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Frauen-WM 2011: Spielerinnen mussten offenbar ihre Genitalien entblössen

211026 Nilla Fischer of Sweden during the International Friendly, Länderspiel, Nationalmannschaft football match between Scotland and Sweden on October 26, 2021 in Paisley. Photo: Mathias Bergeld / BI ...
Nilla Fischer war langjährige Spielerin und Kapitänin der schwedischen Nationalmannschaft.imago images/Bildbyran

Frauen-WM 2011: Spielerinnen mussten offenbar ihre Genitalien entblössen

Die Fussballerin Nilla Fischer erzählt von einer «erniedrigenden» Erfahrung bei der WM 2011. Die FIFA habe damals einen seltsamen Geschlechtstest für Spielerinnen angeordnet.
13.06.2023, 07:18
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Ein Artikel von
t-online

Eine fragwürdige Massnahme: Während der Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland soll die FIFA einen Geschlechtstest angeordnet haben, bei dem Fussballspielerinnen ihre Genitalien entblössen mussten. Davon berichtet der britische «Guardian». Damit habe die Organisation sichergehen wollen, dass die Teilnehmerinnen auch wirklich Frauen seien.

Der Bericht beruht auf Enthüllungen der Fussballspielerin Nilla Fischer. In einem neuen Buch beschreibt die Schwedin die Erfahrung bei der WM 2011 als «erniedrigend» und «krank».

«Uns wurde gesagt, dass wir uns in den nächsten Tagen ‹da unten› nicht rasieren sollten und dem Arzt unsere Genitalien zeigen werden», schreibt Fischer. Sie und ihre Teamkolleginnen hätten den Grund für eine solche Untersuchung zwar nicht wirklich verstanden, taten aber das, was ihnen gesagt wurde. Fischer zufolge wollten die Spielerinnen die Teilnahme an der WM nicht riskieren.

In einem Interview mit der schwedischen Zeitung «Aftonbladet» schildert Fischer einen genaueren Ablauf der Prozedur: «Ich verstehe, was ich zu tun habe, und ziehe schnell meine Trainingshose und gleichzeitig meine Unterwäsche herunter», ist in dem Bericht zu lesen. «Der Physiotherapeut nickt und sagt ‹ja› und schaut dann zu dem Arzt, der mit dem Rücken zu meiner Tür steht. Er macht sich eine Notiz und geht weiter durch den Korridor, um an die nächste Tür zu klopfen.»

«Wenn alle in unserer Mannschaft kontrolliert werden, das heisst, ihre Vagina entblösst haben, kann unser Mannschaftsarzt unterschreiben, dass die schwedische Frauenfussballnationalmannschaft nur aus Frauen besteht», so Nilla im «Aftonbladed». Sie habe sich in ihrem Umfeld der Mannschaft zwar sicher gefühlt, dennoch sei es eine «extrem seltsame» Situation gewesen.

Warum Schwedens Spielerinnen auf diese Weise untersucht wurden, ist laut dem Bericht im «Guardian» unklar. Ein Wangenabstrich, eine altbewährte Methode, sei schliesslich auch möglich gewesen.

Schwedens Mannschaftsarzt von 2011, Mats Börjesson, wird vom «Guardian» mit folgenden Worten zitiert: «Die FIFA hat das nicht gemacht, um fies zu sein». Die Sportwelt versuche, Fairness für Mädchen schaffen, «damit sie nicht ihr ganzes Leben lang trainieren und dann kommt jemand und verschafft sich einen unangemessenen Vorteil.» Die Tests seien auf Anordnung durchgeführt worden, nachdem Nigeria, Südafrika und Ghana Beschwerden eingelegt hatten. Die Länder behaupteten, dass in der Mannschaft Äquatorialguineas auch Männer antraten.

epa05993670 Wolfburg's team captain Nilla Fischer (C-R) lifts the trophy after winning the German Women's DFB Cup final between SC Sand and VfL Wolfsburg at Rheinenergiestadion in Cologne, G ...
Mit Wolfsburg gewann Fischer unter anderem den DFB-Pokal.Bild: EPA/EPA

FIFA selbst liess in einem Statement mitteilen, dass sie «die jüngsten Kommentare von Nilla Fischer zu ihren Erfahrungen und den von der schwedischen Nationalmannschaft bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 durchgeführten Geschlechtsüberprüfungstests zur Kenntnis genommen» habe.

Fischer spielte 2001 bis 2022 für Schweden in der Nationalmannschaft und war von 2013 bis 2019 beim VfL Wolfsburg tätig. Ihr Buch, eine Autobiografie, trägt den Titel «I Didn’t Even Say Half of It» (zu Deutsch: Ich hab nicht einmal die Hälfte gesagt). (t-online.de/abu)

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45 Kommentare
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Crocodile Hundi
13.06.2023 08:46registriert Dezember 2016
Etwa gleich angenehm wie „hüsteln“ im Militär.
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ELMatador
13.06.2023 08:03registriert Februar 2020
Ich glaube langsam sollte man bei den Fifa-Funktionären in den Kopf schauen, ob sie wirklich was drin haben. Denn ich habe das Gefühl, dass sie kein Quäntchen gesunden Menschenverstand haben.
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Chris69
13.06.2023 09:58registriert Juni 2015
Irgendwie schafft es die Presse nicht, endlich mal über das sportliche im Frauenfussball zu reden. Ich weiss langsam mehr, über die sexuelle Orientierung und die Lohndifferenzen der Spielerinnen als über Ihre Leistungen und Erfolge
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