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17.10.2015; Langenthal; Eishockey NLB - SC Langenthal -  EHC Olten; 
Jubel v.l. Philip Ahlstroem, Josh Primeau, Vincenzo Kueng (Langenthal) (Leroy Ryser/freshfocus)

Josh Primeau verstärkt den EV Zug für die Playoffs.
Bild: Leroy Ryser/freshfocus

Eismeister Zaugg

Josh Primeau: Der böse Mann, der Lugano davon abhalten soll, gegen Zug den Knüppel auszupacken

Der EV Zug rüstet nach und holt den bösen Rumpelstürmer Josh Primeau. Eine «Kriegserklärung» an Lugano – aber möglicherweise auch eine friedenssichernde Massnahme.



Das Wort «Kriegserklärung» gehört eigentlich nicht in die Sportsprache, drückt aber besser aus, worum es geht als «Kampfansage».

Die Zuger sind das leichteste und kleinste Team der Liga. Ihr Schlüsselspieler Pierre-Marc Bouchard ist zwar Liga-Topskorer, aber auch ein reiner Schönwetterspieler. Die Versuchung, ihn mit harten Attacken aus dem Spiel zu nehmen, ist für Lugano beinahe übermächtig und Sportchef Roland Habisreutinger hat ja bereits eine Ausländerlizenz geopfert, um mit Maxim Lapierre (188 cm/100 kg) einen kanadischen Rumpelstürmer zu holen. Also brauchen die Zuger einen «Bodyguard» für ihren zerbrechlichen Schillerfalter.

Luganos Julien Vauclair, links, und Zugs Reto, rechts, kaempfen um den Puck, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem EV Zug, in der Resega-Halle in Lugano, am Freitag, 26. Februar 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Beim Duell Lugano gegen Zug flogen bereits in der Qualifikation die Fäuste.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Hölzerne Hände, die einschüchtern

Langenthals Josh Primeau (25) verstärkt also ab sofort für die Dauer der Playoffs den EV Zug. Oder besser: Primeau erhöht die Schlagkraft. Der Kanadier mit Schweizer Lizenz und hölzernen Händen ist für die NLA ein spielerischer Nonvaleur. Möchten die Zuger gegen Lugano durchs Viertelfinale tanzen, würde sein Transfer so wenig Sinn machen wie das Engagement eines Taubstummen als Vorjodler.

Josh Primeau bringt nur Mehrwert an der Prügelfront. Er schüchtert ein. Er kann Lugano davon abhalten, Pierre-Marc Bouchard zu nahe zu kommen und damit alleine durch seine Präsenz dafür sorgen, dass es auf dem Eis friedlich bleibt und Lugano es gar nicht wagt, den Knüppel auszupacken. Dann hätte dieser Transfer Sinn gemacht.

Der SC Bern hat im Frühjahr 2007 für die Playoffs einst den wohl berühmtesten Einschüchterungstransfer gemacht. Sven Leuenberger holte den zusammen mit Zugs Claude Lemieux wohl härtesten Ausländer der Neuzeit: Den Kanadier Nathan Perrot (183 cm/103 kg), der es auch in der NHL auf über 100 Strafminuten gebracht hatte. Die Drohung wirkte, der SCB kam unbehelligt bis ins 7. Finalspiel, das in Davos 0:1 verloren ging. Viele sind noch heute der Meinung, John van Boxmeer habe den Titel verpasst, weil er seinen bösesten Spieler gar nie einsetzte.

La Chaux-de-Fonds, 22.09.2015, Eishockey NLB, HC Chaux-de-Fonds - SC Langenthal, Chaux-de-Fonds David Staempfli gegen Langenthals Josh Primeau (Pascal Muller/EQ Images)

Hier kämpft Josh Primeau (gelbes Trikot) in der NLB um den Puck. 
Bild: EQ Images

Kein Skorerpunkt in den Playoffs

Und nun also Josh Primeau. Mit einem der dümmsten und brutalsten Fouls der Neuzeit ist Zugs Neuerwerbung in die Geschichte eingegangen. 27. März 2012. Sechstes und letztes NLB-Playoff-Finalspiel. Langenthal führt gegen Lausanne 4:1. Alles ist entschieden, Langenthal ist NLB-Meister. Es sind nur noch 40 Sekunden zu spielen. Mit Anlauf und völlig sinnlos rammt nun Josh Primeau Langenthals Jeff Campbell so brutal in die Bande, dass der Kanadier mit gebrochenem Bein liegen bleibt. Damit ist auch die Liga-Qualifikation gegen Ambri bereits entschieden. Ohne ihren kanadischen Leitwolf sind die Langenthaler chancenlos.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Josh Primeau seit dieser Saison für Langenthal stürmt. Die Langenthaler haben ihn im Bestreben verpflichtet, grösser, schwerer und böser zu werden. Immerhin sind sie in der Qualifikation auf Platz zwei gekommen. Aber im Viertelfinale gegen Red Ice Martigny gescheitert. In der Qualifikation hat Josh Primeau in 45 Partien 15 Punkte beigesteuert. In den Playoffs war er eine Nullnunmmer: Keine Skorerpunkte.

Der grösste Zuger

Zugs Sportchef Reto Kläy redet nicht um den heissen Brei herum. «Man sagt uns nach, wir seien zu leicht und zu klein. Dagegen haben wir mit Josh Primeau etwas gemacht.» Zugs neuer Haudrauf ist immerhin 195 Zentimeter gross und 95 Kilo schwer. Er ist Zugs grösser Spieler. «Wenn ich jetzt behaupte, dass wir einen Spielmacher geholt haben, so glaubt uns das doch keiner.»

KORRIGIERT POSITION - Luganos Julien Vauclair, rechts, und Zugs Reto, links, kaempfen um den Puck, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem EV Zug, in der Resega-Halle in Lugano, am Freitag, 26. Februar 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Die Playoffserie zwischen Zug und Lugano wird umkämpft sein.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Das üble Foul damals im Finale hat Reto Kläy in bester Erinnerung. Er war damals Langenthals Sportchef. «Ohne dieses Foul wäre ich jetzt vielleicht nicht in Zug.» Was er damit meint: Mit Jeff Campbell hätten die Langenthaler gegen ein Ambri mit Auflösungserscheinungen möglicherweise eine Aufstiegschance gehabt und mehr als bloss eine Partie der Liga-Qualifikation gewonnen. Im Falle eines Aufstieges wäre Reto Kläy ohne den Wechsel nach Zug in die NLA gekommen.

Ein Aufstieg der Oberaargauer hätte wohl noch weitreichendere Folgen gehabt: Präsident Stephan Anliker hätte als Präsident eines NLA-Klubs nicht mehr genug Zeit gehabt, um auch den Vorsitz bei GC zu übernehmen.

Apropos: Zug hat den absoluten Topskorer der 12 NLA-Klubs in der Regular Season 2015/16 – klicke hier durch die restlichen.

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