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Die grosse Saisonvorschau des Eismeisters – heute: Davos, Fribourg und Langnau

Drei hoffnungsvolle Aussenseiter mit dem Potenzial zum Überraschungsteam. Aber keiner aus dem Trio Davos, Gottéron und Langnau hat eine «Playoff-Garantie». Eines dieser drei Teams wird mit grosser Wahrscheinlichkeit die Playoffs verpassen.



HC Davos: Ein «Hockey-General» verliert die Nerven

Nach einem weiteren, dramatischen «Talent Drain» drohte dem HC Davos das Verpassen der Playoffs. Gut, hat Arno Del Curto rechtzeitig die Nerven verloren.

Eine Episode aus der TV-Serie Star Trek, Deep Space Nine, hilft uns zu verstehen, was in Davos passiert ist. Es ist ein Gespräch zwischen Julian Bashir und Dr. Elim Garak.

Julian Bashir: «Haben Sie je die Geschichte von dem Jungen gehört, der immer rief: Die Wölfe kommen?»

Elim Garak: «Nein.»

Bashir: «Es ist eine Kindergeschichte. Sie handelt von einem jungen Schafhirten, der sich einsam fühlt. Also ruft er den Dorfbewohnern zu: ‹Die Wölfe kommen!› Die Bewohner kommen angerannt. Aber nicht ein einziger Wolf ist zu sehen. Er sagt, die Wölfe seien weggelaufen und er wird für seine Wachsamkeit gelobt und geehrt.»

Garak: «Ein kluger Junge und eine sehr nette Geschichte.»

Bashir: «Sie geht aber weiter. Der Junge macht es immer und immer wieder. Und auf einmal kommen die Wölfe wirklich. Der Junge schreit, aber die Dorfbewohner ignorieren ihn. Die Wölfe lassen vom Jungen und der Herde nichts mehr übrig.»

Garak: «Das ist aber keine schöne Kindergeschichte.»

Und was hat das alles mit Arno Del Curto und einem HCD zu tun? Nun, auch der «ewige» HCD-Trainer», seit 1996 im Amt, hat Jahr für Jahr nach dem Wolf gerufen wie der junge Schafhirte. Er hat vor jeder Saison, selbst dann, wenn er Titelverteidiger war, eindringlich vor der Gefahr gewarnt, die Playoffs zu verpassen. Er hat die Playoffs natürlich nie verpasst. Weil er immer so gute Teams oder Torhüter hatte, dass er die Playoffs einfach nicht verpassen konnte. Und weil es nie passierte, ist er jedes Jahr fürs Erreichen der Playoffs gerühmt worden.

Im Laufe der Jahre ist Arno Del Curtos Tiefstapelei Kult geworden. Niemand hat ihn mehr ernst genommen. In Davos oben und auch im Flachland unten ist es längst selbstverständlich, dass der HCD die Playoffs erreicht. Mögen Lugano, Zug. der SCB, die ZSC Lions, Servette, Lausanne oder Gottéron die Playoffs verpassen – wir in Davos haben diese Sorgen nicht.

Und nun ist, um wieder auf unsere Geschichte zurückzukommen, der Wolf doch da. Nach einer weiteren dramatischen Serie von Abgängen ist Arno Del Curto im Sommer 2018 zum ersten Mal klar geworden, dass die Torhüter und die Mannschaft tatsächlich so schwach sind, dass er die Playoffs verpassen könnte.

Goalie Gilles Senn, links, und Joren Van Pottelberghe von Davos, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem HC Fribourg-Gotteron, am Samstag, 30. September 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Gilles Senn und Joren van Pottelberghe: Beim HCD setzt man nicht mehr auf sie. Bild: KEYSTONE

Und so hat der «Hockey-General» (er ist beim HCD Sportchef und Trainer) in diesem Sommer nicht nur zum 23. Mal eindringlich vor dem Verpassen der Playoffs gewarnt. Er hat angesichts der neuen Situation die Nerven verloren und er hat Glück. Anders als die Dorfbewohner, die den Jungen im Stich gelassen haben, ist Präsident Gaudenz Domenig herbeigeeilt, hat den Notruf seines Trainers erhört und ihm kurz vor dem Saisonstart einen ausländischen Torhüter finanziert. Vergessen sind alle guten Vorsätze, alle Sparpläne und das Jammern über knappe Finanzen.

Die Nerven tatsächlich verloren? Ja, so ist es. Jahrelang hat der HCD-Trainer das Hohelied der Ausbildung gesungen – und gelebt. Da er stets sicher war, die Playoffs zu erreichen, hat er immer wieder jungen Spielern, auch jungen Torhütern, eine Chance gegeben: Jonas Hiller, Leonardo Genoni und Reto Berra kamen als «Nobodys» nach Davos und sind nur grosse Torhüter geworden, weil Arno Del Curto auf sie gesetzt hat. Und zuletzt erreichte er auch mit Gilles Senn und Joren van Pottelberghe zweimal die Playoffs und einmal sogar das Halbfinale.

Aber eben: Nun fabuliert Arno Del Curto nach weiteren Abgängen – Mauro Jörg, Simon Kindschi, Noah Schneeberger, Dario Simion, Grégory Sciaroni und Samuel Walser – nicht mehr vom Verpassen der Playoffs. Er rechnet erstmals tatsächlich damit. Also muss ein ausländischer Torhüter helfen. Subito.

Ist die Panik des Trainers berechtigt? Hätte der HCD mit Gilles Senn und Jorgen van Pottelberghe die Playoffs verpasst? Ja, die Gefahr bestand. Aber Anders Lindbäck im Tor ist diese Gefahr gebannt. Mit dem NHL-Torhüter als Absicherung kann die junge Mannschaft sogar in die obere Tabellenhälfte stürmen.

Gilles Senn (22) und Joren van Pottelberghe (21), beide von den Talentsuchern gewogen und für die NHL als gut genug befunden (beide sind gedraftet worden) wissen nun: Für die NHL wird es vielleicht reichen, für die höchste Liga in der Schweiz hingegen nicht. Arno Del Curto traut keinem der beiden zu, der nächste Jonas Hiller, Leonardo Genoni oder Reto Berra zu werden.

Das Niveau bei uns ist halt hoch.

Die wichtigste Frage: Erreicht Arno Del Curto noch alle Spieler?

Nein. Die Zeiten und die Spieler haben sich geändert. Als Arno Del Curto 1996 den HCD übernommen hat, war das Festnetz-Telefon noch gang und gäbe. Die heutige Spielergeneration kennt hingegen nur noch das Smartphone. Arno Del Curto vertritt «ewige Hockeywerte».

Trainer Arno Del Curto gibt Anweisungen, aufgenommen im Training des HC Davos, am Montag, 17. September 2018, in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Erreicht Arno Del Curto seine Spieler noch? Bild: KEYSTONE

So gesehen ist seine Verwurzelung in der «Festnetztelefon-Zeit» kein Problem. Aber die Art und Weise, wie heute Wissen vermittelt wird, ist eine andere geworden. Die Aufmerksamkeitsspanne eines Spielers ist von 30 auf 3 Minuten geschrumpft. Die neue Spielergeneration ist hoch motiviert und leistungsbereit. Aber sie hat weniger Sinn für hochalpine «Hockeyromantik» und akzeptiert die Autorität des Chefs nicht mehr so vorbehaltlos wie im letzten Jahrhundert.

Die besten Talente ziehen nicht mehr hinauf in die Berge, um bei Arno die Weisheit des Hockeys zu empfangen wie die Weisen dieser Welt beim Dalai Lama. Sie verlassen Davos, fliegen nach Amerika oder werden so gut bezahlt, dass sie im Flachland bleiben.

Der «ewige» HCD-Trainer ist inzwischen 62 und mir scheint er ist noch strenger und grantiger geworden. Er zeigt keine Tendenz zur Altersmilde. Je besser er es versteht, seine unerbittliche Kompromisslosigkeit mit ein wenig «Altersmilde» aufzulockern, desto eher gelingt es ihm wieder, die Talente aus dem Unterland nach Davos zu locken oder zum Bleiben zu bewegen. Und desto besser gelingt es ihm, in der Kabine wieder alle seine Spieler zu erreichen. Zurzeit ist das nicht der Fall.

Die Eismeister-Prognose:

Mit dem Rückhalt eines NHL-Torhüters kann die jüngste Mannschaft der Liga (24 Jahre) in die obere Tabellenhälfte stürmen. Und wenn die Saison erst einmal begonnen hat, wird sich auch Arno Del Curtos «Playoff-Verpass-Panik» legen. Für eine sichere Playoff-Qualifikation reicht es allerdings nur, wenn die offensiven Leitwölfe (Andres Ambühl, Enzo Corvi, Dino und Marc Wieser) vom Verletzungspech verschont bleiben. Der HCD kann nur in die Playoffs stürmen. Für taktische Schachspiele ist er defensiv nicht gut genug. Was wiederum bedeutet, dass uns der HCD mit Spektakel-Hockey erfreuen wird.

HC Fribourg-Gottéron: Das Fundament für eine grosse Zeit – aber keine Playoff-Garantie

Gottéron hat nun vier Jahre lang die Mannschaft renoviert. Die Umbauarbeiten sind soweit fortgeschritten, dass die Playoff-Qualifikation nicht mehr in Gefahr ist.

Die fetten Jahre unter Hans Kossmann (2011-2014, Final 2013) sind längst Geschichte. Seither sind die Playoffs zweimal verpasst worden (2015 und 2017). Diese Krise ist überwunden.

Sportchef Christian Dubé hat die Mannschaft renoviert und mit Mark French den richtigen Trainer gefunden. Der Kanadier führte die Mannschaft letzte Saison gleich auf den 5. Platz und arbeitete so gut, dass sein Vertrag vorzeitig bis 2021 verlängert worden ist.

Gotteron Sportchef Christian Dube und Cheftrainer Mark French, von rechts,  praesentieren die Bilanz der HC-Gotteron Eishockey AG der vergangenen Saison, am Donnerstag, 13. September 2018, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Fribourgs Smartes Duo: Mark French und Christian Dubé.  Bild: KEYSTONE

Der smarte, einfühlsame Mark French mit einem Universitätsabschluss in Psychologie kann zwar auch toben. Aber er mahnt in seinem Wesen und Wirken viel mehr an Ralph Krueger als an Chris McSorley oder Doug Shedden. Ein smarter, freundlicher, kompetenter, sachlicher, kommunikativer Analytiker mit einem feinen Gespür fürs Innenleben seiner Spieler – und fürs Innenleben seines Sportchefs. Sonst wäre es ihm nicht gelungen, diese im Grunde wahnwitzige Vertragsverlängerung zu bekommen.

Dieser – an Gottéron-Verhältnissen gemessen – «ewige» Vertrag ist nur möglich, weil der schlaue Christian Dubé inzwischen der stärkste Sportchef in Gottérons Geschichte geworden ist. Präsident Michel Volet und Generaldirektor Raphael Berger sind keine charismatischen Führungspersönlichkeiten. So kommt es, dass Christian Dubé als «Monsieur Gottéron» wahrgenommen wird und eine Vertragsverlängerung bis 2023 bekommen hat.

Der Kanadier kann Gottéron als Bürogeneral durchaus zum ersten Titel führen. Mit den Transfers der letzten zwei Jahre hat er das Fundament für eine neun grossen Ära gelegt. Aber erst das Fundament. Das meisterliche Haus ist nicht gebaut.

Item, Mark French ist es gelungen, in seiner ersten Saison das zuweilen wilde, unberechenbare Gottéron emotional zu stabilisieren. Die Mannschaft, die Vorjahr unter Larry Huras noch ins Playout gerutscht war, qualifizierte sich im Frühjahr 2018 ohne Krise für die Playoffs.

Die erste Saison unter Mark French war also vielversprechend. Nun kommen Reto Berra, Samuel Walser, Philippe Furrer, Noah Schneeberger und Lukas Lhotak. Fünf Nationalspieler. Ist Gottéron gar ein Kandidat für die ersten vier Plätze? Nein. Noch fehlt die Kadertiefe eines Spitzenteams.

Julien Sprunger, gauche, et Andrei Bykov, droite, les joueurs du HC Fribourg-Gotteron, ecoutent le coach pendant un entrainement lors de la traditionnelle conference de presse d'avant saison du HC Fribourg-Gotteron ce lundi 3 aout 2015 a Fribourg. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Wie lange spielen Sprunger und Bykov noch? Bild: KEYSTONE

Soll das Jahr des Drachens nach dem Chinesischen Kalender 2024 den Titel bringen, hat Sportchef Christian Dubé noch viel zu transferieren – bis dahin muss er nämlich auch Andrej Bykow und Julien Sprunger ersetzen.

Die wichtigste Frage: Ist Reto Berra ein grosser Torhüter?

Nein, nicht mehr. Das Glück von Gottéron hängt an Reto Berra. Sein Transfer ist der wichtigste der Neuzeit. Er kann Gottéron stabilisieren und mit ein bisschen Glück in den nächsten Jahren ins Finale hexen sein Vertrag läuft bis 2020 mit einer Option auf zwei weitere Jahre.

Reto Berra, neuer Torhueter des HC Fribourg-Gotteron, spricht an einer Medienkonferenz in Fribourg, am Freitag, 28. April 2017. (KEYSTONE/Thomas Hodel)

Wie stark ist Reto Berra? Bild: KEYSTONE

Reto Berra tritt den Dienst mit einjähriger Verspätung an. Im Sommer 2017 hatte er die Ausstiegsklausel für die NHL im letzten Moment genutzt und die letzte Saison in Kalifornien verbracht. Meistens im Farmteam in San Diego (5 NHL-Einsätze mit Anaheim).

Mit Wilhelm Busch können wir sagen: Vier Jahre lang war Gottéron an der Torhüterseele krank, jetzt kommt der Berra, Gott sei Dank. Aber eben: Ist er ein grosser Torhüter? Also einer, der eine Mannschaft, ein Sportunternehmen besser macht und auf eine höhere Stufe des Ruhmes führen kann?

Auf den ersten Blick lautet die Antwort «Ja». er war 2009 zusammen mit Leonardo Genoni Meister mit Davos und 2012 in Biel der wertvollste Spieler der ganzen Liga und 2013 WM-Silberheld (kein Gegentor im Halbfinale gegen die USA).

Aber auf den zweiten Blick lautet die Antwort «Nein, nicht mehr». In den letzten fünf Jahren hat er in Nordamerika nie mehr konstant auf hohem Niveau beim gleichen Team gespielt, nie mehr als 40 Partien bestritten und keinen einzigen Playoff-Match absolviert. Er war in der NHL meist «nur» zweite Wahl. Bei der zweiten Silber-WM verlor er im letzten Frühjahr die Position der Nummer eins in der zweiten Turnierhälfte an Leonardo Genoni.

Reto Berra hat alles, um seine Karriere bei Gottéron zu krönen und wieder ein grosser Torhüter zu werden. Gottéron ist darauf angewiesen, dass er ein grosser Torhüter wird. Eine Nummer 2, um den teuersten Goalie der Klubgeschichte zu entlasten, hat Gottéron nämlich nicht.

Die Eismeister-Prognose:

Gottéron ist nominell ganz klar besser als alle anderen Teams, die um die letzten Playoffplätze spielen (Davos, Langnau, Ambri, Lakers, Servette). Wenn der Puck Gottérons Weg geht und Reto Berra spielt wie ein grosser Torhüter, dann ist gar eine Verbesserung der letztjährigen Klassierung (5. Platz) möglich. Aber eine «Playoff-Garantie» gibt es nicht.

SCL Tigers: Leben und hoffen im taktischen Kartenhaus

Die Langnauer haben ein taktisches Kartenhaus gebaut. Bleibt es stehen, sind die Playoffs möglich. Wenn sie Trainer Heinz Ehlers entlassen, fällt alles in sich zusammen.

Bei der Komposition der Mannschaft arbeiten der Sportchef und der Trainer eng zusammen. Logisch. Aber es ist eine Gratwanderung. Je mehr Einfluss der Trainer bekommt, desto stärker wird die Mannschaft auf seine taktischen Vorstellungen ausgerichtet sein. Auch logisch.

Tigers Head Coach Heinz Ehlers gibt Anweisungen im dritten Eishockey Spiel der Platzierungsrunde der National League zwischen den SCL Tigers und dem HC Ambri-Piotta, am Samstag, 17. Maerz 2018, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Heinz Ehlers sagt in Langnau, wo es durchgeht. Bild: KEYSTONE

Keine andere Mannschaft ist so sehr nach dem Willen des Trainers zusammengestellt wie Langnau. Heinz Ehlers hat die ans Wundersame mahnende Fähigkeit, aus einem Minimum an Talent durch Taktik ein Maximum herauszuholen. So spart er seinem Arbeitgeber viel Geld: Die Langnauer verzichten auf teure «Königstransfers» und Investitionen in die Mannschaft. Weil es, wenn Heinz Ehlers an der Bande steht, nicht notwendig ist, viel Geld auszugeben.

Heinz Ehlers Fähigkeit, aus wenig viel zu machen, mahnt an die «Speisung der 5000» aus dem Buch der Bücher. Es handelt sich dabei um die wundersame Brotvermehrung durch Jesus Christus, die es möglich machte, aus ein paar wenigen Broten und Fischen mehrere tausend Menschen zu verköstigen. Es sollen damals am See Genezareth rund 5000 gewesen sein. Und in Langnau kommen ja auch meistens um die 5000 Männer, Frauen und Kinder zu den Vorführungen der Tiger.

Die Mannschaft ist nur auf den Ausländerpositionen talentierter und offensiv unberechenbarer geworden. Die paar neuen Schweizer Spieler sind durchwegs taktische Meldeläufer und kein Schweizer Stürmer hätte bei einem Spitzenteam einen Platz in den zwei ersten Blöcken. Alexei Dostoinov ist der einzige, der in den letzten zwei Jahren in der Qualifikation mehr als 20 Punkte produziert hat.

Langnaus Alexei Dostoinov, rechts, jubelt ueber das Tor zum 2-0, Luganos Raffaele Sannitz, links, geschlagen, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem HC Lugano, am Freutag, 12. Januar 2018, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Alexei Dostoinov: Der einzige Schweizer, der bei Langnau regelmässig produziert. Bild: KEYSTONE

Bei diesem geringen Offensivpotenzial sind die Torhüter noch wichtiger. Die Langnauer haben mit Ivars Punnenovs und Damiano Ciaccio als einziges Team der unteren Tabellenhälfte zwei Torhüter, die fähig sind, Siege zu «stehlen». Die vorzeitige Vertragsverlängerung ohne NHL-Ausstiegsklausel mit Ivars Punnenovs erspart Langnau bis 2021 alle Torhütersorgen.

Langnau fehlt es vorne, nicht hinten. Die ganze Offensivproduktion obliegt dem ausländischen Personal. Und so kommt es, dass eine Mannschaft mit einer sorgfältigen defensiven Ausrichtung gleich fünf ausländische Stürmer unter Vertrag hat So ist sichergestellt, dass unter normalen Umständen in jeder Partie vier eingesetzt werden können.

Nur der grosse taktische Schachspieler Heinz Ehlers (er beginnt seine zweite ganze Saison) kann mit diesem Personal die Playoffs erreichen. Müsste er ausgewechselt werden, würde in Langnau taktisch nicht mehr taktisches Eis-Schach, sondern höchstens noch ein bisschen Mühle gespielt und der Ligaerhalt würde in Gefahr geraten. Die Langnauer leben mit ihrem Trainer in einem taktischen Kartenhaus. Mögen die Hockeygötter also die SCL Tigers vor einer Krise mit Trainerdiskussionen bewahren.

Die wichtigste Frage: Kann Chris DiDomenico auf der Tribüne sitzen?

Nein. Trainer Heinz Ehlers ist in einer komfortablen und heiklen Lage zugleich. Er hat fünf ausländische Stürmer zur Verfügung. Komfortabel, weil er davon ausgehen kann, in jeder Partie vier einsetzen zu können. Was für ein Team der hinteren Tabellenhälfte von entscheidender Bedeutung sein kann. Heikel, weil er jedes Mal einen aus dem Quintett Harri Pesonen, Eero Elo, Mikael Johansson, Chris DiDomenico und Aaron Gagnon auf die Tribune setzen muss.

ARCHIVBILD ZUM ABGANG VON CHRIS DI DOMENICO BEI DEN SLC TIGERS ---- Tigers Chris DiDomenico waehrend dem Eishockey National League A Spiel zwischen den SCL Tigers und dem Lausanne HC, am Dienstag, 20. September 2016, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Chris DiDomenico – Langnaus Erfolg steht und fällt mit ihm. Bild: KEYSTONE

Er kann jeden zwischendurch zuschauen lassen. Nur einen nicht. Chris DiDomenico. Nie mehr seit den fernen Zeiten von Todd Elik steht in Langnau ein ausländischer Arbeitnehmer so sehr im Mittelpunkt wie Chris die Domenico. Er personifiziert die Hoffnungen auf die nächsten Playoffs. Dass erneut über 4000 Saisontickets verkauft worden sind, verdanken die Langnauer auch der Rückkehr ihres verlorenen Sohnes. Aber eben: einer mit dem Temperament von Chris DiDomenico kann eine Verbannung auf die Tribune gar nicht akzeptieren. Sonst würde er sich selbst untreu. Er ist ein «Alpha-Tier». Ein Leitwolf. Gerade deshalb haben ihn die Langnauer ja zurückgeholt.  

Aber bei Heinz Ehlers ist die Mannschaft, ist das Kollektiv immer grösser als der Einzelspieler. Das ist sein Erfolgsrezept. Und so lautet die Frage, die Langnaus Trainer in den nächsten Monaten umtreiben wird: Ist Chris DiDomenico ein so grosser Spieler, dass er grösser sein darf als das «System Ehlers»? Oder etwas polemischer: Was tun mit einem Spieler, der grösser ist als der Trainer? Findet Heinz Ehlers auf solche Fragen keine Antwort, kostet es ihn den Job – und Langnau zittert nicht um die Playoffs. Sondern um den Ligaerhalt.

Die Eismeister-Prognose:

Langnau hat im Herbst 2017 die fünf ersten Partien verloren. Am Ende fehlten dann doch nur vier Punkte für die Playoffs. Die Playoffchancen sind bereits im Herbst 2017 ruiniert worden. Alles hängst nun von einem guten Saisonstart ab. Zum Saisonauftakt kommen die Rapperswil-Jona Lakers nach Langnau. Die erste Partie ist also gleich wegweisend. Die Langnauer können mit Geduld und kluger Spielorganisation jeden Gegner im Schach halten und mit einem «Fussballresultat» besiegen. Ihre Partien eignen sich gut für Spezialwetten – etwa nicht mehr als sechs Tore in einem Spiel. Wenn Chris DiDomenico nicht «durchdreht», dann schaffen die SCL Tigers die Playoffs. Sage mir, wie es «Jesus Chris» geht und ich sage Dir, wie es um die Langnauer steht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • CaptainObvious 19.09.2018 13:14
    Highlight Highlight Davos hat Klaus gut zusammen gefasst - deutlich nüchterner und weniger Gotthelf-ig als gewöhnlich.

    Bei Freiburgs PlayOff-Chancen bin ich mir hingegen nicht sicher was Klaus schreiben wollte - „keine Garantie“ vs. „Nicht in Gefahr“ 🤔

    Die Analyse zu Langnau war ebenfalls erstaunlich angenehm zu lesen und schlüssig dargelegt.

    Meiner Meinung nach werden Davos und Fribourg die PlayOffs erreichen.
    Bei Langnau wird’s sehr eng - letzte Saison wurde es knapp trotz schlechtem Saison-Start. Tendenziell reicht’s aber nicht.
  • Gondeli 19.09.2018 12:21
    Highlight Highlight Die Tiger haben letzte Saison ziemlich viele Spiele mit nur einem Tor Unterschied verloren. Mit DiDo und offensiverem ausländischen Personal wird der Punktestand locker für die Plee-Offs reichen! Und, sobald grün, wird der Tiger richtig fest zubeissen!

    Ho-Ho-Hopp Langnou!
    • JtotheP 19.09.2018 12:37
      Highlight Highlight lol
    • Kane88 19.09.2018 12:53
      Highlight Highlight Jaja Gondeli, und jährlich grüsst das Murmeltier.... eh die Playouts. 😆
  • hcb78 19.09.2018 11:22
    Highlight Highlight "Eine Episode aus der TV-Serie Star Trek, Deep Space Nine, hilft uns zu verstehen, was in Davos passiert ist. Es ist ein Gespräch zwischen Julian Bashir und Dr. Elim Garak"

    Nerdalarm: Dr. Julian Bashir und nicht Dr. Elim Garak.

    Garak ist "nur" Schneider. und jeder der behauptet, er sei Mitglied des Obsidianischen Ordens gewesen, lügt! ;-)
  • Pat the Rat (der Echte) 19.09.2018 11:11
    Highlight Highlight Ähm sorry... Ich will ja nicht nörgeln, aber:

    Der Übernahme «Jesus Chris» ist doch wohl seit Jahren für Chris Mc Sorley reserviert...!
  • Schneupi 18.09.2018 23:00
    Highlight Highlight Fribourg hat ein gutes Kader! Leider sind die Ausländerpositionen schwach! Holos ist nicht stabil, slater hat oft ausetzer, birner ist ohne cervenka kein top spieler.... nur miller kenn ich noch nicht... abgäbge von glauser rathgeb kienzle und cervenka sind schmerzhaft... + noch 1-2 gute ausländer, dann hätte man von einem starken Kader reden können...
    • Eifach öpis 19.09.2018 03:32
      Highlight Highlight Klar schmerzen die Abgänge, aber auf der Torhüterposition und in der Defensive ist das Team trotzdem klar besser geworden. Offensiv bin ich such nicht ganz überzeugt. Birner ist solide und macht wenige Fehler, aber mehr auch nicht. Slater wäre als Ausländer Nr. 5 perfekt. Miller kenn ich noch nicht gut grnug... und holos hätte wohl nach der Verpflichtung von Furrer gehen müssen, wenn er nicht noch einen laufenden Vertrag hätte.
      Wenn Dube es allerdings schaft, während der Saison einen guten Offensivverteidiger/Blueliner zu holen könnte es aufgehen.
  • Mia_san_mia 18.09.2018 21:17
    Highlight Highlight Langnau und Playoffs 😂
    • StB 19.09.2018 07:01
      Highlight Highlight Uhh um das zu schreiben hast du dich sicher denn ganzen Sommer über gefreut.
    • Mia_san_mia 19.09.2018 08:32
      Highlight Highlight @StB: Oh ja :-)
    • Martin68 19.09.2018 08:46
      Highlight Highlight Was soll man auch anderes schreiben, wenn als Nickname den Slogan einer ausländischen Fussballmannschaft benutzt und dann im Eishockey mitreden will....?
    Weitere Antworten anzeigen
  • pluginbaby 18.09.2018 19:15
    Highlight Highlight Ein Team, abhängig von Schwalbensusi DiDo. Und der soll dann auch noch Verantwortlich sein diese in die Playoffs zu schiessen.

    Notabene das erst 2. Mal seit Einführung der Playoffs.

    Ähä
    • LebeauFortier 18.09.2018 20:26
      Highlight Highlight Symapthischer Nickname!
  • Danyboy 18.09.2018 19:10
    Highlight Highlight Ääähm, komisch zusammengeschnipselter Text... Hats da nicht Passagen drin die gar nicht rein gehören??? Ganz im Ernst gefragt...🤔
    • Danyboy 18.09.2018 21:31
      Highlight Highlight Aha, es wurde korrigiert😅
  • 00892-B 18.09.2018 18:45
    Highlight Highlight "HC Fribourg-Gottéron: Das Fundament für eine grosse Zeit – aber keine Playoff-Garantie"

    "[...] Die Umbauarbeiten sind soweit fortgeschritten, dass die Playoff-Qualifikation nicht mehr in Gefahr ist."

    Was denn nun?🤔
    • dizzy 18.09.2018 21:31
      Highlight Highlight wer die artikel von klaus liest ist selber schuld😛😛

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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