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Eismeister Zaugg zum verlorenen Final: Immerhin Weltmeister der Herzen

Switzerland goalkeeper Leonardo Genoni reacts after the first goal during the Ice Hockey World Championship final match against the Czech Republic in Prague, Czech Republic, at the O2 Arena, Sunday, M ...
Leonardo Genoni wird von David Pastrnak entscheidend bezwungen.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Immerhin Weltmeister der Herzen

Die Schweizer verlieren den WM-Final gegen Tschechien in einem der besten Spiele ihrer Geschichte 0:2.
26.05.2024, 23:2227.05.2024, 14:53
klaus zaugg, prag

Zuerst bricht das Plexiglas nach einem korrekten Monstercheck von Ondrej Palat gegen Andrea Glauser. Dann die «Mauer» der Schweizer und unsere Herzen.

David Pastrnak trifft mit einem Direktschuss zum 1:0, das sich als goldener Treffer erweisen wird. Das zweite Tor ins leere, von Leonardo Genoni zu Gunsten eines sechsten Feldspielers verlassene Gehäuse hat nur noch kosmetischen Charakter.

Members of during the Czech Republic team celebrate an empty-net goal by Czech Republic's David Kampf (64) during a gold medal match between Czech Republic and Switzerland at the Ice Hockey World ...
Tschechien feiert den WM-Titel.Bild: keystone

Ausgerechnet der grosse Hoffnungsträger, der im Laufe des Turniers aus der NHL zur Mannschaft gekommen ist, führt die Entscheidung herbei. Er schien müde, er hatte in drei Partien nicht einen einzigen Skorerpunkt gebucht. Aber im Final gibt er nie auf. Probiert es immer und immer wieder. Wir sehen die Dramatik dieser entscheidenden Szene auch daran, dass sich der Titan Roman Josi vergeblich in die Schussbahn geworfen hat. Wenn Roman Josi fällt, können sich die Schweizer nicht mehr auf den Beinen halten.

Die beste, intensivste, taktisch beste Partie dieser WM endet für die Schweizer also als Drama. So nahe am Ziel. So nahe am Gipfel. So nahe am ersten WM-Titel. Und doch gescheitert. Zum dritten Mal nach 2013 und 2018 (gegen Schweden).

Dieser Final ist das beste Spiel, das ein Schweizer WM-Team je verloren hat. Nach dem Halbfinal-Triumph über Titelverteidiger Kanada gelingt ihnen noch einmal eine Steigerung. Wie ausgeglichen dieser Final war, mag das Torschuss-Verhältnis zeigen: 32:31 für Tschechien. Die Frage, die uns nun umtreibt: Warum hat es nicht gereicht?

Ganz einfach: Die Hockeygötter haben gewürfelt. Es gibt keine andere Erklärung für diese Niederlage. Keinen Sündenbock. Keinen Fehler, der hätte vermieden werden müssen. Vielleicht war das berstende Plexiglas das Detail, das gegen uns entschieden hat: Die Schweizer hatten zu diesem Zeitpunkt leichte Vorteile. Die Pause ermöglichte es den Tschechen – und Goldschütze David Pasternak –, tief durchzuatmen.

Es ist der dramatische Höhepunkt der bis heute besten WM der Schweizer. Sie hatten auf jeder Position – Torhüter, Verteidiger, Center und Flügel – Einzelspieler, die zu den besten der Welt und dieses Turniers gehörten: Leonardo Genoni, Roman Josi, Nico Hischier, Kevin Fiala. Und Christoph Bertschy hat sich im Laufe des Turniers zum besten «Grinder», zum «Gottéron-Messier» entwickelt. Aber ausgerechnet er verliert das Bully, das dem alles entscheidenden Treffer vorausgeht. Auch das passt zur Dramatik.

Der Spruch ist für Verlierer. Aber er fasst in einem Satz die Emotionen rund um unser WM-Team treffend zusammen: Silber gewonnen, nicht Gold, nicht den WM-Titel und ewigen Ruhm verloren. Die Schweizer sind die Weltmeister der Herzen. Unser WM-Team, die Mannschaft des Jahres.

Nationaltrainer Patrick Fischer hätte nichts besser machen können. Mit diesem Turnier ist seine Position nun bis und mit der Heim-WM 2026, bis zum Auslaufen seines Vertrages gesichert. Als «Posterboy» einer neuen Trainergeneration, auferstanden aus einer Serie von 13 Niederlagen im Laufe der Saison. Es ist eine Finalniederlage, die nun die Sicht auf die Nationalmannschaft nachhaltig verändert: Die Operetten-Länderspiele zwischen November und April haben keinerlei Bedeutung mehr.

Die Mission WM-Titel geht weiter. Nun wissen wir, dass sie erfolgreich sein kann. Bis die Schweizer bei der WM goldenen Ruhm holen, geniessen die Silberhelden von 2024 ewigen Ruhm.

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Tschechien feiert den WM-Titel zuhause im Goldregen.
quelle: keystone / petr david josek
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