Debütant träumt von eigenem Restaurant – 4 Geschichten vor den Darts-WM-Viertelfinals
15.10 Uhr: Gary Anderson 🏴 – Justin Hood 🏴
20.10 Uhr: Luke Littler 🏴 – Krzysztof Ratajski 🇵🇱
21.40 Uhr: Luke Humphries 🏴 – Gian van Veen 🇳🇱
Hood und der Traum vom chinesischen Restaurant
«Who wants a Chinese?», fragte Justin Hood kurze Zeit nach seinem Viertelfinaleinzug das begeisterte Publikum im Alexandra Palace. Soeben hatte «Happy Feet» im WM-Achtelfinal gegen die Weltnummer 11 Josh Rock in beeindruckender Weise mit 4:0 gewonnen und sich somit ein Preisgeld von 100'000 Pfund gesichert. Schon mehrfach kündigte der Engländer an, dass es sein grosser Traum ist, ein eigenes chinesisches Restaurant zu eröffnen.
Love the fact that Justin Hood earning enough to buy a Chinese restaurant from his Ally Pally debut has turned into the biggest story of the World Championship. How can you not love darts 🤣pic.twitter.com/wYh6jz6Fff
— Chris Hammer (@ChrisHammer180) December 30, 2025
Schon jetzt hat der Engländer ein ansprechendes Startkapital herausgespielt, zumal Luke Humphries ihm bereits zugesagt habe, ebenfalls in sein Restaurant zu investieren. Aber Hood möchte noch mehr. «Ich glaube daran, den Final zu erreichen», sagte Hood nach dem Achtelfinalsieg gegenüber «Sport1» und erzählte auch, dass er drei Wochen vor dem WM-Start anfing, öfters zu trainieren: «Früher habe ich nur eine halbe Stunde pro Tag am Trainingsboard verbracht, zuletzt waren es vier bis fünf Stunden.»
Da bleibt nur zu hoffen, dass dann noch genug Zeit für das eigene Restaurant bleibt, auch wenn Hood Angst vor sich selbst hat: «Ich liebe das Essen. Wenn ich nichts bezahlen muss, sind wir nach einem halben Jahr Pleite.»
Allerdings müssen aktuell eher die Gegner Angst vor Hood haben. Der 32-Jährige, der vor der WM auf Platz 86 der Weltrangliste stand, ist in bestechender Form. Im Achtelfinal wies er einen 3-Dart-Durchschnitt von über 100 Punkten auf und traf elfmal hintereinander das Doppelfeld. Erst bei den Match-Darts zeigte der stets gutgelaunte Hood Nerven, verwandelte dann aber seinen fünften Match-Dart.
Rock war aber nicht der erste gesetzte Spieler, den Hood aus dem Turnier nahm. Einen Tag vor Heiligabend setzte sich der Engländer gegen die Weltnummer 6 Danny Noppert durch. Nicht nur wegen seiner Leistungen, sondern auch wegen seines Umgangs mit dem Publikum ist Hood der neue Fanliebling. Wenn der Engländer beim Jubeln jeweils sein Trikot anhebt, rasten die Zuschauer schon fast aus.
Justin Hood, what a man.
— george (@StokeyyG2) December 30, 2025
👏😂😂 pic.twitter.com/3BwCc3OIXG
Im Viertelfinal trifft Hood auf den zweifachen Weltmeister Gary Anderson. Der 55-Jährige erlebt an der bisherigen WM eine kleine Auferstehung. «The Flying Scotsman» erreichte in diesem Jahr nur an einem Major-Turnier den Viertelfinal und war weit weg von seiner Bestform.
Genau zum richtigen Zeitpunkt scheint Anderson sein bestes Spiel wieder gefunden zu haben. In der 3. Runde gewann Anderson nach einem sehr harten Kampf gegen den Niederländer Jermaine Wattimena. Nur knapp verpasste der Schotte den ersten 9-Darter des Turniers. Eine Runde später liess er im Gigantenduell seinem langjährigen Konkurrenten Michael van Gerwen keine Chance und setzte sich mit 4:1 durch.
Nach Gehirn-OP zum Geburtstag gegen Littler
Fünf Jahre nach seinem ersten steht Krzysztof Ratajski zum zweiten Mal im WM-Viertelfinal. Der Pole trifft an seinem 49. Geburtstag auf Top-Favorit und Titelverteidiger Luke Littler. Dieser legte sich zuletzt mit dem Publikum im «Ally Pally» an und wurde beim Achtelfinalspiel gegen Rob Cross mehrmals ausgebuht.
Für Ratajski war die WM in der 3. Runde schon fast vorbei. Sein Kontrahent Wesley Plaisier hatte mehrere Matchdarts – vergab diese aber und «The Polish Eagle» drehte die Partie nach einem 1:3-Satzrückstand. Nach dem emotionalen Sieg machte Ratajski ein erstaunliches Geständnis. «Ich hatte ein kleines gesundheitliches Problem mit dem Kopf», erzählte die Weltnummer 37 an der Pressekonferenz. Bei ihm wurden Aneurysmen – dies sind krankhafte Erweiterungen von Blutgefässen im Gehirn – diagnostiziert. Daraufhin musste Ratajski gleich zweimal am Gehirn operiert werden.
«Es war eine schwierige Zeit für mich. Aber jetzt ist alles in Ordnung», erklärte Ratajski, der sich nun auf ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk freuen kann. Als grosser Aussenseiter wird der Pole gegen Littler nichts zu verlieren haben.
Der Geheimfavorit, dem Darts egal ist
Ryan Searle ist der letzte Spieler im Turnier, der noch keinen einzigen Satz abgegeben hat. Spätestens seit seinem 4:0-Sieg im Achtelfinal gegen James Hurrell ist der 38-Jährige ein Geheimfavorit auf den WM-Titel. Noch nie zuvor erreichte «Heavy Metal» an einer Weltmeisterschaft den Viertelfinal, gleich dreimal scheiterte Searle im Achtelfinal. Einen grossen Titel hat der Engländer in seiner Karriere noch nicht gewonnen.
Nach seinem dominanten Sieg in der dritten Runde gegen Martin Schindler machte Searle ein spannendes Geständnis: «Es sind vielleicht zwei Spieler, die sich weniger für Darts interessieren als ich. Einer davon ist Ryan Joyce und der andere Gary Anderson. Ich glaube nicht, dass es sonst noch jemand gibt.»
In den letzten Jahren wurde Searle immer wieder vorgeworfen, in den wichtigen Momenten nicht bereit zu sein und dass er auch deshalb noch kein Major für sich entscheiden konnte. Dem ist sich die Weltnummer 20 bewusst, wie er nach dem Achtelfinalsieg gegen Hurrell sagte: «Ich sehe mich selbst immer ein bisschen als jemanden, der bei den Majors zu wenig erreicht hat.»
Nun weiss Searle aber besser, wie er damit umgehen muss und zeigt dies aktuell im «Ally Pally»: «Ich habe jetzt eine stärkere mentale Einstellung und bin bereit für grössere Matches. Es fühlt sich gut an, zu merken, dass ich diese Erfahrung auf der grossen Bühne nutzen kann.»
Im Viertelfinal wartet mit Jonny Clayton die aktuelle Nummer 5 der Welt. Der Waliser war auch der Gegner von Searle, als er bei einem Major-Turnier zuletzt den Viertelfinal erreichte. Beim World Matchplay 2023 setzte sich Clayton mit 16:12 durch. Für den Sieger dieses Duells wird es der erste WM-Halbfinal der Karriere sein.
Humphries trifft auf Angstgegner van Veen
Luke Humphries trifft im WM-Viertelfinal auf den zweifachen Junioren-Weltmeister Gian van Veen. Der Niederländer entwickelte sich im vergangenen Jahr zu einem kleinen Angstgegner der Weltnummer zwei. Viermal trafen die beiden aufeinander und jedes Mal setzte sich van Veen durch. So auch im Final der European Darts Championship. Für van Veen war es der erste Major-Titel in seiner Karriere.
Es ist erst die dritte Weltmeisterschaft für van Veen, der bei seinen ersten beiden Teilnahmen kein Spiel für sich entscheiden konnte. In diesem Jahr scheint der Knoten beim Niederländer aber geplatzt zu sein, er verlor in seinen vier Auftritten nur noch je einen Satz. Bereits vor dem Turnierstart gehörte der 23-Jährige zum erweiterten Favoritenkreis.
Besonders stark ist van Veen auf die Doppelfelder. In den vergangenen zwölf Monaten war kein Spieler gemäss Dartsorakel so stark beim Auschecken wie «The Giant». Mit 46,56 Prozent weist van Veen eine beeindruckende Quote auf.
Beide Spieler trafen an der laufenden Weltmeisterschaft noch nicht auf die ganz grossen Namen und gewannen ihre Spiele mehr oder weniger problemlos. Einzig Humphries hatte im Drittrundenspiel gegen den Deutschen Gabriel Clemens mehr zu kämpfen, als ihm lieb war, und konnte einen Entscheidungssatz gerade noch so verhindern.
