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Servette schlägt Skelleftea und gewinnt die Champions Hockey League

epa11168759 Geneve-Servette's players pose with the trophy after winning the Champions Hockey League Final game between Switzerland's Geneve-Servette HC and Sweden's Skelleftea AIK, at  ...
Servette gewinnt als erstes Schweizer Team die neue Ausgabe der Champions Hockey League.Bild: keystone

«Wasser trinke ich heute nicht mehr» – Servette gewinnt die Champions Hockey League

Der HC Genf-Servette, in der National League zwei Wochen vor Ende der Qualifikation nur auf dem 8. Platz, gewinnt mit einem 3:2 im packenden Final gegen Skelleftea AIK aus Schweden die Champions Hockey League.
20.02.2024, 18:3020.02.2024, 23:05
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Die Servettiens nützten vor 7135 Zuschauern in der ausverkauften Les-Vernets-Halle den Heimvorteil perfekt aus. Die Genfer legten los wie die Feuerwehr und gingen schon nach sechs Minuten durch Eliot Berthon in Führung. Berthon traf zum ersten Mal in der Champions League.

«Das ist einfach geil. Wir spielen Hockey um zu gewinnen. Am Freitag haben wir schon wieder ein Spiel, heute Abend läuft aber schon noch etwas. Wasser werde ich nicht mehr trinken heute Abend.»
Tanner Richard

Die Schweden kamen erst in der 10. Minute zum ersten Abschlussversuch, glichen dennoch aber in der 12. Minute durch den Letten Martins Dzierkals zum 1:1 aus. Servette liess sich vom unerwarteten Gegentor nicht aus der Ruhe bringen. Noch vor der ersten Pause gelang dem Heimteam innerhalb von 59 Sekunden mit Powerplay-Toren durch Sakari Manninen und Daniel Winnik der letztlich vorentscheidende Doppelschlag.

Doppelschlag

Dabei profitierte Servette von den nur in der Champions Hockey League geltenden Sonderregeln. Als Sakari Manninen den Genève-Servette Hockey Club in der 18. Minute in Überzahl 2:1 in Führung brachte, durfte der auf der Strafbank schmorende Oscar Lindberg nicht wie sonst üblich aufs Eis zurück. Er musste auch noch die letzten 59 Sekunden seiner Strafe absitzen. Und dieses 59-sekündige zusätzliche Powerplay nützte Servette zum 3:1 durch Winnik.

Und dann? Noch blieben Skelleftea mehr als zwei Drittel der Spielzeit für einen Umschwung. Servette geriet aber erst spät ins Wanken, obwohl AIK den zweiten Abschnitt überlegen gestaltete. Die Schweden wollten mit Taktik gegen das Genfer Talent bestehen. Aber Servette verteidigte das Tor von Star-Goalie Jussi Olkinuora geschickt und leidenschaftlich. Am Ende lässt sich sagen, dass Servette auch taktisch und diszipliniert dem Gegner leicht überlegen war.

«Es ist pure Freude im Moment. Wir wollten unbedingt das erste Schweizer Team sein, dass diesen Wettbewerb gewinnt. Zum Glück hat das dritte Tor gezählt. Sie haben alles versucht im dritten Drittel, aber wir hielten dagegen. Manchmal ist gewinnen nicht schön, aber am Ende ist wichtig, dass man gewinnt und nicht wie.»
Daniel Winnik

Äusserst spannend wurde es am Ende trotzdem noch. Anton Heikkinen verkürzte zwölf Minuten vor Schluss auf 2:3. Und Heikkinen bot sich in der 51. Minute auch noch die beste Ausgleichschance. Später hatte der Kanadier Dylan Sikura das 3:3 auf dem Stock. Und im Finish konnte Skelleftea auch noch während zwei Minuten zuerst mit fünf gegen vier, später mit sechs gegen vier Powerplay spielen.

Genfs Powerplay

Den entscheidenden Unterschied legte Servette aber ausgerechnet in Skellefteas Spezialdisziplin. Die Schweden verfügen in dieser Saison mit einer Erfolgsquote von 35,6 Prozent über das beste Powerplay eines Teams in einer bedeutenden Liga. Servette erzielte aber im Final zwei Powerplay-Tore (aus drei Chancen), derweil sich Skelleftea in Überzahl bei ebenfalls drei Chancen nie über längere Zeit vor dem Genfer Gehäuse festsetzen konnte.

Wie lässt sich Servettes Grosserfolg einordnen? Als die ZSC Lions vor 15 Jahren die Champions Hockey League gewannen, schrieb ein Medium vom grössten Erfolg im Schweizer Mannschaftssport aller Zeiten. Mittlerweile stand die Eishockey-Nationalmannschaft zweimal in einem WM-Final und auch die Fussball-Nati spielt viel erfolgreicher als noch vor zwei Jahrzehnten.

Saison gerettet

Jan Cadieux, der Genfer Erfolgstrainer, ordnete schon am Montag am offiziellen Medientermin ein. Der Gewinn der Champions Hockey League wäre nicht ganz so bedeutend wie vor einem Jahr der Meistertitel in der National League, aber sicher viel, viel wichtiger als die Genfer Spengler-Cup-Siege von 2013 und 2014.

«Es ist kein Märchen, sondern der Lohn für die Arbeit der letzten zwei Jahre. Auch wenn dieses Jahr alles hart ist, haben die Spieler gekämpft. Sie verdienen das. Sie waren vom ersten Bully bereit und haben über 60 Minuten gekämpft. Heute war ein guter Abend als Coach, ich habe keine Minute gezittert.»
Jan Cadieux

Sicher ist auch: Die Saison 2023/24 wird für den GSHC eine erfolgreiche sein – egal was die nächsten Wochen in der National League noch bringen oder eben nicht bringen. Die grandiose Final-Leistung wird Servette Auftrieb geben. Und wenn es Servette noch ins Playoff schafft, werden die Gegner schon sehr gut spielen müssen, um Genf in die Schranken weisen zu können.

Neben den beiden Champions-League-Triumphen von Servette und dem Zürcher SC gab es noch vier weitere Schweizer Europacup-Siege. Der HC Ambri-Piotta (1998 und 1999) und die ZSC Lions (2001 und 2002) gewannen je zweimal den Continentalcup, einen zwar zweitklassigen Wettbewerb, der in diesen Jahren aber mangels eines Meistercups oder einer Champions League durchaus gut besetzt war.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
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Nation Flag

Aktuelle
Note

  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

5,2

09.22

5,2

09.23

5,2

01.24

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Genève-Servette - Skelleftea AIK 3:2 (3:1, 0:0, 0:1)
7135 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kaukokari/Kova (FIN), Spur/Svoboda (CZE).
Tore: 6. Berthon (Jacquemet, Jooris) 1:0. 12. Dzierkals (Pär Lindholm) 1:1. 18. (17:37) Manninen (Hartikainen, Filppula/Ausschluss Oscar Lindberg) 2:1. 19. (18:36) Winnik (Berni/Ausschluss Oscar Lindberg) 3:1. 49. Heikkinen (Oscar Lindberg, Nilsson) 3:2.
Strafen: 3mal 2 Minuten gegen Genève-Servette, 2mal 2 Minuten gegen Skelleftea AIK.
Genève-Servette: Olkinuora; Vatanen, Chanton; Karrer, Lennström; LeCoultre, Berni; Jacquemet; Praplan, Filppula, Pouliot; Miranda, Richard, Winnik; Hartikainen, Manninen, Bertaggia; Cavalleri, Jooris, Berthon; Völlmin.
Skelleftea AIK: Söderström; Pudas, Mans Forsfjall; Solomonsson, Lundberg; Nilsson, Granberg; Sandin-Pellikka; Dzierkals, Pär Lindholm, Zeb Forsfjall; Heikkinen, Oscar Lindberg, Hugg; Max Lindholm, Lindström, Sikura; Sandberg, Johnson, Johnsson.
Bemerkungen: Genève-Servette ohne Rod (verletzt/Saisonende). - Timeout Skelleftea AIK (58.).
Schüsse: Genève-Servette 15 (8-6-1); Skelleftea AIK 25 (6-10-11).
Powerplay-Ausbeute: Genève-Servette 2/3; Skelleftea AIK 0/3. (abu/sda)

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