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Simon Sohm, links, und Becir Omeragic, rechts, beim Zusammenzug der Schweizer Fussball Nationalmannschaft in Pratteln, am Montag, 31. August 2020. Im Rahmen der UEFA Nations League wird die Schweiz Partien gegen die Ukraine und gegen Deutschland bestreiten. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Rückten erstmals ins A-Team ein: Simon Sohm (links) und Becir Omeragic vom FC Zürich. Bild: keystone

Petkovic will nicht nur mit starken Teams mithalten, sondern sie besiegen

Das Schweizer Nationalteam startet diese Woche ins Länderspieljahr 2020. Mit dem Nations-League-Spiel am Donnerstag in der Ukraine beginnt die Annäherung an die EM-Endrunde im nächsten Sommer.



Gibraltar war am Montagmittag weit weg. Als das Nationalteam in Basel erstmals in diesem von Corona geprägten Jahr zusammenkam, lag der 19. November 2019, der Morgen nach dem 6:1-Sieg, der die Qualifikation für die EM-Endrunde bedeutete, über neun Monate zurück. Seither ruhte der Betrieb der Nationalmannschaft.

Trainer Vladimir Petkovic und Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami standen zwar regelmässig im Kontakt mit den Spielern, und einmal haben sie in einem digitalen Video-Raum einen Song eingespielt.

Doch das Nationalteam schwebte irgendwo im luftleeren Raum, viele Internationale waren in den letzten Monaten vor allem mit sich selbst beschäftigt. Sieben Spieler im Kader haben seit dem letzten Einsatz mit der Schweiz den Klub gewechselt, vier davon Land und Liga, einer von ihnen, Ricardo Rodriguez, sogar zwei Mal. Petkovic sagte deshalb: «Wir müssen uns nun wieder an die Kultur in der Nationalmannschaft erinnern.»

«Versucht, nach der WM einen neuen Trend zu entwickeln»

Nun wird der Betrieb wieder hochgefahren. Die Spiele in der Nations League am Donnerstag auswärts in Lwiw gegen die Ukraine und am Sonntag in Basel gegen Deutschland markieren den Auftakt in einen herausfordernden Herbst mit den Rückspielen gegen diese Gegner und zwei Duellen mit Spanien sowie den Testspielen gegen den WM-Finalisten Kroatien und gegen die Weltnummer 1 Belgien. Ausser der Ukraine sind das alles Top-10-Nationen Europas. «Es ist für unsere Entwicklung gut, dass wir uns mit ihnen messen können», sagte Tami.

Trainer Vladimir Petkovic beim Zusammenzug der Schweizer Fussball Nationalmannschaft in Pratteln, am Montag, 31. August 2020. Im Rahmen der UEFA Nations League wird die Schweiz Partien gegen die Ukraine und gegen Deutschland bestreiten. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Nationaltrainer Petkovic rückte ebenso mit Gesichtsmaske ein … Bild: keystone

Ricardo Rodriguez beim Zusammenzug der Schweizer Fussball Nationalmannschaft in Pratteln, am Montag, 31. August 2020. Im Rahmen der UEFA Nations League wird die Schweiz Partien gegen die Ukraine und gegen Deutschland bestreiten. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

… wie Verteidiger Rodriguez, der neu für Torino spielt. Bild: keystone

Sechs der acht Spiele, je zweimal gegen die Ukraine, Deutschland und Spanien, sind Partien der Nations League, also Pflichtspiele. Gleichwohl sieht Petkovic den gesamten Herbst vor allem als erste Phase der Vorbereitung auf die EM-Endrunde im nächsten Sommer. Petkovic: «Nach der WM in Russland habe ich versucht, einen neuen Trend zu entwickeln. Wir haben nun eine junge Mannschaft und auf diesem Weg wollen wir weitergehen. Im Hinblick auf die EM wollen wir gegen starke Gegner nicht nur mithalten, sondern auch besser sein als sie.»

Die Nati ist jünger geworden

Petkovic hat nicht vergessen, dass seit der WM 2018 die Bilanz gegen Mannschaft in der Gewichtsklasse der Gegner von diesem Herbst nicht gut ist. Gegen Belgien, England, Portugal und Dänemark hat die Schweiz zwischen September 2018 und Oktober 2019 fünf von sieben Spielen verloren und nur eines gewonnen. Dies darf im Hinblick auf die EM 2021 nicht vergessen, wer das erfolgreiche Gesamtbild vor Augen hat, nämlich die als Gruppensieger abgeschlossene EM-Qualifikation und die Teilnahme am Finalturnier der letzten Nations League.

Breel Embolo beim Zusammenzug der Schweizer Fussball Nationalmannschaft in Pratteln, am Montag, 31. August 2020. Im Rahmen der UEFA Nations League wird die Schweiz Partien gegen die Ukraine und gegen Deutschland bestreiten. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Angreifer Embolo nutzt seine Maske, um ein Statement gegen Rassismus zu verbreiten. Bild: keystone

Gewiss, die Richtung der SFV-Auswahl stimmt. Die Mannschaft welche am Dienstag in die Ukraine reist, weist ein Durchschnittsalter von 25,5 Jahren auf. Damit liegt der Schnitt fast drei Jahre unter demjenigen der Startformation im ersten WM-Spiel 2018 gegen Brasilien. Doch gradlinig ist der Weg bis jetzt nicht verlaufen. Denis Zakaria und Nico Elvedi haben sich in den Spielen der EM-Qualifikation zwar als neue Stammkräfte bewährt. Ein Kevin Mbabu, Remo Freuler oder Edimilson Fernandes aber haben weniger Einfluss nehmen können, als man dies von ihnen vielleicht erhofft hatte.

Zum Experimentieren gezwungen

Ausserdem haben einzelne Leistungsträger zu oft gefehlt. Haris Seferovic hat 2019 die Hälfte der Spiele verpasst. Bei Breel Embolo wartet man im Nationalteam weiterhin auf den Durchbruch; er war seit der WM in Russland bei vier von acht Zusammenzügen wegen Verletzungen abwesend. Und dann ist da Xherdan Shaqiri. In der EM-Qualifikation hat er keine Minute gespielt, letztmals stand er im Juni 2019 im SFV-Kader.

Für die Zeit nach dem personellen Umbruch, der mit dem Rücktritt von Stephan Lichtsteiner nun abgeschlossenen ist, hatte Petkovic Shaqiri auf und neben dem Platz eine zentrale Rolle zugedacht. In den letzten 18 Monaten hat Shaqiri aber nicht einmal eine Nebenrolle gespielt.

Wenn Petkovic vor der Reise nach Lwiw davon spricht «nicht zu viele Experimente» machen zu wollen, wird dieser Wunsch fürs Erste nicht erfüllt. Gegen die Ukraine und Deutschland fehlt nicht nur Shaqiri, sondern auch Fabian Schär, Denis Zakaria, Admir Mehmedi, Remo Freuler und Edimilson Fernandes. Und damit ist klar: Der Prozess der Entwicklung schreitet voran, aber er bleibt kompliziert. (ram/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tom Scherrer (1) 01.09.2020 13:21
    Highlight Highlight Wer sich nur realistische Ziele setzt, bleibt weit unter seinen Möglichkeiten. Das trifft vor allem im Sport und ganz konkret auf Tourniere zu.

    Es sind Faktoren wie Sieges- und Leistungswille, die ein Tournier prägen.

    Einige Nati-Spieler liefern an Tournieren genau diese "Extrameile" nach dem Achtelfinale (Pflichtziel) nicht ab. Die Kür bleiben sie darum schuldig, weil sie sich für die Clubs/die Ligen schonen wollen/müssen, da sie da ihr Geld verdienen.

    Petkovic soll bei der Einberufung die Kür zu Pflicht erklären und Pseudostars und Kleinparlierer zuhause lassen.

    Meine Meinung.
  • DerRaucher 31.08.2020 20:21
    Highlight Highlight Seit Jahren die selbe Leier. Und an der Endrunde heißt es dann spätestens im Achtelfinale wieder Koffer packen
  • TheKen 31.08.2020 18:01
    Highlight Highlight man muss sich immer Ziele setzen, möglichst hohe. In diesem Fall düngt es mich etwas hoch angesetzt. Die Abwehr und Mittelfeld, da hat es Spieler die regelmässig am Wochenende spielen. Der Angriff, naja. Die Tore müssten eigentlich durch unseren Angriff erzielt werden. Wünsche dem Team aber trotzdem alles Gute. Selbstverständlich werde ich die Nati unterstützen.
    • Shabbazz 01.09.2020 14:28
      Highlight Highlight wer sich nur realistische/pragmatische Ziele setzt, wird kaum über sich hinaus wachsen ;)

      Ich finde diese Kampf-Ansage und Einstellung super! Auch wenn das gegen Deutschland ein absolutes Mammutaufgabe werden wird...

      Ziele verfehlen darf man, Ziele tief ansetzen nicht...so zumindest meine Einstellung!
  • rodolofo 31.08.2020 17:53
    Highlight Highlight Salzgeber würde es Petkovic nie verzeihen, wenn dieser nicht wenigstens sagen würde, er wolle siegen.
    Also sagt Petkovic brav, er wolle auch diese starken Mannschaften besiegen.
    Warum macht man überhaupt noch Interviews mit SportlerInnen und TrainerInnen?
    Sie sagen alle das Gleiche, immer und immer wieder...
    Wir müssen dieses Interview hinter uns lassen und nach vorne schauen, zum nächsten Interview...
    (Gähn)

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