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Eishockey-WM: Das spricht für die Schweiz im Final gegen Finnland

Switzerland's Ken Jager, center, celebrates with teammate Timo Meier after scoring his side's third goal during the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship preliminary round group ...
Die Schweizer haben Finnland an dieser WM schon bezwungen.Bild: keystone
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Die Schweizer sind schneller – die Zeit für Gold ist gekommen

Dreimal hintereinander im WM-Final. Wer einmal im Final steht, hat einen guten Frühling erwischt. Wer zweimal hintereinander den letzten Sonntag eines Turniers erlebt, gehört zur Weltklasse. Wer zum dritten Mal in Serie um Gold spielt wird Weltmeister. Die Schweizer sind für die Finnen zu schnell.
31.05.2026, 08:5631.05.2026, 08:56

Im modernen Hockey wird oft viel gelaufen und wenig erreicht. Die Scheibe kreist wie ein Satellit um die gegnerische Verteidigung. Hübsch anzusehen. Statistisch beeindruckend. Analytisch wertvoll. Aber oft ungefährlich. Ein steriler Besitzstand, der am Ende nur beweist, dass man die Scheibe hatte und die Ausredenkultur bereichert.

Nationaltrainer Jan Cadieux hat diesen Irrtum beseitigt. In Zürich stürmen die Schweizer mit einer fast schon radikalen Direktheit. Der Weg der Scheibe wird nicht verlängert, sondern verkürzt. Jeder Pass hat einen einzigen Zweck. Jede Bewegung verfolgt eine einzige Richtung. Und diese Richtung heisst gegnerisches Tor.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Besetzung der Offensivzone. Die Schweizer kontern blitzschnell und wenn der erste Anlauf nicht gelingt, setzen sich alle in aussichtsreichen Positionen in der gegnerischen Zone fest. Nicht chaotisch, sondern strukturiert. Nicht kopflos, sondern präzise.

Immer wieder befinden sich alle fünf Feldspieler in Positionen, aus denen eine Torchance entstehen kann. Wer die Scheibe hat, sucht den Weg direkt aufs Tor, wer ums Gehäuse herumkurvt, sucht sofort eine Abschlussposition – ein Schulbeispiel dafür ist Christoph Bertschys 1:0 gegen Norwegen. Der Gegner wird nicht umkreist, sondern eingekesselt.

Die Finnen lieben Ordnung. Sie leben von Struktur, Geduld und Kontrolle. Sauber vorbereitet, logisch aufgebaut, fehlerarm. Über Jahrzehnte war das eine Erfolgsgeschichte. Aber Ordnung hat einen natürlichen Feind: Geschwindigkeit.

Nicht nur die Geschwindigkeit der Beine, sondern die Geschwindigkeit der Entscheidungen. Genau hier liegt der Schweizer Vorteil.

Die Schweizer transportieren die Scheibe schneller in gefährliche Räume, als die Finnen ihre Verteidigungsstruktur vollständig aufbauen können. Die Angriffe erfolgen mit einem Tempo, das den Finnen ihre grösste Stärke nimmt: die Zeit. Zeit für das Verschieben. Zeit für das Schliessen der Passwege. Zeit für die perfekte Ordnung. Wer keine Zeit hat, macht Fehler. Ein halber Meter zu spät. Ein verlorener Zweikampf. Schon öffnet sich ein direkter Weg zum Tor.

Zum ersten Mal haben die Schweizer in Zürich nach zwei Finals ohne Torerfolg (0:2 gegen Tschechien, 0:1 n.V gegen die USA) nun die offensiven Titanen, die aus der spielerischen Überlegenheit Kapital zu schlagen vermögen. Fünf Schweizer in den Top 8 der Turnier-Skorerliste: 1. Sven Andrighetto, 2. Denis Malgin, 4. Roman Josi (bester Verteidiger und beste Plus/Minus-Bilanz des Turniers), 5. Nico Hischier, 8. Timo Meier.

Sven Andrighetto est le meilleur compteur du tournoi
Sven Andrighetto ist vor dem WM-Final immer noch Turniertopskorer.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Dazu die totale Dominanz bei den Team-Statistiken: Bestes Powerplay (Erfolgsquote 39,29 %), das stabilstes Boxplay (Erfolgsquote 94,45 %). Das sind Traumwerte. Dazu – erstmals – auch genügend Schleifpapier um die spielerischen Qualitäten zu schützen: Die Schweiz ist mit 95 Strafminuten das böseste Team dieser WM.

Und noch ein psychologischer Faktor, der in Finalspielen oft unterschätzt wird. Die Schweiz tritt inzwischen mit einer Selbstverständlichkeit auf, die früher den Gegnern vorbehalten war. Sie betreten das Eis nicht mehr mit der bangen Frage, ob sie gewinnen können. Sie betreten es mit der Überzeugung, dass sie gewinnen werden. Erst recht, wenn viele der Leitwölfe des Gegners bei uns in der National League spielen.

Finnland besitzt Erfahrung. Finnland besitzt Tradition. Finnland besitzt eine grosse Hockeykultur. Aber das zählt alles nicht mehr, wenn der Gegner schneller denkt, schneller läuft und schneller handelt.

epa13005779 Finland's Aleksander Barkov in action during the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship semi-final game between Canada and Finland in Zurich, Switzerland, 30 May 2026. EPA ...
Finnland wird angeführt von NHL-Superstar Alexander Barkov.Bild: keystone

Deshalb spricht vieles – nein, eigentlich alles – dafür, dass dieser Final anders endet als jede der vier Schweizer Finalgeschichten der Vergangenheit (2013, 2018, 2024, 2025). Nicht weil die Finnen schwach sind. Sondern weil die Schweizer besser sind. Und dank dem Nachmittagsspiel fünf Stunden mehr Erholungszeit und dadurch mehr Energie und schnellere Beine haben.

Wenn die Schweizer gegen Finnland den Mut bewahren, der sie bis in diesen dritten Final in Serie getragen hat, wenn sie weiterhin jeden Angriff auf das Wesentliche reduzieren – den schnellsten Weg in die gefährlichsten Räume – dann werden sie zum ersten Mal Weltmeister. Die einzige Gefahr: Eishockey ist ein unberechenbares Spiel auf spiegelglatter Unterlage. Auch für die Besten. Also auch für die Schweizer.

Switzerland's goaltender Leonardo Genoni reacts during the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship Semifinal game between Switzerland and Norway, at the Swiss Life Arena ice hockey sta ...
Der sichere Rückhalt: Leonardo Genoni.Bild: keystone

P.S. Es gibt drei Gewissheiten: Das Leben ist endlich, wir müssen Steuern bezahlen und Leonardo Genoni ist der beste Torhüter des Turniers: Mit einer Fangquote von 97,25 Prozent. Das ist so selbstverständlich, dass wir es nur noch als Fussnote erwähnen.

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quelle: keystone / andreas becker
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