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Wer hat am Ende der nächsten Saison die Nase vorn – Biel oder der SC Bern? Keystone, shutterstock; montage: watson

Eismeister Zaugg

Das Undenkbare denken: Ist Biel gar besser als der SCB?

Mag sein, dass der «Berner Cup» nur schöne Saisonvorbereitungs-Folklore war. Aber es gibt Zeichen an der Wand, die wir als Zeitenwende für Biel und gegen den SCB deuten können.



Der SC Bern nicht die Nummer 1 im Bernbiet? Undenkbar. Inzwischen kann sich kaum mehr jemand erinnern, dass Biel in einer Meisterschaft besser war als der SCB. Es ist einfach zu lange her. Es war im Frühjahr 1988. Biel kam in der Qualifikation auf Rang 5, der SCB auf Platz 7. Damals spielten nur die ersten vier die Playoffs.

Inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen. Für die Berner im 21. Jahrhundert ist es undenkbar und unvorstellbar, dass die Bieler eine Qualifikation vor dem SCB beenden könnten.

Die Resultate am Berner Cup

Halbfinals:
Langenthal – SCL Tigers 0:6
SC Bern – Biel 2:3
Kleiner Final:
Langenthal – SC Bern 2:1 n.V.
Final:
SCL Tigers – Biel 3:2 n.V.

Letzte Saison betrug der Rückstand der Bieler (3.) auf den SCB (1.) in der Qualifikation noch 13 Punkte. Bis zum nächsten Frühjahr könnten die Bieler diesen Rückstand wettmachen. Wir sollten das Unvorstellbare zumindest denken.

Nehmen wir einmal an, ein Kanadier, der noch nie etwas über unser Hockey gehört hat, wäre zum Berner Cup nach Langenthal gereist. Mit dem Auftrag, das Potenzial für die kommende Saison einzuschätzen. Der SCB und Biel sind für ihn einfach zwei Hockeyteams. Er beobachtet die Spiele unbeeindruckt und unbeeinflusst durch Leistungen der Vergangenheit, Namen an der Bande und auf den Spielerleibchen. Es geht nur um Hockey und eine Momentaufnahme.

Es wäre zu recht interessanten Schlussfolgerungen gekommen. Die Niederlage erst gegen Biel (2:3 nach einer 2:0-Führung) und gegen das zweitklassige Langenthal (1:2 n.V.) wollen wenig heissen. Solche Resultate gehören zu Testpartien.

Berns Eric Blum verfolgt beim ersten Heimspiel nach seiner Verletzung einen Spielzug von der Bank aus im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Freitag, 13. Oktober 2017, in der PostFinance Arena in Bern.  (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Eric Blum erhält beim SCB bereits in der Vorbereitung schon wieder viel Verantwortung. Bild: KEYSTONE

Erstaunlicher ist schon die extreme Belastung für Oldies wie Andrew Ebbett (35) und Eric Blum (32) im zweiten Spiel gegen das zweitklassige Langenthal. Beide waren doch Ende der letzten Saison im Halbfinale gegen die ZSC Lions mit leeren Energietanks stehen geblieben. Und nun wird beiden schon wieder mehr als 20 Minuten Eiszeit zugemutet.

Und die «Hinterbänkler» wie Alain Berger und Colin Gerber kommen nicht einmal auf zehn Minuten. Beeindruckt dürfte ein neutraler Beobachter auch von Langenthals Torhüter Marco Mathys (Fangquote 97,14 Prozent) gewesen sein. Warum hat eigentlich vor zehn Jahren in Davos oben niemand sein Talent erkannt? Aber das wäre wiederum ein anderes Thema.

Item, SCB-Cheftrainer Kari Jalonen vertraut also auf die Alten. Er hat in den Partien gegen Biel und Langenthal Leonardo Genoni eingesetzt und den Jungen nicht einmal gegen Langenthal über den Weg getraut.

Das eher schematische SCB-Spiel kontrastiert bei diesem Vorsaisonturnier mit dem Lauf- und Tempospiel der jüngeren, leichteren und kleineren Bieler. Biel spielt moderner, schneller, unberechenbarer als der SCB. Der neutrale Beobachter aus Kanada denkt sich: die dynamischen Bieler werden in der Qualifikation besser sein als die konservativen Stadtberner.

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Damien Brunner, Damien Riat und Michael Hügli. Der EHC Biel hat seine Offensive aufgerüstet. Bild: keystone

Biel zelebriert das modernste, dynamischste Hockey der drei bernischen NLA-Teams und müsste eigentlich in der kommenden Qualifikation am weitesten kommen. Der SCB ist noch immer taktisch schlau und mächtig. Aber wie weit tragen die Füsse die jetzt schon am stärksten von allen belasteten Veteranen in einer langen Saison inklusive Zusatzbelastung Champions League?

Und was sagt er zu den SCL Tigers? Immerhin der Turniersieger. Der richtige Turniersieger. Denn als Sieges-Wanderpreis gibt es eine grosse Treichel. Also dieses Lärminstrument, das den Kühen um den Hals gebunden wird. Eine Treichel gehört in den Tigersaal des Emmentaler Hockeytempels. In Bern oder Biel hätte man die Treichel wahrscheinlich im nächsten Frühjahr sowieso als Werbegeschenk in den Gabentempel des seeländischen bzw. mittelländischen Schwingfestes gestellt.

Plaffeien, 21. Juni 2015, Schwingen - Schwarzsee - Schwinget. Gabentempel/Treichel  (Rolf Eicher/EQ Images)

Treicheln gibt es auch im Schwingen zu gewinnen. Bild: Rolf Eicher

Und sportlich? Die Langnauer besiegen im Finale Biel nach 0:2-Rückstand schliesslich in der Verlängerung 3:2. Sie sind gut organisiert, erstaunlich flink und offensiv frech. Und Leitwolf Chris DiDomenico hat mit dem Siegestreffer in der Verlängerung schon mal ein Ausrufezeichen gesetzt. Die Bieler sind allerdings wie gegen den SCB erneut ohne ihre Titanen Beat Forster, Damien Riat und Damien Brunner und diesmal mit Ersatzgoalie Elien Paupe angetreten. Aber zweifelsfrei sind die Emmentaler besser vorbereitet als vor einem Jahr.

Der neutrale Besucher aus Kanada prognostiziert für die kommende Qualifikation eine Neuordnung der bernischen Hierarchie. Biel vor Bern und Langnau gut genug für die Playoffs.

Der heimische Chronist mag noch nicht daran glauben und denkt: Bern bleibt ein Titan, Biel ist noch kein Titan und Langnau mag die Treichel als Siegestrophäe gewonnen haben. Aber noch lange nicht einen Playoff-Platz. Weisheiten im August sind oft genug die Torheiten im März.

Ist Biel nächste Saison besser als der SCB?

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Video: watson/Angelina Graf

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