pierre Nsame, der Mann, mit dem er in Bern so grosse Erfolge feierte.

Aebischers Bilanz liest sich besser als jene des ehemaligen Teamkollegen, aber immer noch enttäuschend: Von 14 Spielen tat er in 10 mit, davon aber nur bei zweien von Anfang an.

Edon Zhegrova, von Basel zu Lille

Wenn er fit war, ging etwas: Edon Zhegrova, der nun bei Lille ist.
Wenn er fit war, ging etwas: Edon Zhegrova, der nun bei Lille ist.Bild: keystone

Der Kosovare lief in der Hinrunde beim FC Basel nicht allzu oft auf, weil er sich immer wieder mit Verletzungen herumplagte. Aber wenn Zhegrova einmal spielte, dann passierte etwas: Vier Tore und sechs Assists bei zwölf Einsätzen in Super League und Conference League. Bei Lille, dem französischen Überraschungsmeister der Vorsaison, spielte er zuletzt regelmässig - insgesamt steht er bei zwei Toren und einem Assist nach elf Einsätzen. Für Lille läuft die Saison nach dem letztjährigen Coup allerdings nicht nach Wunsch: Die Nordfranzosen sind ins Tabellenmittelfeld abgerutscht und haben zuletzt vier von fünf Spielen verloren.

Silvan Hefti, von YB zu Genua

Startete bei Genua gut, musste zuletzt aber zuschauen: Silvan Hefti.
Startete bei Genua gut, musste zuletzt aber zuschauen: Silvan Hefti.Bild: keystone

Der Rechtsverteidiger spielte in der Schweiz zuletzt mit St. Gallen um den Titel, um dann zu YB zu gehen und ihn dort zu gewinnen. Nach eineinhalb Jahren in Bern zog es den jungen Ostschweizer weiter – in den Norden Italiens, für eine Ablösesumme von ungefähr fünf Millionen Franken. Mit Genua kämpft er dort gegen den Abstieg. Hefti tat das von Anfang an als Stammspieler, auch am Wochenende, beim 2:1 gegen das grosse Juventus Turin. Es war ein Sieg, der dringend nötig war: Auch so beträgt der Rückstand auf den rettenden 17. Platz noch zwei Punkte. Hefti spielt zwar häufiger als sein ehemaliger Teamkollege Nsame in Venedig - aber auch ihm droht der Abstieg in die Serie B.

Eray Cömert, von Basel zu Valencia

Mit Eray Cömert verliess einer der wenigen Nationalspieler die Super League.
Mit Eray Cömert verliess einer der wenigen Nationalspieler die Super League.Bild: keystone

In Basel war der Innenverteidiger ein Lieblings der Fans, aber am Ende durfte er bei seinem Jugendverein nicht mehr mittun. Im Winter ging Eray Cömert zu Valencia, wo auch Omar Alderete, sein Verteidiger-Kompagnon aus glücklicheren Basler Zeiten, spielt. An der Seite des Paraguayers durfte der Nationalspieler allerdings noch nie beginnen. Überhaupt war das bisher selten der Fall, vier Mal insgesamt in 13 Spielen. In den letzten acht Begegnungen kam Cömert nur noch auf 96 Einsatzminuten.

Christopher Martins, YB zu Spartak Moskau, leihweise

Bei YB ein wichtiger Baustein: Mittelfeldmann Martins, der nun in Moskau spielt.
Bei YB ein wichtiger Baustein: Mittelfeldmann Martins, der nun in Moskau spielt.Bild: keystone

Für den Luxemburger haben YB und Spartak Moskau laut Transfermarkt eine Kaufpflicht in der Höhe von 6.4 Millionen Euro ausgehandelt. Sportchef Christoph Spycher liess durchblicken, dass er dazu nicht Nein sagen konnte. Und dem defensiven Mittelfeldspieler läuft es gut in Russland: Kein anderer Wintertransfer aus der Super League steht häufiger in der Startformation. Zu sagen ist aber auch, dass Spartak durch die Saison taumelt und derzeit nur auf dem enttäuschenden neunten Platz steht.

Eine Frage bleibt nun noch, und sie muss heissen: Wie ist das alles einzuordnen? Was bedeutet es für die Super League, wenn sieben Spieler gehen, die in ihr aufgefallen sind, teilweise gar herausgeragt haben – und sich dann, ein paar Monate später, nur drei von ihnen – Cabral, Hefti und Martins - etabliert haben, und das noch grosszügig gerechnet und bei Klubs, die bestenfalls Mittelklasse verkörpern?

Berauschend ist das nicht, aber auch noch nicht der Moment, schon den Stab über die Super-League-Exporte zu brechen. Ein Transfer im Winter ist immer schwierig, weil man in Mannschaften kommt, die sich gefunden haben – oder solche, von denen man das kein bisschen sagen kann. Ein Transfer ist dann der Versuch, Löcher zu stopfen, Probleme zu beheben. Und bedeutet viel Druck bei kurzer Angewöhnungszeit. Beide Ausgangslagen sind nicht einfach. Klar ist aber auch: Die ersten Signale sind nicht gerade vielversprechend für das hiesige Fussballschaffen. (aargauerzeitung.ch)

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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cheko
10.05.2022 12:18registriert Dezember 2015
Ja Wintertransfers sind immer so eine Sache.. Ich habe den Eindruck, dass die Spieler dann selten im vollen Ausmass an deren Leistungen im alten Club anknüpfen können. Ist ja auch verständlich, denn sie können sich nicht von einem Tag auf den anderen auf eine völlig neue Umgebung, neue Taktik und fremde Mitspieler einstellen. Ob die solche Transfers gescheitert sind oder nicht, wird vermutlich erst im Herbst (nach der kompletten Saisonvorbereitung im Sommer) zu sehen sein.
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Brägen
10.05.2022 12:05registriert Juli 2020
Bei den Wintertransfers benötigt es oft schon eine gewisse Zeit, um anzukommen, auch in der Super Lesgue. Niasse bei YB z.B. kaum aus der höher eingestuften Ligue 1 und brauchte Zeit, sich einzugewöhnen. Oder die Wintertransfers von Basel aus Deutschland und Russland, schlugen auch nicht wie eine Bombe ein. Eine ganze Vorbereitung im Sommer mitmachen zu kännen, hilft da schon enorm, egal welche Liga.
Die im Artikel aufgeführten Spieler haben meiner Meinung nach die Qualität, in den Auslandsligen zu bestehen und ich denke, das werden wir ab nächstem Sommer auch sehen.
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Borat2
10.05.2022 13:58registriert April 2022
Auch wenn sich die Bilanzen der abgewanderten Spielern bisher eher ernüchternd liest, die Vereinswahl der oben Erwähnten, ist durchaus sinnvoll. Mit einer guten Vorbereitung sollten Stammplätze bei Florenz, Bologna, Lille und Co. durchaus drin liegen in der nächsten Saison.
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