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Tigers's player Harri Pesonen celebrates with his teammates the 0-2 goal, during the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between HC Lugano and SCL Tigers, in Lugano, on Friday, October 5, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Auswärts tanzen sie: die SCL Tigers beim Sieg in Lugano. Bild: TI-PRESS

Zu viele Langnauer taugen im grossen Hockey-Schach höchstens zum Bauer

Auswärts grandios, daheim bieder – die SCL Tigers spielen grosses Hockey-Schach mit Mühlesteinen. Das System ist grösser als der Einzelspieler, sogar grösser als Chris DiDomenico.



Heute Freitag spielen die SCL Tigers auswärts beim Schlusslicht in Rapperswil-Jona. Morgen Abend steht zuhause das Derby gegen Bern an.

Taktisch gibt es (fast) keinen Unterschied zwischen Langnau und dem grossen SC Bern. Heinz Ehlers und Kari Jalonen sind beide Grossmeister des taktischen Schachspiels auf dem Eis. Stark vereinfacht erklärt: Beide setzen auf Spielkontrolle. Oder noch einfacher: Wenn das Spiel gegen das eigene Tor läuft, dann haben sie durch geschickte Organisation in allen Situationen mehr Spieler zwischen dem Puck und dem eigenen Goalie als der Gegner.

Langnaus Trainer Heinz Ehlers im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und den SCL Tigers, am Dienstag, 25. September 2018, im Zuercher Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Tigers-Coach Ehlers und seine «Bauern». Bild: KEYSTONE

Partien der SCL Tigers und der Berner begeistern daher jeden Coach. So viel System! So viel Ordnung! So viel taktische Disziplin! So wenig Freiräume für den Gegner! Coaches streben auf und neben dem Eis seit allen Zeiten nach Kontrolle. Keine einfache Sache bei einem so unberechenbaren Spiel auf glatter Unterlage. Mehr Spielkontrolle als in Bern und Langnau ist praktisch nicht mehr möglich.

Jalonen hat alle Figuren

Warum ist der SCB bei gleicher Taktik erfolgreicher? Ganz einfach: Den Unterschied machen die unterschiedlichen Figuren auf dem grossen, rutschigen Hockey-Schachbrett.

Langnau beherrscht zwar die Kunst, mit Mühlesteinen (also mit wenig Talent) Hockeyschach zu spielen. Aber zu viele taugen im grossen Hockey-Schach höchstens zum Bauer. Weil sie zu wenig talentiert sind. Kari Jalonen hat hingegen die Spieler für die verschiedensten Rollen im grossen Hockey-Schach: Bauer, Springer, Läufer, Turm, Dame oder König.

epaselect epa06920445 A woman has a pawn tattooed on her ankle as she attends the 51st Biel International Chess Festival, in the Congress Center in Biel, Switzerland, 31 July 2018. The chess festival that started on 21 July runs until 01 August 2018 with a variety of tournaments such as Master tournaments or Rapid-, Flash- or Simultaneous tournaments.  EPA/PATRICK HUERLIMANN

Für sie ist der Bauer der König. Bild: EPA/KEYSTONE

Auf dem Eis ist Langnau als Aussenseiter auf fremdem Eis dazu in der Lage, mit seinen Bauern in jeder Partie das Spiel des spielerisch besseren Gegners zu blockieren und offene Räume für Gegenstösse zu nützen. Aber wenn der Gegner ins Emmental kommt, sich in die Aussenseiter-Rolle begibt, sorgsam alle Räume schliesst, dann fehlen die verschiedenen Schachfiguren, die Läufer, Springer, die Türme, die Dame und der König, um den Gegner auszuspielen und schachmatt zu setzen.

Zu Hause muss mehr kommen

Die Bauern werden zwar oft als «die Seele des Schachspiels» bezeichnet. Aber der Bauer ist die schwächste Figur im Schachspiel. Mit Bauern lässt sich gegen einen gut organisierten Gegner weder eine echte Schachpartie noch ein Hockey-Schachspiel gewinnen.

Also gelingen auswärts gegen anstürmende, auf dem Papier bessere Gegner die Sensationssiege (4:1 in Zürich, 4:1 in Lugano, 7:0 in Davos). Aber zu Hause reicht es nicht, um gleichwertige Teams zu knacken, die aufmerksam und diszipliniert defensiv spielen (0:2 gegen Ambri, 0:2 gegen Gottéron, 3:5 gegen Biel).

Tigers Raphael Kuonen, oben, kaempft um den Puck, gegen Ambris Isacco Dotti, unten, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Ambri-Piotta Lakers, am Freitag 28. September 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

In Ambri gerieten Kuonen (oben) und seine Kollegen ins Straucheln. Bild: KEYSTONE

Wollen die Langnauer am Wochenende auf eigenem Eis den grossen SC Bern bodigen, müssen schon ein paar Bauern spielen wie Läufer, Springer, Türme, die Dame oder der König.

Einer wie DiDomenico müsste her! Wie, der ist schon da?!

Die Frage stellt sich nur, wer dazu in der Lage ist. Wäre es nicht gelungen, Chris DiDomenico zurückzuholen, dann würden wir jetzt mit bedeutungsschwerer, wichtiger Miene sagen, dem Hockey-Mühlespiel der Langnauer fehle ein unberechenbarer, feuerköpfiger, leidenschaftlicher, charismatischer Leitwolf wie DiDomenico.

Tigers Chris DiDomenico, links, kaempft um den Puck, gegen Fribourgs Killian Mottet, rechts, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Samstag 6. Oktober 2018, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

8 Spiele, 4 Punkte (2 Tore/2 Assists): DiDomenicos Bilanz ist noch ausbaufähig. Bild: KEYSTONE

Der Kanadier könnte alles sein: Bauer, Läufer, Springer, Turm, Dame und König. Er hätte sicherlich in den Heimspielen gegen Ambri und Gottéron die erlösenden Treffer erzielt und das Team zum Sieg mitgerissen. Mit Chris DiDomenico hätte Langnau sechs Punkte mehr und stünde gleich hinter Biel – aber vor dem SCB – auf Platz 2. Potz Donner! Das wäre gar Stoff für eine Polemik.

Aber Chris DiDomenico ist da. Und warum ist er nicht viel mehr als ein Bauer im Hockey-Schach? Weil unter Heinz Ehlers das System grösser ist als der Einzelspieler, sogar grösser als Chris DiDomenico. Er ist drauf und dran, ein System-Soldat zu werden. Aber Langnau funktioniert auf Dauer nur, wenn das System grösser ist als der Einzelspieler.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gondeli 12.10.2018 14:52
    Highlight Highlight "Mehr Spielkontrolle als in Bern und Langnau ist praktisch nicht mehr möglich"

    Herrlich so etwas zu lesen! Und genau dieses Schachspiel wird die Tigers dieses Jahr im TXT "grün" erscheinen lassen! Eine tolle Saison bis jetzt, und wenn wir zu Hause noch ein bisschen weniger nervös sind, dann... ja dann!!!

    Ho-Ho-Hopp Langnou!!!
    • Mia_san_mia 12.10.2018 16:45
      Highlight Highlight Grün heisst doch immernoch Playoffs, oder? 🤔
    • Knety 13.10.2018 00:25
      Highlight Highlight Unglaublich, ich habe dir eben ein Like gegeben.
      Tja, Sachen gibts 🤷🏻‍♂️
  • langNOW 12.10.2018 14:17
    Highlight Highlight Entfernt. Bitte beachte die Kommentarregeln. Danke, die Redaktion.
  • goldmandli 12.10.2018 13:46
    Highlight Highlight Entfernt. Bitte formuliere deine Kritik sachlich. Danke, die Redaktion.
    • the_hoff 12.10.2018 13:52
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • Roaming212 12.10.2018 13:57
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • Against all odds 12.10.2018 13:02
    Highlight Highlight "Mehr Spielkontrolle als in Bern und Langnau ist praktisch nicht mehr möglich"
    ...und beide hatten zuhause gegen Biel keine Chance.
    • Professor Chaos 12.10.2018 13:40
      Highlight Highlight Ich hoffe stark (nicht) dass Ihr Meister werdet so wie ihr euch nun feiert wegen der Tabellenführung. Aber wahrscheinlicher ist dass Ihr dieses Jahr wieder keinen Blumentopf gewinnt und die ganze Arroganz vergebens war.

      Ihr Bieler seid wie einer der immer wieder gegen die Wand läuft: Es führt zu nichts 😂
    • Against all odds 12.10.2018 14:00
      Highlight Highlight Du verwechselst Arroganz mit Freude.
    • TEE-Zug 12.10.2018 14:10
      Highlight Highlight @Professor Chaos: Du hast recht, es ist uns Bielern überhaupt nicht zu gönnen, und man sollte sich nicht über Siege freuen, sondern in Demut versinken (Ironiemodus aus). Und trotzdem hatten beide mit ihrem Schach gegen Biel keine Chance, dem sagt man dann wohl Schach-Matt. Aber eines sei noch gesagt: mir sind Bauern trotzdem lieber als Professoren!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Spocki88 12.10.2018 12:35
    Highlight Highlight Der Bauer im Spiel ist zum teil wichtiger als der König...
  • goldmandli 12.10.2018 12:13
    Highlight Highlight Entfernt. Bitte beachte die Kommentarregeln. Danke, die Redaktion.
  • Tikkanen 12.10.2018 11:41
    Highlight Highlight ...lol, also da klettern ender die Kühe im Wasen hinder als dass die Tigerli ab Runde 3 in der Tabelle vor der grandiosen Hockeymaschine🐻 aus Europas Hockeyhauptstadt stehen😂 Ich werde morn auch wieder mal ins Tal der heulenden Winde reisen, habe Tickets für die Jakob Tribüne erhalten🤔Dort oben muss üsereim sich aber chumlig verhalten, sonst könnte es passieren dass man unverhofft vom grossen König Sempach churzspitz gebodigt wird😓😂
    Item, freue mich riesig auf die beiden Weekend Spiele, hinäch werden die Opportunisten vom EV Novartis verrumt, morgen gibt’s eine SCB-Gala in Langnau😎🍻🤗
    • CaptainObvious 12.10.2018 13:15
      Highlight Highlight Wenn schon wäre „EV Glencore“ oder so passender.
      Novartis hat wenig mit Zug zu tun, bzw. denken viele (alle?) zuerst an Basel.
    • Saasi 12.10.2018 13:31
      Highlight Highlight Tikkanen, dann reist du tatsächlich vom beschaulichen Interlaken ins Paradies vom Emmental? Hätte ich nie für möglich gehalten. :-D
      SCUI hat aber auch ein Spiel. HEHE

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