Sport
Eismeister Zaugg

Eishockey-WM beweist: National League ist die beste Liga nach der NHL

Finland's Jesse Puljujarvi in action during the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship Semifinal game between Canada and Finland, at the Swiss Life Arena ice hockey stadium, in Zurich ...
National-League-Stürmer Jesse Puljujärvi ist bei Finnland einer der Leistungsträger.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Kurzer Wahn – lange Reue? Egal, unsere höchste Liga steht als WM-Sieger fest

Der Weltmeister wird erst noch gekürt. Doch ein Sieger steht bereits fest: unsere National League. Sie ist neben der NHL die beste der Welt.
31.05.2026, 16:5531.05.2026, 16:55

Voraussichtlich werden beim WM-Final zwischen der Schweiz und Finnland mindestens 25 Spieler auf dem Matchblatt stehen, die ihr tägliches Brot in der Schweiz verdienen. Rekord. Eine Zahl, die mehr sagt als jede wohlmeinende Analyse. Sie ist der Beweis dafür, dass wir in der National League zwischen September und April das beste Hockey ausserhalb der NHL sehen. Wer etwas anderes behauptet, argumentiert gegen die Wirklichkeit.

Gewiss, die vergangene Saison war schon neben dem Eis ein Schauspiel erster Güte. Intrigen, Emotionen, Machtspiele, Transfers, Trainerwechsel, ja Märchen – Stoff genug für mehrere Theaterstücke in drei Landessprachen und Gottérons erstem Titel als Krönung. Doch die eigentliche Qualität sehen wir dort, wo sie liegen soll: auf dem Eis und in der Art und Weise, wie gespielt worden ist.

Rasmus Asplund (HCD) in Aktion im siebten Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Gotteron (HCFG), am Donnerstag, 30. April 2026, in der zondacrypto-Ar ...
In der National League wird das beste Eishockey Europas zelebriert.Bild: keystone

Vieles, was wir kürzlich beim Final zwischen Davos und Gottéron gesehen haben, kommt uns bei dieser WM vertraut vor: So wie von Woche zu Woche zwischen Frühherbst und Frühling in unseren Stadien, so ist nun täglich in Zürich und Fribourg dieses moderne Spiel ohne starre Positionen mit stürmenden Verteidigern und verteidigenden Stürmern zelebriert worden. Die Nordamerikaner nennen es «Positionsless Hockey». In der Schweiz nennen wir es schlicht: Unsere Meisterschaft.

Das Tempo, die Intensität, die permanente Bewegung, die taktische Flexibilität – all das prägt an guten Abenden längst auch die National League. Die Weltmeisterschaft war in ihren besten Momenten nichts anderes als eine Fortsetzung unserer Meisterschaft mit gleichen Mitteln, aber anderen Spielern auf einer etwas grösseren Bühne.

Wenn bei der WM ähnlich gespielt wird wie in unserer Liga und am Ende mehr als zwanzig Spieler aus der National League um Gold kämpfen, dann darf eine Feststellung ohne falsche Bescheidenheit gemacht werden: Unsere höchste Liga ist derzeit die beste Europas.

Natürlich ist Erfolg nie nur das Produkt eigener Tugenden. Wer gewinnen will, braucht manchmal auch die Gunst der Umstände. Und die Umstände spielen unserem Klubhockey (noch) in die Karten.

Der russische Angriffskrieg hat die Hockey-Landkarte Europas verändert. Die russische KHL, die finanzielle Grossmacht neben der NHL, ist als ernsthafte Konkurrenz weitgehend ausgefallen. Die besten Spieler, die für die NHL nicht gut genug sind, wechseln nicht mehr nach Russland. Sondern in die Schweiz.

Während anderswo in Euro oder Kronen abgerechnet wird, profitieren unsere Klubs vom starken Franken: Ein Nettolohn in unserer Landeswährung hat nun mal eine höhere Kaufkraft als der gleiche Betrag in Euro oder Schwedischen Kronen. Und dazu kommt: In keiner anderen wichtigen Liga der Welt können die Spieler jeden Abend im eigenen Bett schlafen. In der National League sind keine «Roadtrips» mit Hotelübernachtungen erforderlich. Wer Wert auf ein geregeltes Familienleben legt, weiss diese Lebensqualität zu schätzen. Die National League ist so etwas wie ein «Disneyland der Hockeywelt».

Freilich wird dieser Zustand nicht ewig dauern. Irgendwann kehren die Russen in die internationale Hockeyfamilie zurück und gegen die KHL-Löhne können unsere Klubs nicht konkurrieren. Doch dieses Irgendwann liegt noch im Nebel der Zukunft.

Bis dahin bleibt die National League sportlich die stärkste Liga Europas und auf dem internationalen Spielermarkt die attraktivste Adresse neben der NHL. Die Mischung aus hohem sportlichem Niveau, Geld und Lebensqualität bleibt vorerst unschlagbar.

Davon profitiert auch die Nationalmannschaft. Unsere besten Spieler werden Woche für Woche in Training und Spiel von ausländischen Weltklassespielern gefordert. Sechs Ausländer pro Team erhöhen den Leistungsdruck und aus der Geologie wissen wir: Diamanten entstehen durch Druck. Wer bestehen will, muss besser werden. Das Niveau steigt. Die Nationalmannschaft erntet die Früchte. Die Nummer 1 (Sven Andrighetto) und die Nummer 3 (Denis Malgin) der WM-Skorerliste stürmen für die ZSC Lions. Das hat es noch nie gegeben. Und der beste Torhüter der letzten und der aktuellen WM ist ein Veteran aus unserer nationalen Meisterschaft: Leonardo Genoni (38).

epa12996005 Switzerland's Sven Andrighetto, right, shoots the puck against Finland's Olli Maatta, left, during the 2026 IIHF Men's Ice Hockey World Championship preliminary round group  ...
ZSC-Stürmer Sven Andrighetto ist derzeit WM-Topskorer.Bild: keystone

Natürlich gibt es auch unbequeme Fragen. Zum Beispiel jene, wie unter diesen Voraussetzungen auf zentralen Positionen eine neue Spielergeneration Platz finden und reifen kann? Wie viele Talente im Schatten der ausländischen Stars verloren gehen? Und wo eigentlich Leonardo Genonis Nachfolger bleiben? Wie nachhaltig das aktuelle Modell tatsächlich ist?

Doch diese Fragen dürfen heute ausnahmsweise ruhen. Wer vor einem kurzen Wahn und langer Reue warnt, hat vielleicht nicht ganz unrecht. Aber wer ständig an die Reue von morgen denkt, verpasst die Freude von heute. Zumal der Wahn mindestens ein silberner und vielleicht sogar ein goldener sein wird.

Also geniessen wir den Moment.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Eishockey-WM in Zürich und Fribourg
1 / 68
Die besten Bilder der Eishockey-WM in Zürich und Fribourg

Die Finnen vernebeln Kanada die Sicht und ziehen in den WM-Final gegen die Schweiz ein.

quelle: keystone / andreas becker
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Christian Marti nach Einzug in WM-Final: «Wollen Hockey-Fest»
Video: ch media
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
Kälin schafft Schweizer Siebenkampf-Rekord +++ Wiebes beim Giro disqualifiziert
Die wichtigsten Kurznachrichten aus der weiten Welt des Sports.
Zur Story