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Der Praesident des FC Zuerich Ancillo Canepa beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Luzern und dem FC Zuerich vom Sonntag 27. August 2017 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Ancillo Canepa blickt in eine düstere Zukunft. Bild: KEYSTONE

FCZ-Präsident Canepa: «Geisterspiele bis Ende Jahr würden viele Klubs nicht überleben»

Der Schweizer Fussball steht wegen des Coronavirus still. Eine Wiederaufnahme ist noch nicht in Sicht. Die Planungsunsicherheit macht Ancillo Canepa sorgen – denn für einige Teams könnte die Krise existenzbedrohend sein.



Aufgrund des Coronavirus steht der Schweizer Fussball schon seit fast zwei Monaten still. Wann der Betrieb in der Super League wieder aufgenommen wird, ist auch nach den letzten Angaben des Bundesrats zur Lockerung des Lockdowns noch unklar.

Diese Ungewissheit bereitet einigen Schweizer Fussball-Funktionären Sorgen. So auch Ancillo Canepa. Der Präsident des FC Zürich zeigt sich im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» enttäuscht darüber, dass er nach wie vor keine Planungssicherheit hat. «Die Sorgen haben massiv zugenommen», so Canepa. «Wieder sind zwei Wochen vergangen, in denen nichts passiert ist. Am Donnerstag wurde wieder nichts beschlossen, an dem wir uns hätten orientieren können.»

ARCHIV - ZUR ENTSCHEIDUNG DES BUNDESRATS, WEGEN DES CORONAVIRUS ALLE OEFFENTLICHEN GROSSVERANSTALTUNGEN MIT MEHR ALS TAUSEND TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMERN BIS ZUM 15. MAERZ 2020 ZU VERBIETEN, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDE ARCHIVBILDER ZUR VERFUEGUNG - Blick ins leere Stadion im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Sion im Letzigrund, am Mittwoch, 22. Mai 2019 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ein leeres Stadion sorgt für finanzielle Sorgen bei den Clubs. Bild: KEYSTONE

Canepa hat Angst, «Bundesbern» sei bereit, so lange abzuwarten, bis die Klubs in Zahlungsunfähigkeit geraten. Dies könne nicht die Lösung sein, findet der FCZ-Präsident: «Was offenbar auch unterschätzt wird: Allein die Swiss Football League generiert eine jährliche Wertschöpfung für andere Branchen und Unternehmen von rund 800 Millionen Franken. Damit verbunden sind auch rund 4000 Arbeitsplätze.»

Die realistischste Lösung ist momentan, dass die Saison, wenn überhaupt, ohne Zuschauer zu Ende gespielt werden muss. Auch diese Vorstellung macht Canepa zu schaffen: «Der Einnahmeausfall ist die eine Seite, die andere die hohen Kosten, die auch bei Geisterspielen anfallen werden. Pro Spiel geht es um einen mittleren sechsstelligen Betrag.»

Zu viele Geisterspiele sind nicht zu verkraften

Noch prekärer sähe die Lage aus, wenn bis Ende 2020 keine Zuschauer ins Stadion mehr dürfen. Canepa erklärt: «Aus heutiger Sicht und ausgehend von den aktuellen Rahmenbedingungen ist das ein Worst-Case-Szenario, das wir und viele andere Klubs nicht überleben würden. Fehlende Umsätze, auch in den Bereichen Werbung und Sponsoring, führen zu massiven Verlusten, dadurch wird das Eigenkapital aufgebraucht. Das heisst, es droht Überschuldung und Illiquidität.»

Sollte dieses Szenario eintreffen, würde sich beim FCZ die Frage stellen, wer für die nötige Kapitalerhöhung aufkommen könnte. Darauf hat Canepa noch keine Antwort: «Aus meiner Sicht nicht diejenigen, die diese Situation nicht verursacht haben. Die Familie Canepa hat bereits einmal mehr Zuschüsse und Bürgschaften geleistet. Aber für uns persönlich ist irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht.»

Ginge es nach Canepa, sollte der Fussballbetrieb so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. Das Wunschszenario wäre, die Saison Anfang Juni mit Geisterspielen fortzusetzen und ab der Saison 2020/21 im August oder September wieder Fans ins Stadion lassen zu können. (dab)

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    Alle Leser-Kommentare
  • bcZcity 21.04.2020 08:56
    Highlight Highlight Innovative Lösungen wären evtl. was. Warum die "Geisterspiele" nicht durchführen, per Pay-per-View verkaufen und so immerhin einen kleinen Teil der Tickets reinholen? Richtige Fans gibt es doch sicher einige welche sich die Spiele live sehen möchten.

    Dann Nachrichten der offiziellen Instagram/Facebook o.a Kanäle auf den Info Screens einblenden die Sinn machen (z.B Hopp FCZ, Rückstand ufholä!) und parallel in den Stadions Aufzeichnungen der Fan Gesänge abwechselnd oder gemeinsam einspielen und die jeweiligen Fankurven mit Bannern schmücken.

    Es gäbe da schon Möglichkeiten, wenn auch surreale.
  • urs eberhardt 20.04.2020 18:10
    Highlight Highlight Herr Canepa (kann auch italienisch, glaub'ich) soll sich doch mal die epidemiologische Nachlese zum Spiel Bergamo-Valencia zu Gemüte führen. Dann versteht er vielleicht ein bisschen besser, warum der Bundesrat zur Zeit eher zurückhaltend ist, den Profifussball wieder stattfinden zu lassen.
  • ThePower 20.04.2020 14:04
    Highlight Highlight Geisterspiele in Kombination mit Pay per View und kleinerer Saläre wäre eine Möglichkeit, die Sache halbwegs zu retten. Ob das realistisch ist, weiss ich allerdings nicht. Es ist wirklich Kacke..
  • Dede7 20.04.2020 12:48
    Highlight Highlight Wünsche gibt es in dieser Situation viele.
  • zellweger_fussballgott 20.04.2020 12:01
    Highlight Highlight Ich rate GC eine Consulting-Abteilung aufzubauen. Gibt es in nächster Zeit Geisterspiele werden sich wohl alle Schweizer Vereine beim ehrwürdigen Rekordmeister melden und nach Tipps und Tricks im Umgang ohne Zuschauer fragen. Seien diese auf finanzieller, mentaler oder stimmungstechnischer Ebene.
    • Illuminati 20.04.2020 13:26
      Highlight Highlight Wollte zuerst schreiben: "Gähn wieder ein 'Keine Zuschauer' Diss gegen GC" (nein ich bin kein GC Fan) aber je länger ich darüber nachdenke merke ich, dass dies wohl nicht ein Diss war und es auch tatsächlich für andere Klubs etwas aus dieser Situation, in welcher GC sich seit ca 5 Jahren befindet, zu lernen gibt.
  • Rellik 20.04.2020 11:10
    Highlight Highlight Was hat denn Canepa gegen Geisterspiele? Im Letzigrund gibts doch seit Jahren schon nur Geisterspiele...
    • Illuminati 20.04.2020 13:29
      Highlight Highlight 4 höchster Zuschauerschnitt der Schweiz hat der FCZ.
      Ich sage nicht, dass in einer so grossen Stadt nicht mehr ginge und die Stadionauslastung ist schlecht, weil das Letzi halt viel zu gross ist, aber immer dieser gleiche Spruch ist halt langsam langweilig...
      Ausserdem hätte der FCZ und GC natürlich gerne ein kleineres, reines Fussballstadion...
    • Boniek 20.04.2020 13:49
      Highlight Highlight Vielleicht gibt es ja noch ein paar Veteranen beim FCZ, welche dabei waren, als der Verein NLA-Heimspiele im Letzigrund vor weniger als 1'000 Zuschauern austrug (Mitte der Achtzigerjahre).

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