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epa09305869 Dutch player Matthijs de Ligt leaves the pitch after receiving a red card during the UEFA EURO 2020 round of 16 match between the Netherlands and Czech Republic at the Puskas Arena in Budapest, Hungary, 27 June 2021.  EPA/MAURICE VAN STEEN (RESTRICTIONS: For editorial news reporting purposes only. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)

Der Game-Changer: Matthijs de Ligt fliegt in der 57. Minute nach seiner Hands-Notbremse vom Platz. Bild: keystone

«Eine wirklich armselige Vorstellung» – die Niederlande werden nach dem EM-Aus seziert

Nach einer starken Gruppenphase mit drei Siegen aus drei Spielen scheitern die Niederlande bereits im EM-Achtelfinal. Die Hürde Tschechien war unerwartet hoch.



Der Frust im Lager der Oranje ist grenzenlos – die Kritik am Auftritt der Niederländer riesig. Wie kann es sein, dass ein Team, das sich durch eine beinahe perfekte Gruppenphase mit dem Punktemaximum zum EM-Mitfavoriten gemausert hat, bereits im Achtelfinal scheitert? Gegen Tschechien, das in der FIFA-Weltrangliste deutlich schlechter klassiert ist und sich als Gruppendritter nur dank des von der UEFA aufgeblähten Turniers überhaupt für die K.-o.-Phase qualifizieren konnte?

Im Zentrum der Kritik steht die taktische Auswechslung nach einer Stunde, als Bondscoach Frank de Boer nach der roten Karte für Abwehrchef Matthijs de Ligt den wirbligen Stürmer Donyell Malen opferte und durch den Flügelspieler Quincy Promes ersetzte.

Ex-Nationalspieler Rafael van der Vaart geht mit Frank de Boer für diesen Wechsel gegenüber AD hart ins Gericht:

«Dann bist du der Trainer, und nach einer roten Karte wirst du deinen gefährlichsten Mann los und bringst Promes. Ein Stürmer für einen Stürmer, das macht man nicht, wenn man nur noch zu zehnt ist, oder? Oder bin ich verrückt?»

epa09305834 Donyell Malen the Netherlands reacts after missing a chance to score during the UEFA EURO 2020 round of 16 soccer match between the Netherlands and the Czech Republic in Budapest, Hungary, 27 June 2021.  EPA/Attila Kisbenedek / POOL (RESTRICTIONS: For editorial news reporting purposes only. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.)

Hatte nach 50 Minuten eine 100-prozentige Chance zur Führung, vergab und wurde Minuten später ausgewechselt: Donyell Malen. Bild: keystone

Auch Pierre van Hooijdonk, wie van der Vaart früherer Nationalspieler der Niederlande, zeigt bei «AD» kein Verständnis für die Auswechslung:

«Malen ist ihr gefährlichster Stürmer, mit seiner Geschwindigkeit muss man ihn auf dem Feld lassen. [...] Memphis Depay hätte runtergenommen werden müssen.»

Ex-Nationalspieler Nigel de Jong, als Experte für den englischen Sender ITV im Einsatz, hatte zum Wechsel eine andere (taktische) Meinung als van der Vaart, sparte aber auch nicht mit Kritik an Trainer de Boer:

«Nach dem Platzverweis hätte er umstellen sollen. Aber er ist weiter bei fünf Verteidigern geblieben. Wofür denn bitte? Für mich sah es so aus, als wollte er so lange wie möglich das 0:0 halten. Er hat es auch nicht geschafft, der Mannschaft den Glauben an sich selbst zu vermitteln. Er sollte am Montag besser nicht in die Zeitung schauen.»

Nationalcoach Frank de Boer begründete die Herausnahme von Malen damit, dass dieser derzeit nur für 60 Spielminuten fit sei.

Neben der spezifischen Missbilligung am möglicherweise spielentscheidenden Wechsel – immerhin war es Malen, der im ganzen Spiel die einzige Topchance der Niederländer hatte und dies interessanterweise nur 30 Sekunden vor dem fatalen Hands von de Ligt – muss sich die Mannschaft rund um Captain Georginio Wijnaldum auch grundsätzlicher Kritik stellen:

«Ich höre immer wieder, dass wir dominiert haben, abgesehen von dieser einen Minute, in der alles schief ging. Nein, haben wir nicht! Ich weiss nicht, warum der Manager das gesagt hat. Null Torschüsse im ganzen Spiel. Dominieren heisst: Chancen kreieren.»

Ex-Nationalspieler Wesley Sneijder

FILE - In this Tuesday Nov. 14, 2017 file photo Netherlands' Wesley Sneijder looks out from the bench prior to the start of a during the international friendly soccer match between Netherlands and Romania on the National Arena stadium in Bucharest, Romania. Midfielder Wesley Sneijder is retiring from international football after 15 years and a record 133 appearances for the Netherlands. The Dutch football association announced the retirement Sunday after new coach Ronald Koeman visited 33-year-old Sneijder in Qatar, where he plays for Al Gharafa. (AP Photo/Vadim Ghirda)

Wesley Sneijder, mit den Niederlanden 2010 WM-Finalist, 2014 WM-Dritter. Bild: AP/AP

Ins gleiche Horn blies Ex-Nationalspieler Nigel de Jong, er betonte gegenüber dem englischen Sender ITV:

«Das war wirklich eine armselige Vorstellung. Es hat an allem gefehlt – Mentalität, Aggression, Führungsqualitäten. Nach der Roten Karte war der Glaube weg, das Spiel gewinnen zu können. Wir hatten auch niemanden, der vorangeht.»

Georginio Wijnaldum, in der Gruppenphase Antreiber und dreifacher Torschütze, brachte gegen Tschechien in 90 Minuten nur 10 Pässe an den Mann.

Noch unmissverständlicher wurde Rafael van der Vaart von Sport1 zitiert:

«Es war ein sehr, sehr, sehr schlechtes Spiel. Es war wirklich unterdurchschnittlich.»

Die Highlights der Partie. Video: SRF

Eniola Aluko, ehemalige Nationalspielerin Englands, kritisierte gegenüber Mail Online die generelle Performance der Niederländer, bemängelte aber auch das Verhalten vor dem ersten Gegentor, das per Freistoss entstand.

«Wir wussten, dass die Tschechen hauptsächlich aus einer Standardsituation treffen würden. Es war ein dummes Foul von van Aanholt.»

Nun folgt das grosse Wundenlecken bei den Niederländern, es ist die nächste Enttäuschung, nachdem die Euro 2016 und die WM 2018 ganz verpasst wurden. Nationaltrainer Frank de Boer, der die «Elftal» erst im letzten Herbst übernommen hat, als Ronald Koeman bei Barcelona anheuerte, lässt seine Zukunft gegenüber Sport1 offen:

«Wir haben alle einen grossen Kater. Wir müssen über alles nachdenken. Man sollte jetzt keine Entscheidungen treffen. Ich werde diese bittere Pille schlucken.»

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Unerwartete Landung eines Fallschirmspringers

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