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National League: Wie gut sind unsere Tipps? Eine Zwischenbilanz

Klaus Zaugg, Thomas Roost, Matthias Röthlisberger und Adrian Bürgler treffen sich kurz vor Weihnachten um ihre National-League-Tipps zu analysieren.
Kurz vor Weihnachten ziehen wir eine Zwischenbilanz zu unseren National-League-Tipps.Bild: watson

So gut (oder auch nicht) haben wir die National League getippt – eine Zwischenbilanz

Wie gut sind unsere National-League-Tipps gealtert? Kurz vor Weihnachten ziehen watson und der «Roost/Röthlisberger – Hockey-Talk» eine Zwischenbilanz.
18.12.2025, 08:5418.12.2025, 14:43

Vor der Saison tippten watson-Eismeister Klaus Zaugg und ich gemeinsam mit Thomas Roost und Matthias Röthlisberger vom «Roost/Röthlisberger – Hockey-Talk» die Tabelle der National League. Kurz vor Weihnachten ist es Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Welche Teams haben uns positiv und negativ überrascht? Wir analysieren die drei Mannschaften, deren aktuelle Rangierung am stärksten von der gemeinsamen Konsens-Tabelle abweicht.

Hinweis: Die Podcast-Episode, auf der diese Story basiert, wurde vor den Spielen am Mittwochabend aufgenommen. Entsprechend kann es mittlerweile Veränderungen in der Tabelle gegeben haben.

EV Zug

In unserer Saisonvorschau tippte Adrian Bürgler Zug als Meister, Klaus Zaugg sah den Klub als Dark Horse. In der gemeinsamen Tipp-Tabelle waren die Zuger auf Rang 1 geführt. In der Realität landet der EVZ kurz vor Weihnachten nur auf Rang 8.

Das sagen die Statistiken

Das grosse Problem der Zuger ist das Toreschiessen. Nur die Kellerteams Ambri, Bern, Kloten und Ajoie haben noch weniger Tore geschossen als der EVZ. Und die Mannschaft schafft es auch nicht wirklich, für Torgefahr zu sorgen. Bei 5-gegen-5 kreieren nur Kloten und Ajoie noch weniger Torgefahr, im Powerplay zeigt sich das gleiche Bild.

Natürlich spielen Verletzungen dabei eine Rolle. Lino Martschini verpasst den ganzen Rest der Saison, andere Stars wie Dominik Kubalik, Tomas Tatar oder Daniel Vozenilek haben allesamt schon verletzungsbedingt Spiele verpasst. Trotzdem müsste eine Mannschaft von Zugs Kaliber eigentlich in der Lage sein, mehr Torgefahr zu kreieren.

Das sagen die Experten

«Zug ist eine Enttäuschung in dieser Saison. Sie hatten und haben immer noch sehr viel Verletzungspech. Was mich trotz aller Verletzungen überrascht hat, ist, wie viel Mühe dieses Team hat, Tore zu schiessen. Das habe ich nicht vorausgesehen, dass sie in dieser Sparte Probleme haben werden.»
Adrian Bürgler
Das Gespräch zum EV Zug.Video: ch media
«Die Erklärung ist relativ unspektakulär. Sie haben einerseits wirklich unglaublich viel Verletzungspech gehabt. Andererseits sind sie die einzige Schweizer Mannschaft, die noch in der Champions Hockey League dabei ist. Diese ist ein ausgesprochenes Saisonziel von Zug. Ich würde sie noch nicht abschreiben, denn viele der Verletzten kommen zurück. Und in den letzten beiden Saisons war Zug auch mit Tangnes nicht mehr gut, das ist einfach die klassische Erodierung einer Meistermannschaft. Sie sind jetzt in der Phase, in der sie wieder Anlauf holen.»
Thomas Roost

SCRJ Lakers

Zwischenzeitlich waren die Rapperswil-Jona Lakers gar auf dem zweiten Platz, mittlerweile sind sie auf Rang 6 abgestürzt. In der Podcast-Tipprunde hatte die St.Galler niemand höher als auf Rang 10 getippt.

Das sagen die Statistiken

Mitte Oktober haben wir den Höhenflug der Lakers analysiert. Damals waren starke Goalies, eine herausragende Effizienz und gute Special Teams die treibenden Kräfte für das Hoch. Mittlerweile sind Melvin Nyffeler und Ivars Punnenovs wieder auf dem Boden der Realität gelandet. Beide haben immer noch ab und an Spiele, in denen sie den Sieg für Rapperswil stehlen.

Die Goals Saved Above Expected sind allerdings mittlerweile im Schnitt deutlich tiefer als noch im Oktober. Damit der Schnitt so stark sinken konnte, mussten die beiden Goalies also phasenweise unterdurchschnittliche Leistungen zeigen. Auch die Effizienz hat nachgelassen: Die Lakers schiessen nur noch 2,56 Tore pro 60 Minuten 5-gegen-5-Hockey im Vergleich zu 2,96 Toren zum Saisonstart. Mehr Tore kassieren und selbst weniger Treffer erzielen ist im Sport selten ein gutes Rezept.

Das sagen die Experten

«Ich hatte Rappi auf Platz 13 und als Negativüberraschung. Meine Entschuldigung geht raus an die Rapperswil-Jona Lakers. Nicht unbedingt an Johan Lundskog oder Claudio Cadonau, auch wenn die einen Superjob machen. Sondern an – und das wurde mir im Gespräch mit Janick Steinmann sonnenklar – die Führungsspieler der Lakers. Das ist etwas, was Steinmann betont hat: Der Kern um Melvin Nyffeler und Co. sei schon vor ihm dort gewesen und es sei einfach gewesen, mit diesem Kern zu arbeiten. Dass sie es auch in dieser Saison schaffen, mit neuem Sportchef und neuem Trainer, das ist wirklich auf diesen Kern zurückzuführen. Melvin Nyffeler und Co. ich entschuldige mich, ich habe euch unterschätzt.»
Matthias Röthlisberger.
Das Gespräch zu den SCRJ Lakers.Video: ch media
«Das ist die Überraschung der Saison. Es ist überraschend, dass ein Trainer, der bei schwierigen Grossklubs in Bern und Mannheim nicht funktioniert hat, im Biotop Lakers funktioniert. Das spricht für die Kultur dieses Sportunternehmens. Sie haben auch das Glück, dass viele Spieler dieses Jahr eine der besten Saisons ihrer Karriere spielen. Sie haben gute Ausländer und das nötige Glück. Das produziert eine Eigendynamik. Rapperswil ist das beste Beispiel, wie so eine Überraschungsmannschaft entstehen kann. Aber die Führung hat viel dazu beigetragen.»
Klaus Zaugg
Hockey haut dich um!
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.

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SC Bern

Obwohl Klaus Zaugg und Matthias Röthlisberger den SCB vor dem Start als grösste Enttäuschung der Saison ausmachten, haben wohl auch sie nicht mit dem Ausmass der Krise gerechnet. Statt auf Platz 6 wie in der Konsens-Tabelle sind die Mutzen kurz vor Weihnachten nur auf Rang 12 zu finden. Phasenweise gab es kurze Aufwärtstrends, die aber immer wieder von Tiefs abgelöst wurden.

Das sagen die Statistiken

Die Probleme beim SC Bern haben wir bei watson schon mehrfach analysiert. Sie sind mehr als offensichtlich: Der SCB schiesst einfach zu wenige Tore. Nur Ajoie und Kloten sind in dieser Kategorie noch erfolgloser.

Es ist nicht so, dass sich Bern gar keine Chancen herausspielt. Aber die wenigen Chancen können die Spieler dann zu selten in Tore umwandeln. Zu viele Leistungsträger befinden sich ausser Form oder genügen den Ansprüchen generell nicht.

Das sagen die Experten

«Der SCB ist ein gelähmter Titan. Es ist schlimmer, als man sich das hätte vorstellen können. Es ist eine Führungslosigkeit von zuoberst bis zuunterst. Marc Lüthi kommt mit dem Stadionprojekt nicht voran. Alle wissen, dass er alt ist und niemand weiss, was nach ihm kommt. Zwei Sportchefs, die keine Entscheidungen fällen können. Diego Piceci tut diesem Klub gut, aber er kann nie alleine entscheiden. Martin Plüss braucht für jeden Entscheid ein halbes Jahr. Sie haben wieder nicht sechs gute Ausländer, die eigentlich unabdingbar wären. Und ein Trainer, der von Beginn weg die Kabine gegen sich hatte. Die Führungslosigkeit ist ein absolut zentraler Faktor. Wenn man oben nicht weiss, was man will, dann weiss man es unten auch nicht. Für den SCB ist mittelfristig die Perspektive rabenschwarz.»
Klaus Zaugg
Das Gespräch zum SC Bern.Video: ch media
«Ich habe erwartet, dass die Berner letztes Jahr überperformt haben. Eine These von mir, warum Spieler plötzlich schlechter performen: die Trainer. Ich beurteile Trainer nur teilweise anhand von Ranglisten und Erwartungen. Ich schaue immer, ob es Spieler gibt, die die beste Saison ihrer Karriere unter diesem Trainer hatten, oder ganz grundsätzlich Spieler, die überperformen im Vergleich zu Saisons unter anderen Trainern in anderen Teams. Oder auch umgekehrt: Gibt es Spieler, die unter einem Trainer viel schlechter spielen als anderswo. Von mir aus gesehen ist es ein Indiz, dass diese Spieler nicht zu diesem Trainerteam passen oder gepasst haben.»
Thomas Roost

Alle Tipps in der Übersicht

Hier findest du alle unsere Tipps vor dem Saisonstart im Vergleich zur tatsächlichen National-League-Tabelle.

Die 13. Folge der zweiten Staffel «Roost Röthlisberger – Hockey Talk» mit unserem Zwischenfazit zu allen 14 National-League-Klubs gibt es hier und überall, wo es Podcasts gibt.

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Bild: ch media
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31 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno Wüthrich
18.12.2025 11:03registriert August 2014
Ich habe immer noch Freude an Adrian Bürglers getippten 14. Rang der SCL Tigers, weil er immer davon ausging, die Langnauer hätten den letztjährigen Erfolg einzig und allein Stéphane Charlin zu verdanken. Charlin hatte ganz gewisse seinen Anteil daran. Aber er allein hätte es auch nicht richten können. Ich habe trotz (oder wegen?) Adrians Statistikgläubigkeit immer dagegen gehalten und mich manchmal sogar (wohl zu Unrecht) gefragt, ob er überhaupt mal an einem Spiel der Tiger gewesen ist.
Nun ist Charlin nicht mehr in Langnau und die Emmentaler haben einfach den nächsten Hüter stark gemacht.
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Nummy33
18.12.2025 09:25registriert April 2022
Warten wir ab bis am Schluss! Mein Tipp: Davos wird nicht Meister
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31
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