«Grosse Spiele sind für mich gemacht», sagte Xherdan Shaqiri nach dem 1:1-Unentschieden der Schweizer Nationalmannschaft gegen Schottland. Und tatsächlich: Wieder war es Xherdan Shaqiri, der für die Schweiz an einem grossen Turnier ein wichtiges Tor erzielte. Der 31-Jährige sorgte in der 25. Minute mit einem wunderschönen Schlenzer für den Ausgleich aus Schweizer Sicht. Vor dem Turnier wurde der 32-Jährige oft kritisiert – er sei nicht fit genug, hiess es.
Und dann just im richtigen Moment belehrt er seine Kritiker wieder einmal eines Besseren. Mit seinem Treffer machte sich Shaqiri zum ersten Spieler, der seit 2014 an allen Endrunden getroffen hat. Angesprochen auf diese Leistung meinte der Basler: «Ich habe mir für heute viel vorgenommen und es ist mir gelungen. Es ist natürlich schön, die Statistiken zu sehen, die bleiben ewig und ich hoffe, dass es in Erinnerung bleibt».
Die Bodenhaftung, so Shaqiri, will er aber trotz dieses Meilensteins nicht verlieren: «Ich bleibe gerne am Boden und will der Mannschaft helfen. Heute konnte ich das mit einem sehr schönen Tor».
«Brutal» fand auch der Verteidiger Fabian Schär das Tor seines Mitspielers. Auch der Newcastle-Söldner hatte gegen Schottland ein Tor erzielt – oder besser gesagt für Schottland. In der 12. Minute lenkte er ins eigene Tor ab. Zu seinem Missgeschick meinte Schär nach dem Spiel: «Man muss in einem Bruchteil einer Sekunde reagieren. Es war natürlich sehr unglücklich. Im Nachhinein sieht man, dass Sommer den Ball hätte abfangen können, aber es geht so schnell. Das kann passieren.»
Obwohl die Schweiz gegen die Schotten, die der Nati das «Leben mit ihrer Kampfbereitschaft und den Fans im Rücken nicht einfach gemacht haben», wie Schär meint, Federn liess, ist das Hauptziel erreicht: Die Schweiz erreicht mit höchster Wahrscheinlichkeit den EM-Achtelfinal. «Klar wollten wir gewinnen, das haben wir nicht geschafft, aber wir sind weiter und haben noch ein Spiel vor uns», meinte Shaqiri gegenüber SRF.
In der Defensive hat sich die Schweiz gegen angriffige Schotten wenig zuschulden kommen lassen, meint Torhüter Yann Sommer: «Es war ein extrem intensives Spiel, viele lange Bälle, viele Flanken. Wir mussten extrem diszipliniert verteidigen und wir haben wenig zugelassen». Die Schotten, so Sommer, hätten die Schweiz mit ihrem Pressing und ihrer Laufbereitschaft extrem gefordert. Schlussendlich seinen die Punkte gerecht verteilt, meinte der Inter-Mailand-Goalie:
Captain Granit Xhaka bedauerte das «komplett unnötige Tor», sowie die Chancenverwertung, die bei der Schweiz noch immer nicht ideal war. Er zeigte sich aber zuversichtlich: «Es hätten etwa zwei Tore mehr sein sollen. Aber die Jungen sind noch jung und können noch lernen». Genau wie Yann Sommer betonte auch Xhaka die Schweizer Defensive: «Die Leistung ohne Ball und die Defensivarbeit war hervorragend», meinte der Mittelfeldregisseur und fügte an: «Wir wollten nicht allzu tief stehen. Wir haben viele Duelle gewonnen, die zweiten Bälle erobert. Insgesamt eine gute Leistung, auf die wir aufbauen können.»
Einen grossen Anteil an der wahrscheinlichen Achtelfinalqualifikation hat auch der Trainer Murat Yakin. Nachdem er schon beim ersten Spiel mit dem Einsatz von Aebischer und Duah ein gutes Händchen bewiesen hatte, wurde er auch für die Entscheidung, heute auf den Routinier Xherdan Shaqiri zu setzen, belohnt. Zu diesem Personalentscheid meinte Yakin:
Auch die Erwartungshaltung, die nach dem Startsieg gegen Ungarn riesig war, habe für Shaqiri gesprochen, so Yakin: «Das zweite Spiel ist immer schwierig. Da ist besser, wenn man einen erfahrenen Spieler wie Shaqiri bringt, der genau weiss, wo es ihn braucht.»
Die treffendsten Worte für Shaqiris Rolle fand wohl Captain Granit Xhaka: «Shaqiri ist kein Stürmer, kein falscher Neuer, er ist einfach Shaq. Er hat einen unglaublichen linken Fuss und ist da, wenn wir ihn brauchen», lobte er seinen langjährigen Teamkollegen. Auch Murat Yakin schlug in dieselbe Kerbe: «Seinen linken Fuss müssen wir wohl noch jahrelang vergöttern», meinte der Trainer.
Alles in allem zeigten sich die Nati-Akteure zufrieden mit dem gewonnenen Punkt. «Wir nehmen das 1:1 mit», meint Murat Yakin und schaut bereits nach vorne auf das Duell mit Deutschland (Sonntag, 21:00). Dass die Schweiz höchstwahrscheinlich bereits für den Achtelfinal qualifiziert ist, erfuhr der Trainer nach dem Spiel von Huggel und Salzgeber: «Was, wir sind im Achtelfinal?», meinte er halb im Scherz, halb ernst.
(kat)