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Eilidh Barbour verliess den Saal im Protest.
Eilidh Barbour verliess den Saal im Protest.Bild: imago

Rassistisch, sexistisch, homophob – TV-Moderatorin verlässt Award Show

Der schottische Fussball wird von einem Skandal erschüttert. Bei einer Gala verliessen zahlreiche Gäste den Saal, als ein Redner sich ungebührlich äusserte.
10.05.2022, 09:2510.05.2022, 12:19

Die Scottish Football Writers' Association (SFWA), der Verband der schottischen Fussballreporter, ehrte am Sonntagabend Sir Alex Ferguson an einer Gala. Der 81-Jährige war während Jahrzehnten ein höchst erfolgreicher Trainer, nicht nur mit Manchester United, sondern zuvor auch in der Heimat. Den FC Aberdeen führte er in den 1980er-Jahren zu drei Meistertiteln und dem Sieg im Cupsieger-Cup.

Der Hauptredner der Gala, Bill Copeland, schien gedanklich immer noch in jener Zeit zu sein. Er riss nach Aussage mehrerer Gäste «sexistische, rassistische und homophobe Witzchen». Seine genaue Wortwahl wurde nicht bekannt. Offenbar benutzte er unter anderem das Wort «Schwuchtel» und für japanische Fussballer von Celtic Glasgow den abschätzigen Ausdruck «Nip», der in etwa mit dem Schweizerdeutschen «Tschingg» für Italiener vergleichbar ist.

«Das war eine andere Stufe»

Für die Sport-Moderatorin Eilidh Barbour war die Rede zu viel des schlechten Geschmacks. Sie verliess den Saal im Protest. Noch nie habe sie sich in dieser Branche so unwillkommen gefühlt, twitterte Barbour. «Das ist eine grosse Erinnerung daran, dass es noch so viel zu tun gibt, um unser Spiel zu einem gleichberechtigten Ort zu machen.»

Die Gäste zweier Tische standen auf und gingen. Dazu gehörte auch Gabriella Bennett, die Co-Geschäftsführerin des Verbands «Frauen im schottischen Journalismus». Gegenüber der BBC sagte sie, sie habe an früheren Anlässen schon oft frauenfeindliche Sprüche gehört. «Aber das hier war nochmals eine andere Stufe.»

«Es liegt noch ein langer Weg vor uns»

Sie habe nur etwa fünf Minuten der vielleicht zwanzig Minuten langen Rede gehört «und innerhalb dieser fünf Minuten wurde sie mit sexistischen Witzen überhäuft.» Dass nicht mehr Gäste protestierten, störe sie, sagte Bennett weiter: «In einem riesigen Raum gingen die Leute von zwei Tischen. Aber viele andere fanden es wirklich lustig.»

Zu denjenigen, die den Saal verliessen, gehörte auch die langjährige Nationalspielerin Leanne Crichton. Sie glaube nicht, dass das Geschehene die Haltung aller Anwesenden widerspiegle und es gebe viele positive Fortschritte, meinte sie. «Aber es liegt noch ein langer Weg vor uns und ich denke, dieser Abend hat uns das deutlich vor Augen geführt.»

Die veranstaltende SWFA veröffentlichte eine Stellungnahme. Man entschuldige sich «bei allen, die durch die Äusserungen von einem unserer Redner beleidigt oder verärgert wurden.» Die Agentur, die Bill Copeland vertritt, liess verlauten, dieser stehe hinter der Mitteilung der SWFA.

An der Preisverleihung erhielt nicht nur Sir Alex Ferguson die Auszeichnung für sein Lebenswerk. Die Journalisten wählten Craig Gordon, den Goalie von Heart of Midlothian, zum Spieler der Saison in Schottland. Spielerin des Jahres wurde Caroline Weir von Manchester City, zum Trainer des Jahres wurde Celtics Ange Postecoglu gekürt. (ram)

Schottische Fussballerin des Jahres: Caroline Weir.
Schottische Fussballerin des Jahres: Caroline Weir.Bild: imago
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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mr. Spock
10.05.2022 11:06registriert November 2016
Finde es ohne Zutate recht schwierig einzuordnen ob dies eine sensible Überreaktion ist oder berechtigter Protest. Möchte hier in keinerweise homophobe oder sexistische Äusserungen verteidigen aber ein eigenes Bild kann ich mir kaum machen.
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insert_brain_here
10.05.2022 10:52registriert Oktober 2019
Wenn Leute verklärt von der "guten alten Zeit" reden meinen sie zu oft genau das.
"Wusstet ihr noch als in aller Öffentlichkeit folgenlos primitive Sprüche geklopft werden konnten? *schmacht*"
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Ich hol jetzt das Schwein
10.05.2022 11:52registriert September 2015
Ich habe bisher nichts weiteres als diesen Artikel hier gesehen (arbeitsbedingt, läuft gerade ziemlich), kann es deshalb nicht abschliessend beurteilen. Aber so wie ich den schottischen Fussball bisher kennenlernte, kann ich mir das gut vorstellen. Mancherorts sehr fortschrittlich im Denken, andernorts steinzeitnahe (und nein, damit meine ich nicht Clubs oder Regionen, sondern Einzelpersonen).
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