«Urs Fischer bleibt Union»: So emotional wird die Rückkehr des Mainz-Trainers nach Berlin
Emotionen sind garantiert. Am Samstag kehrt Urs Fischer zurück nach Berlin. Mit Mainz gastiert der Schweizer im Stadion An der Alten Försterei. Fünfeinhalb Jahre trainierte Fischer Union. Schaffte ein Märchen nach dem anderen. Führte den Klub von den Niederungen der 2. Bundesliga bis ins Bernabeu von Madrid. Mit welchem Gefühl geht es nun in die alte Heimat?
Fischer sagt: «Logisch berührt mich das. Aber ich muss das Nostalgische ausblenden. Ich werde versuchen, mich für die 95 Minuten komplett auf meine Aufgabe zu fokussieren. Es geht um Fussball. Und nicht darum, wie lange ich bei Union war.» Ob Fischer das gelingen wird? «Ich muss es einfach hinbekommen. Punkt.»
Als er dann noch gefragt wird, ob er denn den Weg zur Gästekabine überhaupt kennen würde, lacht Fischer herzhaft. Er ist unverkennbar gut gelaunt an diesem Donnerstagnachmittag, kurz bevor die Bundesliga ihren Betrieb wieder aufnimmt.
224 Spiele lang stand der mittlerweile 59-jährige Fischer als Trainer von Union Berlin bis zu seiner Entlassung am 15. November 2023 an der Seitenlinie. Sein Wirken hat den Verein nachhaltig geprägt. Aufstieg. Klassenerhalt. Conference League. Europa League. Champions League. So liest sich das in der Kürzestversion. Nie war Union Berlin in seiner Geschichte erfolgreicher. Logisch ist Fischer bei den Fans noch immer ein Held. «Es ist ein Comeback, das bei Union tiefer schneidet als jedes andere. Fischer bleibt Union. Für immer», schreibt der «Berliner Kurier» diese Woche.
In Berlin haben sie eine «Urs-Fischer-Allee» errichtet. Diese Wertschätzung der Fans, Fischer selbst bezeichnet sie als «nicht selbstverständlich». Und weiter: «Ich weiss, was sie bedeutet. Die Beziehung zu den Fans war immer authentisch. Und das ist das Entscheidende.»
Urs Fischer und die Magie
Das alles ändert natürlich nichts daran, dass Fischer nun mit seinem neuen Team am Samstag drei Punkte gewinnen will. Mainz 05 ist nach 15 Spieltagen in dieser Bundesliga-Saison Tabellenletzter. Gerade einmal einen Sieg und acht Punkte gab es bislang. An Fischer sind viele Hoffnungen geknüpft, den Klassenerhalt doch noch zu schaffen. Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegs-Platz.
Anfang Dezember unterschrieb Fischer nach einer gut zweijährigen Pause bei Mainz einen Vertrag bis Sommer 2028. Sein Anfang in der Karnevalsstadt war aller Ehren wert. Noch immer ungeschlagen nach vier Spielen (zwei davon in der Conference League). Das Highlight zweifellos das 2:2 auswärts bei Bayern München. Dieses Spiel – Bayern glich erst kurz vor Schluss durch einen Elfmeter aus – verströmte bereits wieder einen Hauch von Fischer-Magie. So, wie Deutschland den Schweizer Fussballlehrer zu seinen Berliner Zeiten eben kennengelernt hatte.
Auffallend ist, wie Fischer den Mainzern innert kürzester Zeit eine gewisse defensive Stabilität eingetrichtert hat. Auch das erinnert sehr an Union Berlin. Wie hat doch der damalige Torhüter Rafael Gikiewicz im Buch «Wir werden ewig leben» gesagt: «Er ist unser Architekt, im Spiel ohne Ball ist er so gut wie Guardiola oder Mourinho. Jeder weiss, was er machen muss, und wir werden auf dem Platz nie überrascht. Ohne ihn ist diese Mannschaft nichts.»
Urs Fischer und die Mülleimer
Die Menschen in Mainz, mit denen man in diesen Tagen über Fischer spricht, sind jedenfalls sehr angetan von seiner Arbeit. Dennoch: Entscheidend wird sein, ob es dem Klub unter Fischer auch gelingt, ausreichend Tore zu schiessen. Das war in den letzten Monaten das Hauptproblem.
Mit Phillip Tietz und Silas hat Mainz in der Winterpause zwei Stürmer verpflichtet. Nicht die ganz grossen Namen. Aber die Hoffnung lebt, dass Fischer wie schon früher bei Transferwünschen ein goldenes Händchen beweist. So wie bei Max Kruse. Oder Kevin Behrens. Oder einigen anderen. Unvergessen, wie ein Beobachter in Berlin einst schrieb: «Union könnte auch einen Mülleimer für den Sturm verpflichten und dieser würde 10 Tore schiessen.»
Urs Fischer und der Schnee
Zurück nach Berlin. Für Fischer ist es die erste Rückkehr nach seiner Entlassung. Um Abstand zu gewinnen, vermied er es, in die deutsche Hauptstadt zurückzureisen. Kontakt hatte er nur noch sporadisch mit dem Vermieter seiner Wohnung.
Der Verein wird ihn gebührend empfangen. Wenn denn das Spiel stattfinden kann. Pulver gut, heisst es dieser Tage in Berlin. Urs Fischer kümmert das selbstredend wenig. «Wir können nur beeinflussen, am Samstag um 15:30 bereit zu sein. Und dann würde ich gerne die drei Punkte mit nach Hause nehmen.»
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