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Interview

Schweizer Schiri im VAR-Interview über Probleme und falsche Erwartungen

The referee Lukas Faehndrich, left, speaks with Christian Fassnacht (YB), right, during the Super League soccer match of Swiss Championship between Servette FC, SFC, and BSC Young Boys, YB, at the Sta ...
Lukas Fähndrich ist seit 2014 Schiedsrichter in der Super League und ist auch international im Einsatz.Bild: keystone
Interview

Schiri Fähndrich: «Was machen wir nicht gut genug, dass der VAR nicht mehr Akzeptanz hat?»

Der VAR ist omnipräsent, obwohl er sich eigentlich nur im Notfall melden sollte. Was läuft da schief? Kriecht nach einem Fehlentscheid die Verunsicherung in den Schiri-Kopf? Kracht es auch mal zwischen Video- und Stadion-Schiedsrichter? Lukas Fähndrich stellt sich den kritischen Fragen zum Videobeweis.
12.03.2026, 16:5212.03.2026, 17:46
Sebastian Wendel / ch media

Der VAR meldet sich, kurz darauf schreitet der Schiedsrichter zum Bildschirm: Über 120 Mal ist dieser Fall in der laufenden Super-League-Saison eingetroffen. Das ist ein neuer Rekordwert – und das schon nach 29 von 38 Spieltagen. Der Einfluss des Videoschiedsrichters in Volketswil auf das Geschehen im Stadion nimmt seit der Einführung im Jahr 2019 rasant zu. 0,7 Mal pro Spiel schreitet der VAR ein, bisher waren es noch nie mehr als 0,44 Mal.

Die Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der VAR-Kritiker. Wie antworten die Direktbetroffenen darauf? Der Schweizer FIFA-Schiedsrichter Lukas Fähndrich im VAR-Verhör.

Der VAR hat die Schiedsrichter schlechter gemacht!
Lukas Fähndrich: Wie kommen Sie darauf?

«Die Zeiten sind vorbei, in denen ich nach einem Spiel nach Hause kam mit der Last, einen grossen Fehler begangen zu haben.»

Zuerst: Was halten Sie von der These?
Der VAR gibt mir die Möglichkeit, bei schwierigen Szenen die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Dafür bin ich dankbar. Die Zeiten sind vorbei, in denen ich nach einem Spiel nach Hause kam mit der Last, einen grossen Fehler begangen zu haben. Und alle im Stadion und am TV, nur ich nicht, haben es gesehen.

Die Schiedsrichter verlieren durch den VAR den Mut zur Entscheidung. Beispiel: In Zeiten ohne Navigationsgeräte musste man den Orientierungssinn aktivieren und sich mit Überzeugung für eine Richtung entscheiden. Heutzutage fahre ich einfach mal los, das Navi greift ja sofort ein, wenn ich falsch abbiege.
Der VAR greift nur bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen ein. Deshalb bleibt Entscheidungsfreudigkeit eine Kernkompetenz eines guten Schiedsrichters. Zugegeben war ich rückblickend in den ersten Monaten des VAR weniger entscheidungsfreudig als zuvor. Heute ganz klar nicht mehr.

Schiedsrichter Lukas Faehndrich prueft den VAR im Fussball Meisterschaftsspiel der Swiss Super League zwischen dem FC St. Gallen 1879 (SG) und dem FC Sion (SIO), am Dienstag, 16. Dezember 2025, im kyb ...
Dank dem VAR kann Schiedsrichter Fähndrich seiner Meinung nach die beste Entscheidung treffen.Bild: keystone

Ist es Ihnen egal, ob und wie oft sich der VAR während eines Spiels einschaltet? Nach dem Motto: Hauptsache keine Fehler!
Im Gegenteil: Mein Anspruch ist, dass der VAR mich nicht korrigieren muss. Ein guter Schiedsrichter muss alles selber sehen und entscheiden wollen. Und dem VAR dankbar sein, wenn er Hilfe anbietet. Ich behaupte aus dem Bauch heraus: Von zehn VAR-Interventionen war ich im Nachhinein neun Mal froh darum. Es gilt aber immer noch: Ich als Feld-Schiedsrichter entscheide final, ob ich meine Entscheidung umstosse oder nicht.

«Ich dachte auch schon, dies war kein klarer Fehlentscheid. Aber doch eher ein Fehler, also ändere ich die Entscheidung.»

Sobald der Schiedsrichter zum Bildschirm geht, erwarten Spieler, Trainer und Publikum eine Korrektur. Können Sie unter diesem Druck die Bilder unvoreingenommen analysieren?
Das Review gibt mir im besten Falle neue Perspektiven, die ich auf dem Platz nicht hatte. Dies ist die Informationsbasis für meine Entscheidung. Aber natürlich gab es auch schon Eingriffe, bei denen ich mir gedacht habe, dies war nun kein klarer und offensichtlicher Fehlentscheid. Aber halt doch eher ein Fehler, also ändere ich die Entscheidung. Weil sie die bessere ist.

Wie gross darf der Interpretationsspielraum sein, dass die VAR-Intervention gerechtfertigt ist?
Wenn 99 von 100 Schiedsrichtern anders entschieden hätten, ist der Eingriff gerechtfertigt. Aber 70 andere Meinungen sind zu wenig. Aus einer vertretbaren eine ein bisschen richtigere Entscheidung zu machen, ist falsch.

Machen Sie nach unnötigen Eingriffen dem VAR Vorwürfe?
Im ersten Moment bin ich vielleicht genervt, andererseits weiss ich: Als VAR habe ich auch schon den Schiedsrichter an den Bildschirm gebeten, rückblickend aber hätte ich dies nicht tun sollen. Ich bin überhaupt nicht nachtragend, meine Kollegen hoffentlich auch nicht.

Keine hitzigen Diskussionen nach Spielschluss?
Doch, das kommt vor. Zum Teil mit Schiri-Kollegen, mit denen ich mich auch privat sehr gut verstehe. Aber: Wir haben einen Job zu erledigen. Es wäre völlig unangebracht, als VAR einen Freund aus Nächstenliebe vor dem unangenehmen Moment am Bildschirm zu verschonen.

«Natürlich ist da irgendwo der Drang, die eigene Entscheidung zu rechtfertigen.»

Fällt es schwer, nach dem Gang an den VAR-Bildschirm einen Fehler zuzugeben?
Natürlich ist da irgendwo der Drang, die eigene Entscheidung zu rechtfertigen. Aber das Ego muss hintenanstehen, weil es nur um richtig oder falsch geht. Ein besonders krasser Fehler, vor den Augen der Öffentlichkeit, schmerzt besonders. Da drüber zu stehen, musste ich lernen.

Schlafen Sie schlecht, wenn der VAR sich fünf Mal im Spiel gemeldet hat?
Ich bewerte meine Leistung nicht nur danach. Wurde am Ende alles richtig entschieden, haben wir als Team einen guten Job gemacht. Das zählt. Mehr Mühe habe ich, wenn mich schon während dem Spiel das Gefühl beschleicht, dass die Spieler mich nicht respektieren. Wenn ich nach jedem Entscheid um ihre Akzeptanz kämpfen muss.

Wann passiert das?
Wir Schiedsrichter sind wie alle Sportler auch abhängig von der Tagesform.  Zum Beispiel, wenn ich die erste Gelbe Karte verpasse. Die Spieler spüren sofort, ob ich im Spiel bin und nerven sich dann zurecht darüber, wenn ich bei meinen Entscheidungen keinen roten Faden habe. Die Folgen sind ständige Diskussionen, Hektik und Emotionen.

Schiedsrichter Lukas Faehndrich diskutiert mit den Captains Xherdan Shaqiri (FCB) und Timothe Cognat (SFC), von links, im Fussball Meisterschaftsspiel der Championship Group der Swiss Super League zwi ...
Die Schiedsrichter werden von den Spielern immer wieder bestürmt.Bild: keystone

Hat eine VAR-Korrektur eine Verunsicherung zur Folge? Im Sinne von Angst davor, in der nächsten Szene nochmals danebenzuliegen?
Klar fühle ich mich nicht gerade grossartig nach einem Fehlentscheid. Wir Schiedsrichter wollen wie die Spieler möglichst gut performen. Auch hier gilt: Der Anfang war schwierig, heute sind VAR-Interventionen für mich kein Problem mehr, weil Fehler dazu gehören.

Versuchen die Spieler, Sie nach VAR-Interventionen zu verunsichern?
Es gibt solche, die beim nächsten Entscheid fragen: Bist du dir dieses Mal wirklich sicher? Mal abgesehen von lockeren Sprüchen hat mir noch kein Spieler nach einer Korrektur durch den VAR vorgehalten, ich sei kein guter Schiedsrichter. Sie wollen vor allem Transparenz. Meine Akzeptanz hängt mehr von der Art und Weise der Erklärung einer Entscheidung ab als davon, ob die Spieler sie richtig oder falsch finden. Darum ist mir wichtig, dass ich kommuniziere und begründe.

«Viele Spieler versuchen nicht nur mich, sondern auch den VAR zu beeinflussen.»

Früher war der Schiedsrichter auf dem Platz die einzige Entscheidungsinstanz. Ist diese Hoheit verloren gegangen und man ist nur noch Anlaufstation für Spieler, die alles gecheckt haben wollen und für die der Video-Schiedsrichter der eigentliche Chef ist?
Viele Spieler versuchen nicht nur mich, sondern auch den VAR zu beeinflussen. Durch ihre Gestik und Emotionalität machen sie Druck, damit der VAR sich die Szene besonders gut anschaut. Ich als Feld-Schiedsrichter bin in diesen Momenten für die Moderation zuständig. Und das Wichtigste geht in solchen Momenten manchmal vergessen: Die finale Entscheidung trifft der Schiedsrichter, nicht der VAR.

Was heisst Moderieren?
Den Spielern klarmachen, dass sie nicht in jeder Szene den VAR fordern sollen, dieser checkt im Hintergrund bei Bedarf alles. Dank der «Captain-Referee-Cooperation» kann ich mich einem Spieler gegenüber auf die Regel berufen, dass ich nur mit seinem Captain kommuniziere. An mir als Feld-Schiedsrichter liegt es, wie viel Widerrede ich zulasse. Und wann ich mit Sanktionen Grenzen setze. So bleibe ich der Chef des gesamten Schiedsrichter-Teams. Übrigens…

Bitte?
In der medialen Berichterstattung wird oft suggeriert, dass der Schiedsrichter und der VAR unabhängig voneinander arbeiten. Wenn es etwa heisst: Schiri XY hat auf Penalty entschieden, aber der VAR hat den Entscheid zurückgenommen. Dabei ist es am Ende immer ein Miteinander. Schiedsrichter und VAR bilden eine Symbiose.

Ein grosser Kritikpunkt ist die lange Dauer zwischen dem Moment, wenn der VAR einen Check startet und der finalen Entscheidung. Zwei, drei oder gar vier Minuten sind doch der Beweis, dass die Intervention unnötig war?
Das liegt in den meisten Fällen daran, dass gleichzeitig mehrere Sachen gecheckt werden müssen. Ging einem Tor ein Handspiel voraus? Muss die Offside-Linie gezogen werden? Gab es ein Foul in der Angriffsauslösung? Das dauert und ich verstehe die Ungeduld, aber für eine korrekte Entscheidung lässt sich das nicht verhindern.

Gibt es nicht eine Vorgabe à la: Nach zwei Minuten muss eine Entscheidung her, sonst bleibt alles beim Alten?
Nein. Aber Sie haben insofern Recht: Wenn bei einem Einzelentscheid, also zum Beispiel nur bei der Frage penaltywürdiges Einsteigen oder nicht, nach 90 Sekunden keine Klarheit herrscht, ist die Berechtigung der VAR-Intervention in Frage gestellt. Und dann müssen wir als Schiedsrichter-Team so ehrlich sein, wohl nicht gut gearbeitet zu haben.

«Im ersten halben Jahr habe ich mich mit der Rolle als VAR sehr schwergetan.»

Man kann die Meinung haben, dass die Einführung des VAR eine Reaktion auf die Unfähigkeit der Schiedsrichter war. Haben Sie das anfangs so empfunden?
Nein, der VAR ist ja keine Schweizer Erfindung, sondern mittlerweile fast überall Usus. Beim Aufkommen des Internets hat man auch nicht gesagt: Das sperren wir, weil wir der Kompetenz der Menschen nicht vertrauen. Richtig eingesetzt, ist die Technik ein ideales Werkzeug für mehr Gerechtigkeit im Fussball. Ich habe nie den Sinn hinterfragt, aber im ersten halben Jahr habe ich mich mit der Rolle als VAR sehr schwergetan.

Wieso das?
Ich hatte viel Luft nach oben, weil ich zuerst in diese neue «Disziplin» hineinwachsen musste. Die Vorgabe lautete: Weniger ist mehr. Bei mir hatte das zur Folge, dass ich vom VAR-Raum aus praktisch nie eingegriffen habe. Obwohl eine Intervention bei einem fahrlässigen Tritt aufs Schienbein durchaus angezeigt gewesen wäre.

Videoschiedsrichterin (Mitte) mit dem Operator rechts und dem Assistent Schiedsrichter links verifizierten Spielsituationen eines Fussball Meisterschaftsspiels der Super League im Video Operation Room ...
In Volketswil werden die Schiedsrichter-Entscheidungen auf den Plätzen genau beobachtet.Bild: keystone

Sind Sie ein Fussballromantiker?
Gute Frage, die ich mir so noch gar nie gestellt habe. Ich bin ein Freund von neuen Elementen, die das Spiel fairer machen. Gleichzeitig bin ich überzeugt: Krasse Veränderungen können dem Fussball die Essenz nehmen. Die Einführung des VAR oder die Captain-Referee-Cooperation benötigen Zeit für die Akzeptanz. Weil sie eher eine Art Kulturwandel sind als eine Veränderung im klassischen Sinn.

«Wir müssen uns der Frage stellen: Was machen wir nicht gut genug, dass der VAR keine grössere Akzeptanz hat?»

Einspruch: Der VAR ist eine krasse Veränderung.
Aber eine, die es verträgt und die von allen Seiten gefordert wurde. Die Statistik belegt: Viele klare Fehlentscheidungen werden korrigiert. Aber wenn wir von zehn Fehlern neun auslöschen, liegt in der öffentlichen Wahrnehmung der Fokus auf der einen, nicht erfolgten Intervention. Und es heisst, wir seien die schlechtesten VAR und Schiedsrichter der Welt. Das gleiche erzählen mir aber auch meine ausländischen Kollegen. Gleichzeitig müssen wir uns der Frage stellen: Was machen wir alle nicht gut genug, dass der VAR keine grössere Akzeptanz hat?

Haben Sie eine Antwort?
Transparenz! FIFA, UEFA, SFL, SFV – alle haben erkannt, dass die Rolle und Eingriffe des VAR verständlicher sein müssen. Es ist schwierig zu begründen, dass man am TV mehr vom VAR mitbekommt als im Stadion. Oder ein Interview wie dieses: Ich mache das nicht als Anwalt des VAR, sondern möchte Verständnis schaffen.

Der VAR wurde eingeführt für die Korrektur von krassen Fehlentscheiden – wie Maradona's Hand Gottes. Diese Grundidee steht im krassen Widerspruch zur grossen Anzahl der VAR-Interventionen in der Super League.
Die Eingriffe bewegen sich im Rahmen der internationalen Richtlinien. Entscheidend ist nicht die Quantität, sondern die Qualität der Interventionen. Es kann sein, dass wir in jüngster Vergangenheit eher einmal zu viel als zu wenig interveniert haben. Gibt es Interpretationsspielraum, muss die Entscheidung dem Schiedsrichter auf dem Platz überlassen werden, ohne dass der VAR sich meldet.

Das sagt Schiri-Chef Wermelinger zum VAR-Rekord
In dieser Super-League-Saison gab es schon jetzt so viele VAR-Eingriffe wie noch nie. Schiedsrichter-Chef Daniel Wermelinger sagt dazu: «Für die Spieler und Zuschauer ist das Wichtigste, dass der finale Entscheid korrekt ist. Wenn der Schiedsrichter auf dem Feld etwas übersehen hat, kommt der VAR ins Spiel. Das war, wie die Statistik zeigt, in dieser Saison durchschnittlich häufiger der Fall als in vorherigen Saisons. Das heisst im Umkehrschluss, dass auf dem Platz mehr Szenen falsch beurteilt wurden.» Darum folgert er: «Wir wissen, dass wir insbesondere bei den Entscheiden im Stadion Luft nach oben haben.»
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Schiedsrichter-Chef Daniel Wermelinger.Bild: keystone

Hatten Sie eigentlich die Hoffnung, mit dem Videobeweis reduzieren sich die Schiri-Diskussionen?
Ja, aber da wurde ich enttäuscht, leider. Das liegt in meinen Augen nicht nur an den Entscheidungen als solche, sondern auch an der Erwartungshaltung, dass es keine Fehler mehr geben wird. Das ist und bleibt illusorisch. Ziel war es, die Anzahl spielentscheidender Fehler zu reduzieren. Was nachweislich gelungen ist. Ich bin überzeugt: Die meisten, die heute eine VAR-Abschaffung fordern, würden ihn nach dem ersten schweren Fehler zurückwollen.

In der Challenge League gibt es keinen VAR. Wie ist es für Sie als VAR-gewohnter Schiedsrichter, plötzlich ohne Absicherung pfeifen zu müssen?
Ehrlicherweise bin ich vor solchen Spielen angespannter. Weil ich weiss: Heute bin ich ohne Fallschirm unterwegs. Ich kann mich an ein wichtiges Spiel über Aufstieg oder Nicht-Aufstieg in der Challenge League erinnern, bei dem ich nach einem Tor ahnte, dass der Ball zuvor wohl draussen war. Da bedauerte ich, dass sich kein VAR meldete.

«Sonst verlieren wir auf die Dauer unsere Glaubwürdigkeit.»

Der frühere Schweizer Spitzenschiedsrichter Urs Meier moniert, wegen des VAR würden Unparteiische die Spiele nicht mehr mit ihrer Persönlichkeit leiten, sondern seien nur noch regelbehaftete, technische Beamte. Ohne Gespür für die Situation. Hat Meier recht?
Es ist doch eine allgemeine Zeiterscheinung, dass Führungskräfte anders auftreten als früher. Als Schiedsrichter habe ich nach wie vor sehr viel Interpretationsspielraum. Das schätze ich sehr, weil es mir die Möglichkeit gibt, ein Spiel in die bestmöglichen Bahnen zu leiten.

Schiedsrichter Lukas Faehndrich zeigt Olivier Mambwa (YB) die rote Karte im Super League Spiel zwischen dem BSC Young Boys und dem FC Lausanne-Sport, am Samstag, 17. Januar 2026 im Stadion Wankdorf in ...
Noch immer haben die Schiedsrichter viel Interpretationsspielraum, wie Lukas Fähndrich findet.Bild: keystone

Ein Spiel am TV zu verfolgen ist etwas komplett anderes, als selber Teil des Geschehens zu sein. Und dann masst sich der VAR an, eine Situation im Video-Raum besser beurteilen zu können als der Kollege im Stadion. Heikel, oder?
Ja, es ist ein riesiger Unterschied. Darum sind die besten Videoschiedsrichter jene, die selber viel Erfahrung auf dem Feld gesammelt haben. Ein VAR muss spüren, welches die beste Lösung im Sinn des Fussballs ist, welche Linie der Haupt-Schiedsrichter fährt oder wie in ähnlichen Fällen in der Vergangenheit entschieden wurde. Wer nur die Standbilder analysiert und detektivisch Regelverstösse sucht, ist auf dem Holzweg. Zum Beispiel zeigt die Kamera ein Handspiel an und dass der Arm zu weit draussen war – aber genauso wichtig ist der Kontext: Wurde der Spieler geschubst, passierte das Handspiel unfallartig? Falls ja, ist auf eine Intervention zu verzichten. Sonst verlieren wir auf die Dauer unsere Glaubwürdigkeit.

Wie wird die Annäherung zwischen VAR und Stadion-Schiedsrichter besser?
Wir sind auf einem guten Weg, aber brauchen Zeit und die Erfahrung aus Fehlern, um noch besser werden. Eine wichtige Rolle spielen die wöchentlichen Feedbacks mit der Schiedsrichter-Kommission, der Blick in andere Länder und die Lernhilfen der UEFA. Diesbezüglich wünsche ich mir für die Zukunft, dass das Schiedsrichter-Wesen professionalisiert wird und wir mehr Zeit für Weiterbildung und Erholung erhalten. Im Fussball ist sogar der Platzwart voll angestellt – nur der nicht, der das Spiel leitet. Gleichzeitig muss uns bewusst sein: Eine Professionalisierung würde Fehler nicht ausschliessen. Sonst würden ja die Profis, die fünf Mal pro Woche trainieren, auch keinen Fehlpass spielen. Aber es wäre ein wichtiger Schritt.

Hat der VAR in der Schweiz nicht den grossen Makel, dass es keine Torlinientechnologie gibt? Bei der wichtigsten Entscheidung, Tor oder Nicht-Tor, gibt es keine Hilfe.
Darüber kann man diskutieren. Solange die TV-Bilder nicht das Gegenteil der getroffenen Entscheidung beweisen, ist es für mich in Ordnung. Damit kann ich persönlich sogar besser leben, als mit Nano-Wissenschaft eine Entscheidung zu erzwingen.

Wird der Zeitpunkt kommen, dass Fussballspiele nur noch aus dem Videoraum geleitet werden?
Das kann ich mir nicht vorstellen. Umso besser der VAR eingesetzt wird, desto stärker werden die Schiedsrichter auf dem Platz.

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