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Formel 1: Sechs Erkenntnisse nach dem GP von Bahrain

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Der erwartete Sieger und der überraschende Dritte: Max Verstappen und Fernando Alonso (r.).Bild: www.imago-images.de

Red Bulls Dominanz und Ferraris Probleme – 6 Erkenntnisse zum Formel-1-Start

Der erste Grand Prix der Formel-1-Saison 2023 ist gefahren. Max Verstappen feierte einen Start-Ziel-Sieg, dahinter gab es eine grosse Überraschung und zwei enttäuschte Top-Teams. Das hat uns das Rennen in Bahrain gezeigt.
06.03.2023, 14:0107.03.2023, 09:33
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Nach einer kurzen Winterpause von nur knapp dreieinhalb Monaten startete die Formel 1 am Sonntag in ihre 74. Saison. Der Grosse Preis von Bahrain wurde wie ein Grossteil der Rennen der letzten Saison von Max Verstappen im Red Bull dominiert – und brachte gleich einige Erkenntnisse für das neue Jahr.

Red Bulls Dominanz

Was als Erstes ins Auge sticht, ist die Stärke des letztjährigen Weltmeisters. Abgesehen von einem kurzen Intermezzo nach seinem ersten Boxenstopp führte Max Verstappen das Rennen über die gesamte Distanz an. Der niederländische Red-Bull-Pilot setzte sich bereits in der ersten Runde um einige Sekunden ab und triumphierte mit zwölf Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Sergio Perez.

Es ist offensichtlich: Der österreichische Rennstall hat erneut das mit Abstand beste Auto. Der Weltmeistertitel ist Verstappen und seinem Team wohl jetzt schon kaum noch zu nehmen. Dies sieht auch Mercedes-Fahrer George Russell so: «Red Bull hat die WM schon im Sack.» Er glaube nicht, dass ein anderes Team mithalten könne, und legte sogar noch einen drauf: «Ich wette darauf, dass sie jedes einzelne Rennen gewinnen werden.»

Einzig zu Beginn des Rennens schien Verstappen ein kleines Problem zu haben. Der 25-Jährige beklagte sich darüber, dass die Hinterräder beim Runterschalten blockieren. Auch nach einer kleinen Änderung sagte er später, dass es zwar besser sei, aber noch immer nicht gut. Ernsthafte Sorgen bereitete das dem Team aber nicht. Team-Besitzer Helmut Marko erklärte der «Kronen-Zeitung» nach dem Rennen gar, dass sein Team nach dem Ausfall von Charles Leclerc «nicht mehr gezwungen war, ans Limit zu gehen». Sieger Verstappen berichtete nach seinem ersten Erfolg in Bahrain, dass es nach dem ersten Boxenstopp vor allem darum ging, «die Reifen zu schonen».

Ferraris Probleme gehen weiter

Hinter den beiden Red Bulls sah es lange nach einem Podestplatz für Ferrari aus. Doch dann musste Charles Leclerc seinen roten Boliden am Streckenrand aufgrund eines Motorschadens abstellen. Den genauen Grund für die technischen Probleme konnte der Monegasse zum Zeitpunkt der ersten Interviews noch nicht nennen. Aber Leclerc war enttäuscht und frustriert. Das Team habe viel an der Zuverlässigkeit gearbeitet, «nun im ersten Rennen bereits ein Problem damit zu haben, ist nicht gut». In der letzten Saison schieden Leclerc und Sainz insgesamt neunmal aus. Nur Alfa-Romeo-Sauber hatte mit zehn Ausfällen noch mehr als Ferrari – das Team aus Hinwil fährt ebenfalls mit dem Motor aus Maranello.

Doch der technische Defekt war nicht der einzige Punkt, den Ferrari als Mangel am Wagen ausmachte. Carlos Sainz und Teamchef Frédéric Vasseur waren sich einig: «Der Reifenverschleiss ist zu hoch.» Besonders im Vergleich zu Red Bull und Aston Martin sei der Ferrari bedeutend weniger reifenschonend. «Es ist ungefähr so schlimm wie im letzten Jahr», sagte Sainz und fügte an: «Sobald wir pushen, geht es nach hinten los und die Reifen beginnen, abzubauen.» Dies sei der grösste Schwachpunkt des Teams.

Der hohe Reifenverschleiss führte am Ende auch dazu, dass Sainz den dritten Platz, den er von seinem Teamkollegen geerbt hatte, an Fernando Alonso verlor. Gegen seinen spanischen Landsmann konnte er sich mit den schlechteren Reifen nicht wehren und verlor nach dem Überholmanöver Alonsos in der 45. Runde bis zu Rennende noch fast eine Sekunde pro Runde auf den 41-Jährigen. Hoffnung macht Vasseur und Co., dass der Asphalt in Bahrein eher rau sei und es schon in zwei Wochen beim Rennen in Saudi-Arabien anders aussehen könne.

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Carlos Sainz verfolgt von Fernando Alonso – der Ferrari hat deutlich grössere Probleme mit dem Reifenverschleiss als der Aston Martin.Bild: www.imago-images.de

Aston Martin schliesst auf

Bereits in den Trainings überzeugte Aston Martin mit schnellen Zeiten, Fernando Alonso war zweimal Bester und einmal Zweiter, Lance Stroll platzierte sich in allen drei Trainings in den Top 7. Im Qualifying (5. und 8.) und vor allem im Rennen bestätigten die Briten die starken Leistungen. Stroll machte zwei Plätze gut und wurde Sechster, Alonso erreichte gar den ersten Podestplatz für das Team seit Juni 2021, als Sebastian Vettel in Aserbaidschan Zweiter wurde.

Entsprechend euphorisch feierte das Team die Zieleinfahrt des Asturiers. «Es ist einfach surreal, das zweitbeste Auto im ersten Rennen zu haben», sagte Alonso. Er hätte nicht erwartet, dass sein Arbeitgeber die Lücke zu den Top 3 der letzten Saison so schnell schliessen könne. «Nun sieht es aber so aus, als könnten wir mit Ferrari und Mercedes ums Podium kämpfen.» Die Aston-Martin-Boliden profitierten primär von der Konstanz und dem geringeren Reifenverschleiss im Vergleich zu Ferrari und Mercedes. Nach einem etwas missratenen Start, bei dem beide Fahrer Plätze verloren, kämpften sie sich nach und nach vor und holten 23 Punkte. Alonso überholte beide Mercedes-Piloten und dann auch Sainz im Ferrari, für seine Leistung wurde er von den Fans zum Fahrer des Tages gewählt.

Ob Aston Martin auch in den nächsten Rennen so stark sein wird, muss sich erst noch zeigen. Platz zwei in der Konstrukteuren-Wertung wird sehr schwer zu verteidigen sein, aber nach dem enttäuschenden Platz sieben im letzten Jahr ist diese Saison schon jetzt ein Erfolg. Denn alles deutet darauf hin, dass das Team zu Ferrari und Mercedes aufgeschlossen hat. So lässt es sich auch leicht über die kleine Schrecksekunde zu Beginn des Rennens hinwegsehen. Bereits in der ersten Runde rauschte Lance Stroll in einer Kurve leicht in seinen Teamkollegen hinein, beide Autos überstanden die Berührung unbeschadet.

Mercedes hat die «Seuche»

Beim früheren Seriensieger Mercedes verlief der Start in die zweite Saison nach den grossen Regeländerungen überhaupt nicht nach Wunsch. «Es gibt keine positiven Dinge, keine einzige positive News hier», wetterte Teamchef Toto Wolff gemäss T-Online. Während Red Bull «auf einem anderen Planeten unterwegs» und auch Aston Martin «unglaublich stark» sei, bilanziert der Österreicher für sein Team: «Bei uns Seuche.»

Mercedes ist nach dem ersten Rennen mit 16 Punkten zwar wie letztes Jahr das drittbeste Team, doch einerseits wollten die Deutschen wieder konkurrenzfähig sein, und andererseits profitierten sie vom Ausfall von Ferraris Leclerc, der deutlich besser unterwegs war als Lewis Hamilton und George Russell. «Es fehlt uns einfach an Leistung», sagte der 25-jährige Russell. Zwar besteht Hoffnung, weil Bahrain ein schwieriges Rennen für Mercedes sei und das Team gut darin sei, das Auto weiterzuentwickeln, aber: «Wir liegen weit zurück und müssen rasch zulegen.» Besonders bitter für die «Silberpfeile» ist, dass Aston Martin ebenfalls mit Mercedes-Motoren unterwegs ist.

14 Fernando Alonso ESP, Aston Martin Aramco Cognizant F1 Team, 44 Lewis Hamilton GBR, Mercedes-AMG Petronas F1 Team, F1 Grand Prix of Bahrain at Bahrain International Circuit on March 5, 2023 in Sakhi ...
Der gleiche Motor, aber das langsamere Auto: Mercedes-Pilot Lewis Hamilton konnte nicht mit Fernando Alonso im Aston Martin mithalten.Bild: www.imago-images.de

Als Fünfter verlor Hamilton fast 51 Sekunden auf Sieger Verstappen, das Podium war über zwölf Sekunden entfernt. Russell lag als Siebter noch einmal fünf Sekunden weiter zurück. So sagt auch Hamilton: «Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns.» Es fehle vor allem eine Menge Abtrieb, wodurch viel Zeit verloren ginge. «Im Grossen und Ganzen fühlt es sich an wie im letzten Jahr.»

Saubers sauberer Start

Die Sorgen, dass der Abgang Alfa Romeos nach dieser Saison negative Auswirkungen auf die Leistungen des Boliden aus Hinwil haben könnte, haben sich im ersten Rennen nicht bewahrheitet. Valtteri Bottas wurde als bester Fahrer in einem Auto hinter den wahrscheinlichen Top-4-Teams Achter. Der Finne verbesserte sich bereits in der ersten Runde um vier Plätze und blieb in der Folge ausser in den Runden nach den beiden Boxenstopps immer in den Punkterängen.

Der gute Start stellte einen deutlichen Fortschritt zur vergangenen Saison dar, als die beiden Sauber-Piloten oftmals schlecht aus der Startformation wegkamen. Und auch gegen Ende des Rennens überzeugte ein Fahrer im rot-schwarzen Boliden. Der Chinese Zhou Guanyu wurde in der vorletzten Runde noch einmal zum Reifenwechsel beordert und fuhr dann mit über einer Sekunde Vorsprung auf den Rest die schnellste Runde. Zuvor hatte Pierre Gasly im Alpine auf den Zusatzpunkt gehofft, dies verhinderte Alfa-Romeo-Sauber mit dem Taktikkniff dann aber. So hat der Schweizer Rennstall mit vier Punkten doppelt so viele wie der Konkurrent aus Frankreich eingefahren.

Sportdirektor Beat Zehnder sagte zum «Blick»: «Wir sind mit dem Auftakt mehr als zufrieden. Eine gute Teamleistung.» Nach dieser Leistung scheint es möglich, dass Alfa-Romeo-Sauber das fünftbeste Team und damit sozusagen den Titel als «Best of the Rest» holt. Bottas und womöglich auch Zhou dürften in jedem Fall regelmässig in den Punkten zu finden sein, wo sie in den letzten 13 Rennen 2022 nur noch dreimal vertreten waren.

Hinter den Top 4 ist alles offen

An der Spitze wird Red Bull dominieren, so viel ist schon nach dem ersten Rennen klar. Dahinter wird es bei Ferrari an der Zuverlässigkeit der Autos hängen, ob es Platz zwei aus dem Vorjahr verteidigen kann. Aston Martin und Mercedes werden in jedem Fall darauf lauern, von den Fehlern der Italiener zu profitieren. Was hinter den Top-Teams geschieht, ist jedoch völlig offen und wird für viel Spannung sorgen.

In Sakhir überzeugte das ewige Schlusslicht der letzten Jahre Williams mit einem starken Teamergebnis. Alexander Albon holte als Zehnter einen Punkt, Logan Sargeant folgte auf Rang zwölf. Dafür enttäuschte McLaren mit einem ganz schwachen Ergebnis. Debütant Oscar Piastri musste aufgrund eines technischen Defekts früh aufgeben, Lando Norris wurde als letzter der Fahrer, die das Ziel erreichten, 17. Vom britischen Traditions-Rennstall ist eine Steigerung zu erwarten. Da auch Haas und AlphaTauri bewiesen haben, dass sie um Punkte fahren, obwohl es in Bahrain noch nicht geklappt hat, ist der Kampf um die Plätze 5 bis 10 völlig offen. Da muss sich auch Alfa-Romeo-Sauber warm anziehen.

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Red Bull: Max Verstappen (26): Niederlande, 3-facher Weltmeister, 185 Rennen, 54 Siege, 98 Podien. Stand: 1. März 2024.
quelle: keystone / darko bandic
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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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0ldNicehand
06.03.2023 15:06registriert März 2020
Es hat so riiichtig spass gemacht, Alonso wieder mal in einem konkurenzfähigen Auto zuschauen zu dürfen. Vor allen wie er LH nieder gerungen hat, ganz grosses Racing!
Für mich immer noch einer der besten F1-Fahrer aller Zeiten, und die lezte verbliebene "echte Rennsau" in diesem Zirkus (sorry V.Bottas^^)
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Prinz Ipiell
06.03.2023 14:29registriert April 2022
Der grösste Aufsteller war, dass der Abgang von Vasseur bei Alfa bereits ersichtlich ist. Der schlaue Schachzug am Schluss mit Zhou die schnellste Runde zu holen um sie Gasly weg zu nehmen wäre einem Vasseur im Leben NIE in den Sinn gekommen. Und für einmal haben sie auch keine Plätze durch irgendwelche völlig verkorkste (und währen dem Rennen nicht mehr anpassbare) Strategien verloren.

Da kann man sich doch auf eine einigermassen erfolgreiche Saison freuen.
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balzercomp
06.03.2023 15:00registriert Januar 2016
Seit wann ist Helmut Marko Besitzer des Red Bull Teams? Er ist dessen Motorsport-Chef.
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