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Champions Hockey League – ein Minus-Geschäft mit Nebenwirkungen

Lukko Ruma
Trotz hochstehendem Eishockey lohnt sich die Champions Hockey League für die Schweizer Vereine kaum.Bild: keystone
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Champions Hockey League – ein Minus-Geschäft mit sportlichen Nebenwirkungen

Im Fussball ist die Champions League das Ziel aller Träume und füllt den Klubs die Geldspeicher bis über den Rand hinaus. Im Eishockey ist die Champions League für unsere Klubs mehr denn je ein Minus-Geschäft mit hohen sportlichen Risiken. Diese Saison machen Servette, die Lakers und Biel diese bittere Erfahrung.
04.12.2023, 17:43
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Der Meister sowie der 1. und 2. der Qualifikation sind dazu verurteilt, an der Champions Hockey League teilzunehmen. Falls der Meister die Qualifikation auf dem 1. oder 2. Rang beendet, rückt der 3. der Qualifikation nach. Diese Saison müssen Servette (als Meister und Qualifikationssieger) sowie Biel und die Lakers als 2. und 3. der Qualifikation in den sauren europäischen Apfel beissen.

Saurer Apfel? Ja, ein ganz saurer Apfel. Für 20 der 24 teilnehmenden Klubs ist die Champions League ein Verlustgeschäft. Das mögen die auf diese Saison weiter gekürzten Prämien und Entschädigungen zeigen.

  • Jeder der 24 Teilnehmer bekommt eine «Reiseentschädigung» von 65 000 Euro.
  • Für die Achtelfinals kommen 15'000 Euro Prämien dazu.
  • Für den Viertelfinal weitere 20'000 Euro.
  • Für den Halbfinal nochmals 20'000 Euro.
  • Der Sieger darf zusätzliche 240'000 Euro abholen, der Finalverlierer noch 120'000.

Wer die Champions Hockey League gewinnt, kann also Einnahmen in der Höhe von 360'000 Euro erzielen.

epa10475862 Tappara's capatain Kristian Kuusela lifts the trophy and celebrates winning the Champions Hockey League final ice hockey match between Lulea Hockey and Tappara Tampere, in Lulea, Swed ...
Für Tappara Tampere dürfte sich die Champions Hockey League in jeder Hinsicht gelohnt haben.Bild: keystone

Da die Reisespesen vollumfänglich zulasten der Klubs gehen und einige Destinationen nur mit einem Charter erreichbar sind bzw. Linienflüge das ganze Gepäck eines Hockeyteams nicht immer transportieren können, schreiben die Klubs bis zum Halbfinal rote Zahlen. Zumal sehr oft die Vorrunde (also die 6 Partien vor dem Achtelfinal) im Saison-Abo inbegriffen ist. Die Publikumseinnahmen halten sich in Grenzen. Kurzum: Nur 4 von 24 Teams (die vier Halbfinalisten) dürften bei einer ehrlichen Vollkostenrechnung mit der Champions League kein Geld verlieren.

Aber es geht nicht nur um Geld. Der europäische Wettbewerb hat für unsere Klubs auch sportliche Auswirkungen. Es ist kein Zufall, dass mit Meister Servette (10.), Biel (11.) und den Lakers (13.) gleich alle drei Champions League-Teilnehmer Schwierigkeiten in der nationalen Meisterschaft haben. Diese Zusatzbelastung wird immer wieder unterschätzt und hat allen seit Ende August neben dem eng getakteten nationalen Spielplan acht zusätzliche Partien plus Auslandsreisen beschert.

Lange Gesichter bei Rappi mit Rapperswil-Jona Lakers Torhueter Melvin Nyffeler waehrend der Meisterschaftspartie der National League zwischen den SC Rapperswil Jona Lakers und dem HC Lugano, am Dienst ...
Der SC Rapperswil-Jona befindet sich womöglich auch aufgrund der Zusatzbelastung in der Krise.Bild: keystone

Für die Lakers (gegen Vitkovice) und Servette (gegen die Växjö Lakers) folgen nun im Viertelfinal die Partien neun und zehn. Die Lakers haben gute Halbfinal-Chancen. Die Sportchefs und Trainer rühmen zwar in offiziellen Erklärungen die sportliche Herausforderung und Abwechslung (inoffiziell tun sie es nicht immer), die für die Spieler reizvoll sei.

Aber bis in den Dezember hinein fehlen die Atempausen, um ein paar Tage in aller Ruhe im Training dieses oder jenes korrigieren zu können und die Verletzungsanfälligkeit wird durch das europäische Engagement höher. Die NL-Klubs haben mit Ausnahme der ZSC Lions nicht die Kadertiefe, um die Zusatzbelastung eines europäischen Wettbewerbes problemlos zu verkraften. Eine Erfahrung, die seit der Wiedereinführung der Champions League (2014) unter anderem auch schon Ambri, Davos, Gottéron, Lugano, Kloten oder Zug gemacht haben.

Auffallend ist bei Servette, Biel und den Lakers der Rückgang der Torproduktion. Die Lakers waren letzte Saison offensiv die Nummer 2 der Liga. Jetzt sind sie gar das offensiv schwächste NL-Team. Ähnlich dramatisch ist der Einbruch der offensiven Feuerkraft bei Biel: letzte Saison das drittbeste NL-Team und jetzt nur noch die Nummer 10. Servette hat letzte Saison in der Qualifikation am meisten Tore erzielt und ist aktuell gerade noch die Nummer 8. Viele knappe Niederlagen sind die Folge.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
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Nation Flag

Aktuelle
Note

  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

5,2

09.22

5,2

09.23

5,2

01.24

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

Der Auslöser für die nachlassende Torproduktion mag in Genf und Biel nicht der gleiche sein wie bei den Lakers. Aber wenn die Krise einsetzt, ist die Wirkung die gleiche: Eine negative Dynamik, die den Druck erhöht. Bei Servette hat die Ernsthaftigkeit im Spiel nach dem Abgang von Henrik Tömmernes und der Meisterfeier ein wenig nachgelassen, aber Talent ist noch mehr als genug da. Biels Offensive hat durch Verletzungspech früh an Schwung verloren. Die Lakers sind eher ein Opfer ihres eigenen Erfolges geworden: Nach einem 4. und einem 3. Platz in der Qualifikation sind die Erwartungen gestiegen.

Es ist dem nationalen Publikum und den Medien herzlich egal, ob Genf, Biel oder die Lakers in der Champions League erfolgreich sind oder nicht. Es gibt keinerlei Erfolgsdruck, die Verkrampfung fällt weg. Hockey für Romantiker. Tatsächlich sind die Lakers offensiv die Nummer 4 der insgesamt 24 Teilnehmer der Champions League. Aber auch Servette und Biel fällt es leichter, im europäischen Wettbewerb als in der heimischen Liga ins Tor zu treffen. Servette ist offensiv Europas Nummer 3 und Biel immerhin noch die Nummer 7. Tore erzielen war immer schon zu einem schönen Teil Kopfsache.

Geneve-Servette's forward Teemu Hartikainen celebrates his goal with his teammate Geneve-Servette's forward Marc-Antoine Pouliot, left, after scoring the 1:1, during the Champions Hockey Lea ...
In der Champions Hockey League tun sich die Genfer deutlich leichter mit dem Toreschiessen.Bild: keystone

Wir sehen: Die Champions League ist ein Minusgeschäft mit erheblichen sportlichen Nebenwirkungen. Damit die Teams nicht etwa auf den eigentlich folgerichtigen Gedanken kommen, auf die Champions League zu verzichten, drohen für eine Mannschaft, die sich qualifiziert hat, bei einer Nichtteilnahme harsche Bussen, die bezahlt werden müssen, weil die Champions League mit unserer NL und den Klubs vertraglich verbandelt ist.

Diese Bussen sind klugerweise so hoch angesetzt, dass bei einer Teilnahme in jedem Fall weniger Verlust eingefahren wird als durch das Bezahlen der Busse. Auch für den TV- und Werberechteinhaber Infront ist die Champions League ein Minusgeschäft. Unter anderem auch deshalb, weil seit der Wiedereinführung (2014) die Russen nie dabei waren und nun aus naheliegenden Gründen auch auf Jahre hinaus nicht dabei sein werden.

Biels Alexander Yakovenko, links, erzielt das Tor zum 1-1 im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen EHC Biel und HC Ajoie, am Freitag, 27. Oktober 2023, in der Tissot Arena in Biel ...
Die Zuschauerzahlen sind beim EHC Biel bei Spielen der National League deutlich höher als im internationale