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ZUM JAHRESTREFFEN DES WORLD ECONOMIC FORUM (WEF) IN DAVOS, VOM MITTWOCH, 20. JANUAR BIS SAMSTAG, 23. JANUAR 2016, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - [Stockbild]  Village. Dorf. Davos. Canton Grisons. Kanton Graubuenden. Switzerland. Schweiz.  (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Davos: So liegt das letzte Refugium der wahren Romantik für Mannschaftssport in unseren Bergen. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Darum sorgt das «Refugium der Romantik» dafür, dass der HCD Serien drehen kann

Die Nordamerikaner pflegen zu sagen: «It’s not over until the fat lady sings». Es ist nicht vorbei, bevor das Spiel oder eine Playoff-Serie zu Ende ist. Für keine andere Mannschaft gilt das so sehr wie für Arno Del Curtos HC Davos.



>>> Wir tickern die Partie Zug – Davos heute ab 19.45 Uhr!

Der alte Spruch von der dicken Dame hat seinen Ursprung in der Oper und bedeutet eigentlich, dass das Stück erst vorbei ist, wenn der Vorhang fällt. Das ist etwa bei der weltberühmten Oper «Ring der Nibelungen» erst der Fall, wenn eine der einst meist übergewichtigen Sopranistinnen die finale «Götterdämmerung» besungen hat.

Der amerikanische TV-Reporter Dan Cook ist der Erfinder dieser Phrase im Sport. Er beschwor die «fat lady» 1976 in den NBA-Playoffs zwischen San Antonio und Washington. Um den Zuschauern eindringlich vor Augen zu führen, dass die Serie nach dem ersten Sieg von San Antonio noch keineswegs entschieden sei. Und nun können wir sagen, dass in der Serie zwischen Zug und Davos die dicke Frau nach der 2:0-Führung der Zuger noch nicht gesungen hat. Warum müssen die talentierteren, auf dem Papier besseren Zuger zittern?

Fat Lady Klaus Zaugg Symbol-Fat-Lady, Bild: flickr.com

Das ist sie übrigens: die Fat Lady, die singt.  bild: flickr

Die Sache mit den Lego-Steinen

Nehmen wir an, die beiden Teams wären aus Lego-Steinen zusammengesetzt. Wir wären also dazu in der Lage, jedes einzelne Stück zu vergleichen. Die Torhüter, die Verteidiger links und rechts, die Stürmer auf den rechten und linken Aussenbahnen und die Mittelstürmer im ersten, im zweiten, im dritten und im vierten Block. Das Resultat wäre eindeutig: Der EV Zug wäre klarer Sieger und der HCD Aussenseiter. Das sagt übrigens auch die unparteiische Tabelle. Zug (3.) hat in der Qualifikation 23 Punkte (!) mehr geholt als Davos (5.).

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Dieser «Lego-Theorie» widerspricht Arno Del Curto natürlich nicht. Er mag alles, was den Gegner gross und stark macht. Er bestätigt: «Zug ist ein sehr, sehr starker Gegner. Die Zuger haben alles. Einen sehr guten Torhüter, sehr gute Verteidiger, vorne Sniper und sie spielen mit vier Linien.» Sniper sind im Hockey abschlussstarke Stürmer. Der Ausdruck kommt aus dem Englischen und bedeutet «Heckenschütze».

Lego Eishockey

So sieht es übrigens aus, wenn Lego-Männchen Eishockey spielen. bild: flickr.com

Wie ist es dann möglich, dass ein Team, das im «Lego-Vergleich» zweifelsfrei Verlierer ist, in einem Spiel ein 1:3 und in der Serie ein 0:2 aufzuholen vermag und weiterhin Chancen hat, das Finale zu erreichen?

Die unendliche Davoser Energie ...

Solche Comebacks in einzelnen Spielen und Serien gehören zwar seit Anbeginn der Zeiten (seit 1986) zu unseren Playoffs. Aber meistens ist es so, dass ein Titan sich endlich zusammenreisst und dann einen Aussenseiter doch noch überwindet. Beispiel: Lugano lag gegen Ambri 2006 in den Viertelfinals gegen Ambri 0:3 zurück, gewann die Serie doch noch und wurde unter Nothelfer Harold Kreis Meister. Auch die Zuger haben gegen die Lakers im Frühjahr 2007 ein 0:3 im Viertelfinale noch gewendet.

Es gibt einen ganz bestimmten Grund, warum Davos mit weniger Talent Zug doch in Bedrängnis bringt: Energie.

Andres Ambuehl von Davos, beim vierten Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem HC Davos und EV Zug, am Dienstag, 28. Maerz 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (PPR/Gian Ehrenzeller)

Er läuft und läuft und läuft: Andres Ambühl – das Symbolbild für die Davoser Duracell-Häschen. Bild: KEYSTONE

... und der Preis, den der HCD dafür zahlt

Die Davoser trainieren im Sommer intensiver, und härter als die Konkurrenz im Unterland. Deshalb laufen sie länger und oft schneller als ihre Gegenspieler («Duracell-Effekt»). Für diese höhere Belastung zahlen sie einen Preis: Der angesehene NHL-Scout Thomas Roost hat sich die Mühe genommen, die verletzungsbedingten Ausfälle aller NLA-Teams der letzten Jahre zu erfassen. Das Resultat ist eindeutig: Der HCD hat am meisten verletzungsbedingte Ausfälle («Man-Games Lost») aller NLA-Teams.

Playoffs werden gelegentlich als «Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln» charakterisiert. «Krieg auf dem Eis» wird inzwischen dank sehr guten Schiedsrichtern und entlarvenden TV-Bildern kaum mehr geführt. Auch deshalb erreichen die Partien immer wieder ein erstaunliches Niveau. Es wird ausserhalb der NHL nicht oft so hochklassiges, schnelles, spektakuläres Hockey geboten wie in der Serie zwischen Zug und Davos.

Davos und Zug: Ausserhalb der NHL sieht man selten so hochklassiges Eishockey. Bild: KEYSTONE

Aber nach wie vor spielen Leidensfähigkeit und eben grössere Energiereserven eine ganz andere Rolle als im Alltag der Qualifikation zwischen September und Februar. Das Klischee der kräftigen, robusten «Bergler», das einst von den 1920ern bis in die 1960er Jahre hinein die erdrückende Überlegenheit der Teams aus den Bergen (Arosa, Davos) erklärte, gilt dank Arno Del Curto im 21. Jahrhundert erneut.

Das ist das wichtigste Erfolgsgeheimnis

Der HCD ist auch die einzige Mannschaft unserer Hockey-Geschichte, die bis zum Titelgewinn über die Maximaldistanz von 21 Partien gehen musste und in jeder Serie Rückstände aufgeholt hat. Im Frühjahr 2009 geriet der HCD im Viertelfinale gegen Lugano, im Halbfinale gegen Fribourg und im Finale gegen Kloten in Rücklage – und triumphierte jeweils im 7. Spiel. «Marathon-Meister» Davos.

ZSC Lions Captain Mathias Seger spricht zu den Fans bei der Meisterfeier im Hallenstadion in Zuerich am Sonntag, 20. April 2014. Die ZSC Lions gewinnen die Schweizermeisterschaft nach  ihrem Sieg im vierte Playoff Eishockey Finalspiel der National League A gegen die Kloten Flyers am Samstag, 19. April 2014, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Exklusiv: Bisher unveröffentlichte Bilder des Sommertrainings im Unterland. Hier ein nicht genannter Captain eines grossen Teams. Bild: KEYSTONE

Es sind nicht «weiche» Faktoren wie das vielzitierte Momentum (das immer erst in Nachhinein als Erklärung dient, wenn wir wissen, wie es ausgegangen ist), Coaching-Voodoo, Glück, Pech und sonstige Unabwägbarkeiten eines unberechenbaren Spiels auf einer rutschigen Unterlage, die den HCD zu einer Mannschaft machen, die nie aufgibt und immer wieder aufsteht. Es ist die jahrelange harte Arbeit im Sommer. Sie ist das wichtigste Erfolgsgeheimnis.

Arno Del Curto spielt zwar diesen Faktor herunter und sagt: «Es stimmt: Früher haben wir im Sommer viel mehr gemacht als die anderen. Aber heute ist das nicht mehr der Fall.»

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Aber nach wie vor gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Sommertraining in Davos und im Unterland. Und deshalb sind die Sommertrainings in Davos besser. Im Zuge der Professionalisierung erlauben die Klubs im Unterland individuelles Sommertraining ohne permanente Überwachung. «Das gibt es bei uns nicht», sagt Arno Del Curto.

Vor Spielanpfiff wird der prominente Matchbesucher Arno Del Curto, Trainer vom HC Davos, von einem TV-Team interviewt, beim Fussball Schweizer Cup der 1. Hauptrunde zwischen dem FC Chur 97 und dem FC Neuchatel-Xamax vom Sonntag 18. September 2011 auf dem Sportplatz Ringstrasse in Chur.  (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Wir wissen nicht, ob Arno Del Curto sich jeweils so tarnt, wenn er seine Spieler im Sommer beobachtet. Aber möglich wär's. Bild: KEYSTONE

In Davos wird auch im Sommer unter Aufsicht gemeinsam trainiert (und Arno Del Curto ist nie weit). Zwar trainieren im Sommer einzelne Stars im Unterland unter Anleitung von persönlichen Fitness-Trainern – aber nur durch gemeinsames, beaufsichtigtes Sommertraining wird sichergestellt, dass alle die Energietanks gefüllt haben, wenn die Saison beginnt.

Das letzte Refugium für die wahre Romantik des Mannschaftssportes

Gemeinsames Training während des ganzen Jahres, im Frühjahr, im Sommer, im Herbst und im Winter, ist nur noch auf dem «Hockey-Planeten HCD» oben in den Bergen, nicht aber in den urbanen Zentren des Unterlandes möglich. Dort ist die «Individualisierung des Mannschaftssportes» weiter fortgeschritten. Im Hochtal von Davos hat die wahre Romantik des Mannschaftssportes ein letztes Refugium. Zu dieser Romantik gehören das gemeinsame Sommertraining, der grössere Zusammenhalt, die Energie und die Zuversicht, um immer wieder Rückstände gegen vermeintlich bessere Gegner aufzuholen – und die Wandlung von Perttu Lindgren.

Perttu Lindgren von Davos freut sich ueber seinen zweiten Penalty-Treffer gegen Zug, beim vierten Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem HC Davos und EV Zug, am Dienstag, 28. Maerz 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Perttu Lindgren: Einst war er ein Schillerfalter, heute spielt er ohne Spritze und trotz Hüftbeschwerden. Weil Arno Del Curto das so will. Bild: KEYSTONE

Der Finne kommt im Herbst 2013 nach Davos. Mit dem Ruf, ein Schillerfalter, zu weich zu sein. Nun spielte er bei der Wende in diesem Halbfinale die Schlüsselrolle. Er beisst sich mit einer schmerzhaften Hüftverletzung durch. Arno Del Curto sagt: «Er sollte eigentlich nicht spielen. Aber ich habe ihm gesagt, er solle sich durchbeissen – und er tut es für seine Mitspieler. Nach der Saison muss er sich einer Operation unterziehen.» Fitspritzen sei nicht nötig. «Medikamente gegen die Schmerzen genügen und während des Spiels spürt er die Schmerzen sowieso weniger. Aber nach dem Spiel kann er praktisch nicht mehr gehen.»

Auch solche Heldengeschichten gehören zur HCD-Romantik.

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8
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • manolo 30.03.2017 11:22
    Highlight Highlight Was du alles weisst lieber "klausi"!?
  • joe 30.03.2017 10:41
    Highlight Highlight Eigentlich mag ich AdC nicht sonderlich. Seine Art nervt mich immer. Aber ich bewundere sein Trainerarbeit und zolle ihm Respekt. Der presst sogar noch aus einem Stein Saft heraus...!
  • Gigi,Gigi 30.03.2017 10:26
    Highlight Highlight Wenns hart uf hart got, gwünnend eba dia harta! In dem Sinn: Hopp HCD, hyvä Pertuu!
  • worc81 30.03.2017 10:00
    Highlight Highlight so sieht es aus wenn die grossen LEGO® Eishockey spielen. ☺
    Benutzer Bild
    • Lan25d 30.03.2017 14:18
      Highlight Highlight Werfen Lego-Luganofans auch Legosteine auf das Eisfeld?
    • worc81 30.03.2017 15:28
      Highlight Highlight Es gibt keine Zebras auf dem LEGO®-Eisfeld.
      Es hat auch schon fliegende LEGO®-Steine im Stadion gegeben.
  • deed 30.03.2017 09:16
    Highlight Highlight Es sind nicht die Legosteine, die den Unterschied ausmachen. Sondern derjenige, der sie zusammensetzt. Und der heisst Arno del Curto, einer der besten Playoff Trainer der Welt.
  • Roaming212 30.03.2017 08:59
    Highlight Highlight Die Bildunterschriften sind der Hammer!

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