Aktuell liegt Max Verstappen in der WM-Wertung noch 52 Punkte vor seinem Herausforderer Lando Norris. Es stehen noch sechs Rennen aus. Bei den Rennen in Austin, São Paulo und Doha wird noch jeweils ein Sprintrennen gefahren.
Im Sommer sprach wenig bis gar nichts für einen spannenden Weltmeisterschaftskampf. Verstappen war nach dem elften Grand Prix der Saison schon 84 Zähler vor Norris. Da der Niederländer in den letzten acht Rennen keines mehr gewinnen konnte und nur dreimal auf dem Podest stand, konnte sich der 24-jährige Brite mit zwei Siegen nähern und darf immer noch auf ein Wunder hoffen.
Bisher schaffte es noch kein Fahrer, in sechs Rennen 52 Punkte auf den Leader aufzuholen. Doch die aktuelle Form und Leistung des eigenen Teams wird dem Schützling von McLaren Mut machen. Das Auto der Briten funktioniert aktuell deutlich besser als jenes von Red Bull. Damit Norris den dreimaligen Weltmeister Verstappen noch aufholen kann, müsste der Brite pro Rennen mehr als acht Punkte aufholen. Dank der Sprintrennen und des möglichen Zusatzpunktes für die schnellste Runde des Rennens gibt es für Norris zusätzliche Möglichkeiten, um Boden gutzumachen.
Dass sehr viel für Norris laufen müsste, zeigt der Fakt, dass er selbst im Falle von Siegen bei allen verbleibenden Rennen inklusive der Sprints und der schnellsten Rennrunde einen Punkt hinter Verstappen liegen würde, sollte dieser in jedem Rennen Zweiter werden.
Ein grosses Problem des österreichischen Konstrukteurs ist aktuell auch der zweite Fahrer im Team, Sergio Perez. Der Saisonstart gelang dem Mexikaner erfolgreich mit vier Podiumsplätzen in den ersten fünf Rennen. Seit dem Grossen Preis von China am 21. April sah man den Teamkollegen von «Super Max» allerdings an keiner Podiumsfeier mehr.
Ganz anders läuft es für den Teamkollegen von Lando Norris. Oscar Piastri konnte diese Saison bereits selbst zwei Saisonsiege feiern und stand weitere fünf Mal auf dem Podest. Die Krux dabei ist, dass der Australier wenig Anstalten macht, sich in den Dienst für Lando Norris zu stellen. So wagte Piastri schon mehrmals auch gegen den eigenen Teamkollegen riskante Überholmanöver und liess Norris in entscheidenden Momenten auch nicht vorbei, damit der Brite weitere Punkte im WM-Kampf gutmachen kann.
Seit dem Rennen in Monza gilt nun die Devise für Piastri. Die Plätze der beiden McLaren-Fahrer werden notfalls getauscht, wenn Piastri direkt vor Norris liegt. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Sollte Piastri in Führung liegen, muss er den Sieg nicht an Norris übergeben.
Vor dem Rennen in Austin dieses Wochenende gab Max Verstappen nun seine Meinung zum Strategieentscheid von McLaren kund. Wäre Verstappen in der Situation von Piastri, würde der Niederländer die Stallorder nicht akzeptieren:
Piastri seinerseits bestätigte derweilen, dass er selbst einen Sieg für Norris aufgeben würde. Dies werde zwar schmerzhaft für ihn sein, doch für das Team nehme er es in Kauf.
Max Verstappen und Lando Norris haben eine der grössten Freundschaften im Formel-1-Zirkus. Zum ersten Mal ins Bröckeln kam diese aber beim Grossen Preis von Österreich. Wenige Runden vor dem Ende des Rennens kam es beim Kampf um die Führung in der dritten Kurve zu einer Kollision. Norris musste das Rennen darauf aufgeben, Verstappen schaffte es trotzdem noch auf den fünften Platz. Beide schoben sich gegenseitig die Schuld zu und würdigten sich nach dem Rennen keines Blickes.
Norris zeigte sich nach dem Rennen auch bei den Medien sehr enttäuscht über Verstappens Verhalten im Rennen und sagte im Interview mit Sky:
Von der FIA wurde Verstappen mit einer 10-Sekunden-Strafe für den Crash bestraft. Seit dem Ereignis in Spielberg gab es keine Unfälle mehr zwischen den beiden Fahrern.
Um die grosse Sensation zu vollbringen, darf sich Norris keine Fehler mehr erlauben und muss darauf hoffen, dass sein Kontrahent aus den Niederlanden schwache Tage einzieht. 52 Punkte scheinen ein grosser Abstand zu sein. Sollte aber Verstappen zum Beispiel im nächsten Rennen einen «Nuller» einfahren und Norris mit der schnellsten Rennrunde gewinnen, würde sich der Rückstand halbieren.
Damit Norris bei den nächsten Rennen auch die Siege einfahren kann, muss er allerdings eine seiner grössten Schwächen verbessern. Bisher konnte der McLaren-Fahrer in dieser Saison fünfmal von ganz vorn starten, und erst im letzten Grand Prix schaffte es Norris, auch nach der ersten Kurve noch in Führung zu liegen.
Für den Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko ist klar, dass sein Schützling den Titel nach Hause fahren wird. Als Grund dafür sieht der Österreicher die Erfahrung und mentale Stärke von Max Verstappen, welche Norris schlichtweg noch fehlt. Im Interview mit dem Motorsport-Magazin gibt Marko auf die Weltmeisterfrage zu Wort:
Auch geschehen bei McLaren aus Sicht von Marko noch zu viele Fehler, um Verstappen ernsthaft gefährlich zu werden in dieser Saison: «Man hat bei McLaren gesehen, dass da relativ viele Fehler passiert sind, sowohl bei der Strategie als auch im operativen Bereich. Das musst du auch erst lernen.»
In der Konstrukteurswertung konnte McLaren die Roten Bullen hingegen bereits überholen. Das Rennen in Spanien war nicht nur das letzte Mal, dass Verstappen ein Rennen gewann, seit dem 23. Juni in Barcelona konnte Red Bull ausserdem in keinem Rennen mehr Punkte als McLaren einfahren. Der Vorsprung des britischen Rennstalls beträgt bereits 41 Punkte.
Sollte Red Bull die Probleme nicht in den Griff bekommen, wird die Konstrukteurswertung aller Voraussicht zum ersten Mal seit 1998 an McLaren gehen. Aussenseiterchancen darf man sich auch noch bei Ferrari ausrechnen. Aktuell beträgt der Rückstand auf den ersten Platz 65 Punkte.
Dem Hinwiler Team Sauber droht derweilen eine grosse Schlappe. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2014 droht dem Schlusslicht der Formel 1 ein punkteloses Jahr. Das beste Resultat in diesem Jahr war ein elfter Rang von Guanyu Zhou in Bahrain. Es war das erste Rennen der Saison.