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Patrice Bergeron tritt zurück – eine Legende verlässt die NHL

FILE - Boston Bruins' Patrice Bergeron raises his stick to the fans after losing to the Florida Panthers in overtime during Game 7 of an NHL hockey Stanley Cup first-round playoff series, Sunday, ...
NHL-Legende Patrice Bergeron tritt ab.Bild: keystone

Patrice Bergeron tritt zurück – eine Legende verlässt die NHL

Am Dienstag kam die Meldung, die die Fans der Boston Bruins nie hören wollten. Mit 38 Jahren gab Patrice Bergeron seinen Rücktritt bekannt.
26.07.2023, 13:2026.07.2023, 15:58
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Eine der besten NHL-Karrieren der Moderne ist vorbei. Patrice Bergeron hat als Center jahrelang die Mannschaft der Boston Bruins und das kanadische Nationalteam geprägt. Nun verkündete er im Alter von 38 Jahren, dass er nächstes Jahr nicht mehr zurückkehren wird.

Alleine die Erfolge sprechen für die beeindruckende Karriere Bergerons. Der Kanadier ist Mitglied im Triple-Gold-Club. 2004 gewann er WM-Gold in Prag. 2010 kam Olympiagold vor den eigenen Fans in Vancouver (und 2014 in Sotschi) dazu. Und 2011 gewann Bergeron mit den Bruins auch noch den Stanley Cup.

FILE - Boston Bruins' Patrice Bergeron is reflected as he kisses the Stanley Cup at Tia's Restaurant in Boston on Thursday, June 16, 2011, one day after the Bruins beat the Vancouver Canucks ...
Patrice Bergeron küsst den Stanley Cup.Bild: keystone

Der Mittelstürmer heimste aber auch noch andere Auszeichnungen ein. So gewann er mit Kanada auch die U20-WM und während des Lockouts in der Saison 2012/13, als er in Lugano anheuerte, den Spengler Cup. Und er wurde fast unglaubliche sechs Mal mit der Frank J. Selke Trophy als bester Defensivstürmer der NHL ausgezeichnet – zum letzten Mal in diesem Sommer.

Und genau das ist das Erbe, das Bergeron hinterlässt. Er war der beste Zweiwegstürmer, den die Eishockeywelt in diesem Jahrhundert – oder vielleicht sogar jemals – gesehen hat. Wenn der Kanadier auf dem Eis stand, dann dominierte er, egal ob das Geschehen in der eigenen oder der gegnerischen Zone stattfand. Er gewann die Trophäe sechs Mal, aber wurde während mehr als eines Jahrzehnts praktisch immer dafür nominiert. Seit 2011 wurden 1941 Selke-Stimmzettel ausgefüllt und abgegeben. Bergeron wurde auf 1785 von ihnen erwähnt. Der Kanadier war der Inbegriff eines Weltklasse-Defensivstürmers.

Es geht gar so weit, dass gewisse Kommentatoren nun fordern, dass die Selke-Trophäe in näherer Zukunft nach Bergeron benannt wird. Beeindruckend ist die Karriere des heute 38-Jährigen aber vor allem auch, weil er seine defensive Qualität mit einer enorm guten Offensive kombinierte. Obwohl der Stürmer nie unter den besten zehn Skorern einer Saison war, sammelte er doch immer zwischen 50 und 80 Punkte pro Spielzeit und ist aktuell in der ewigen NHL-Skorerliste in den Top 100 zu finden.

Defensive Highlights aus nur einer Bergeron-Saison.Video: YouTube/dafoomie

Daneben überzeugte Bergeron als grossartiger Leader innerhalb seiner Mannschaft. Schon mit 21 Jahren wurde er Assistenzcaptain, später dann Captain. Und der Kanadier war einer der wenigen Spieler, der sich lautstark für Minderheiten im Eishockey starkmachte. Kein Wunder adelt Sidney Crosby, Bergerons Teamkollege bei zwei Olympiasiegen, ihn mit den Worten: «Deine Leistungen sprechen für sich, aber deine Persönlichkeit ist das, was am meisten hervorsticht. Für jeden, der mit dir oder gegen dich gespielt hat, gibt es kein besseres Vorbild.»

Der Abgang des 38-Jährigen wird in der besten Eishockey-Liga der Welt eine Lücke hinterlassen. Man wird Bergerons Klasse auf und neben dem Eis vermissen. Und die Bruins werden in der nächsten Saison eine komplett andere Mannschaft sein. Gleichzeitig ist es auch eine Chance für andere Spieler, mal eine Selke-Trophäe abzustauben. Vielleicht auch für den Walliser Nico Hischier, der in der vergangenen Saison das Voting auf dem zweiten Rang beendete.

Und für Bergeron? Er schreibt: «Wenn ich heute abtrete, bedauere ich nichts. Ich bin nur dankbar, dass ich meinen Traum gelebt habe, und freue mich auf das, was für meine Familie und mich als Nächstes ansteht.» Was irgendwann anstehen dürfte, ist die hochverdiente Aufnahme in die Eishockey Hall of Fame in Toronto. Im Jahr 2026 wäre das erstmals möglich.

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruins
26.07.2023 13:52registriert November 2021
😢😢😢 menschlich und sportlich ein riesiger Verlust für Boston und die NHL. Machs gut Capitano
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King Ralph
26.07.2023 15:53registriert Juni 2021
Bergy, ein Spieler, der sogar in anderen Stadien durchgehend respektiert wurde, auch wenn er auch für die defensive Drecksarbeit zuständig war. Das zeigt seine Extra-Klasse.
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Eule, nicht Lerche
26.07.2023 14:36registriert August 2021
Dann gewinnt Hischier die Selke nächste Saison 😎
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