DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Verteidiger Igor Diwejew nach Russlands Niederlage an der EM 2020 gegen Dänemark.
Verteidiger Igor Diwejew nach Russlands Niederlage an der EM 2020 gegen Dänemark.Bild: keystone

FIFA will Russen trotz Krieg nicht ausschliessen – doch keiner will gegen sie spielen

Russlands Nationalteam sollte in einem Monat in den Playoffs um die Teilnahme an der Fussball-WM 2022 in Katar spielen. Polen, Schweden und Tschechien als mögliche Kontrahenten machen bei diesem Vorhaben aber nicht mit.
28.02.2022, 08:3428.02.2022, 12:14

Strafen, die keine echten sind, sind bei den grossen Sportverbänden offenbar beliebt. Das IOC hatte Russland trotz grossflächigem Staatsdoping an den Olympischen Spielen antreten lassen – bloss nicht unter russischer Flagge, sondern als «Russisches Olympisches Komitee». Bei einem Olympiasieg wurde nicht die russische Nationalhymne gespielt.

Das war eine Mogelpackung – wohl kein Mensch scherte sich um diese Strafe. Und auch wenn auf der Teamkleidung das Kürzel «ROC» zu lesen war: Allen war klar, dass da zwar nicht Russland drauf stand, aber sehr wohl Russland drin steckte.

Nun schwebt nach der russischen Invasion in der Ukraine auch der FIFA eine solche Lösung vor. Russlands Nationalteam soll die WM-Playoffs Ende März bestreiten dürfen. Heimspiele dürfen nur auf neutralem Boden und ohne Zuschauer stattfinden, Russland darf nicht als Russland spielen, sondern als «Russische Fussball-Union» (RFU) und auch das Abspielen der Hymne wurde untersagt.

Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Anna Schtscherbakowa hüllt sich in die Flagge des Team ROC.
Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Anna Schtscherbakowa hüllt sich in die Flagge des Team ROC. Bild: keystone

Auf dem Weg zur WM 2022 trifft Russland im Halbfinal auf Polen, bei einem Sieg gibt es einen Final ums Turnierticket gegen den Sieger der Partie Schweden – Tschechien. Doch die drei Nationen weigern sich, gegen Russland anzutreten – ganz gleich, wie die Trikots letztlich angeschrieben sind.

Gespräche mit der FIFA​

«Die Entscheidung der FIFA ist für uns inakzeptabel», hielt der polnische Verbandspräsident Cezary Kulesza fest. «Solange in der Ukraine Krieg herrscht, sind wir an einem solchen Spiel nicht interessiert.» Polens Nationalteam werde nicht zum Playoff-Spiel gegen Russland antreten, «unabhängig davon, wie die russische Mannschaft heisst.»

Auch Kuleszas schwedischer Amtskollege Karl-Erik Nilsson zeigte sich unzufrieden mit der FIFA-Lösung. «Aus unserer Sicht hat sich dieser Kriegskonflikt seit gestern kein bisschen verändert, zumindest ist er nicht besser geworden. Das bedeutet, dass wir keine andere Einstellung haben als gestern», sagte Nilsson zur Zeitung «Expressen». Noch vor dem FIFA-Beschluss hatten Polen, Schweden und Tschechien entschieden, nicht zu den Playoffs gegen Russland anzutreten.

An der EM noch Gegner, nun Verbündete: Schweden und Polen.
An der EM noch Gegner, nun Verbündete: Schweden und Polen.Bild: keystone

«In der gegenwärtigen Situation sehen wir keine Möglichkeit, von dieser Position abzurücken», betonte Nilsson. Der schwedische Fussballverband werde sich nun erneut mit den Kollegen in Polen und Tschechien beraten und auch die Einladung der FIFA zu Gesprächen annehmen. Er erwarte vom Weltverband, dass er härtere Massnahmen ergreife.

Und wenn nicht? Was, wenn es bei diesen Sanktionen der FIFA bleibt? Karl-Erik Nilsson spricht von einer absurden Vorstellung: «Wenn Polen, Schweden und Tschechien nicht antreten, könnte die ultimative Konsequenz sein, dass die FIFA den Weg für Russland ebnet, an der WM 2022 teilnehmen zu können.» Die anderen Nationen würden bei einem Nichtantreten forfait verlieren, die Russen ohne zu spielen gewinnen.

Doch das letzte Wort scheint in der Angelegenheit noch nicht gesprochen zu sein. Nebst den drei zunächst betroffenen Verbänden haben sich weitere positioniert. Die FA, der englische Fussballverband, betonte ihre Solidarität mit der Ukraine. «Wir werden in absehbarer Zukunft in keinem Wettbewerb zu Spielen gegen Russland antreten», so die Engländer. Und der Präsident des französischen Fussballverbands sagte in der Zeitung «Le Parisien», er tendiere dazu, Russland von der nächsten WM auszuschliessen. «Normalerweise bin ich der Meinung, dass der Sport dazu da ist, Völker zu versöhnen und Spannungen abzubauen. Aber in diesem Fall geht das viel zu weit.»

Der Präsident des französischen Fussballverbands, Noël Le Graët (rechts), zusammen mit Gianni Infantino.
Der Präsident des französischen Fussballverbands, Noël Le Graët (rechts), zusammen mit Gianni Infantino.Bild: keystone

Russlands Fussball und Staatspräsident Wladimir Putin hatten vor wenigen Tagen bereits eine erste Quittung für den Krieg erhalten. Der europäische Fussballverband UEFA zog den Final der Champions League aus St.Petersburg ab. Statt in Putins Heimatstadt findet die weltweit wichtigste Partie des Klubfussballs nun in Paris statt.

Boykott der Schweiz
Die Nationalmannschaften des Schweizerischen Fussballverbands treten bis auf weiteres nicht gegen Russland an. Das gab der SFV am Montagvormittag bekannt.

Das betreffe unter anderem explizit auch das erste Spiel der Frauen-Nati an der EM 2022. Am 9. Juli trifft die Schweiz in England laut Spielplan auf Russland. Der Verband schreibt, man verurteile den russischen Angriff auf die Ukraine, «der nicht nur in eklatanter Weise gegen Völkerrecht, sondern auch gegen die universalen Werte des Fussballs wie beispielsweise die Förderung freundschaftlicher Beziehungen verstösst.» Der SFV unterstütze die Haltung Polens, Schwedens und Tschechiens. (ram)
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Solidarität bekunden: Diese Gebäude leuchten für die Ukraine

1 / 8
Solidarität bekunden: Diese Gebäude leuchten für die Ukraine
quelle: keystone / mohammed badra
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Was zur Hölle tun Sie hier!?» Ukrainerin schreit russischen Soldaten an – und weitere Eindrücke aus der Ukraine

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

117 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
JJ17
28.02.2022 08:50registriert August 2014
Und plötzlich wird Russland Weltmeister 2022 weil niemand gegen sie antreten will, die FIFA aber keine Eier hat.
4205
Melden
Zum Kommentar
avatar
RealAnd1
28.02.2022 08:38registriert März 2021
Sollen die Russen doch in der Wüste selber spielen. Gibt gerade wichtigeres als Fussball.
2796
Melden
Zum Kommentar
avatar
amore
28.02.2022 08:42registriert Februar 2014
Bravo! Spielen die nicht mit den Russen. Das Boykottieren dieses Landes muss jetzt in allen Facetten durchgezogen werden.
2586
Melden
Zum Kommentar
117
Gefährliches Pillen-Roulette: Wie sich Nadal seit Jahren mit Schmerzmitteln vollpumpt
Mit 36 Jahren winkt Rafael Nadal die einmalige Chance, den Kalender-Grand-Slam zu realisieren. Für den Rausch des Adrenalins ist er auch bereit, Schmerzmittel einzunehmen. Wie seit zwei Jahrzehnten.

Man hat sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte an zwei Bilder gewöhnt: Rafael Nadal als Sieger, als Dominator auf Sand. Und an Rafael Nadal mit Bandagen, an Krücken gehend, leidend. Der Körper hat ihn immer wieder im Stich gelassen. Mal war es der Rücken, mal die Knie, mal die Schultern. Und immer wieder sein linker Fuss. Im letzten Monat nahm der Kontrast zwischen den zwei Bildern neue Dimensionen an. Triumph am ersten Sonntag in Paris, am Tag darauf ging Nadal in Barcelona an Krücken.

Zur Story