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Roger Federer, Abschiede und ein bisschen Schadenfreude – so verlief die Basler Meisterfeier 

Endlich ist man auch offiziell Meister und der Pokal ist dehai. Die offizielle Meisterfeier stand aber vor allem im Zeichen der Abschiede. Zeit für ein bisschen Schadenfreude gab es aber natürlich auch noch.

Céline Feller / Bz Basel



Es ist fast schon etwas grotesk. Der FC Basel feiert seinen Meistertitel, den siebten in Folge, und was ist das Thema? Der FC Zürich. Der Dauerrivale, der eben abgestiegen ist. Als Tätschmeister Davide Callà und der Rest der Mannschaft den Balkon betreten, die ersten Pyros verbrannt und Feuerwerke verpulvert sind, stimmen die Fans sogleich ein Lied an. Dieses Lied, das schon im Stadion GC- und FCB-Fans vereinte. «Züri Nati B» singen sie lauthals. Der Abstieg des Rivalen interessiert mehr, als der Pokal, der an der offiziellen Meisterfeier präsentiert wird.

Roger Federer höchstpersönlich übergibt im Joggeli den Pokal.

Bevor die Mannschaft kurz vor halb 2 Uhr morgens den Balkon betritt, wirkt diese offizielle Meisterfeier aber eher wie eine spontane. «Davide, machst du den Tätschmeister?», wird Callà von Spielerbetreuer Pascal Naef gefragt. Danach wird eine Gitarre gesucht, die unbedingt auf den Balkon müsse, obwohl niemand wirklich weiss, wieso. Es wird Urs Fischer gesucht, der, überglücklich wie er ist, das Bad in der Menge geniesst und dabei vergisst, dass er auf den Balkon sollte. Der Cheftrainer lässt Selfies mit sich schiessen, saugt jeden Moment auf und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

«Ich will endlich raus!»

Nicht ganz so geduldig wie die Fans, die auf dem Barfi lange warten mussten auf ihre Helden, sind die Spieler. Allen voran Philipp Degen. Vor dem Ausgang zum Balkon steht er, zusammen mit Taulant Xhaka, Naser Aliji, Birkir Bjarnason, Renato Steffen und Davide Callà. «Wo ist Urs? Ich will endlich raus!», fragt Degen immer wieder. Er will sich feiern lassen. Ein allerletztes Mal. Auch er kann seine Freude nicht verstecken. Strahlt, hüpft, und zappelt umher - wie man ihn eben kennt.

Doch Degen ist nicht der Einzige, der es kaum erwarten kann, das Papa Joe's endlich zu verlassen und den Balkon zu betreten. «Können wir endlich raus? Es ist viel zu heiss hier drin!», sagt Renato Steffen immer wieder. Brav beantwortet er aber noch die Fragen des clubeigenen TV-Senders und wischt Philipp Degen den Schweiss von der Stirn, als dieser Rede und Antwort steht. Als dann aber sogar der Pokal bereitsteht und der sonst so coole Birkir Bjarnason bei der FCB-Medienchefin anfängt zu drängeln, weil er raus will («Andrea, auf was warten wir?»), ist es dann endlich so weit. Urs Fischer ist bei seiner Mannschaft. Der Chef ist da. Es kann raus gehen.

Philipp Degen des FC Basel feiert mit dem Pokal und mit den Fans den Meistertitel auf dem Barfuesserplatz in Basel in der Nacht auf Donnerstag, 26. Mai 2016. Der FC Basel hat zum siebten Mal in Folge den Meistertitel gewonnen. (FC Basel 1893 POOL/Sacha Grossenbacher)

Philipp Degen mit dem Pokal.
Bild: FC BASEL 1893 POOL

Beim Betreten des Balkons tönt aus Lautsprechern die Hymne der Champions League. Diese Gänsehaut-Hymne werden die Spieler des FC Basel in der nächsten Saison mindestens sechs Mal zu hören bekommen. In dieser speziellen Nacht gibt es einen kleinen Vorgeschmack. Und mit Zeilen wie «Die Meister, die Besten, les grandes équipes, the champions», ist der Text der Hymne ja ziemlich passend.

Der Abschied einer Legende

Für einen, der diese Hymne besser kennt als jeder andere auf diesem Balkon, war nicht nur dieser einzelne Moment, sondern der ganze Abend, wenn nicht der ganze Tag, aussergewöhnlich. Denn Walter Samuel beendete mit dem Spiel gegen GC seine unglaublich grosse Karriere. Davide Callà bedankte sich gar bei ihm, dass er überhaupt beim FCB war, weil er ein Vorbild sei, sowohl auf, als auch neben dem Platz. Und nach den «Il Muro"-Gesängen bedankte sich dieser sonst so schweigsame Weltstar mit einem «Dankeschön. Danke für diese zwei Jahre. Danke vielmals.» Mehr brachte er nicht raus.

25.05.2016; Basel; Fussball Super League - FC Basel - Grasshopper Club Zuerich;
Walter Samuel 
(pool fcb/freshfocus)

Walter Samuel übernimmt das Mikrofon. Bild: freshfocus

Etwas mehr sagen mochte Philipp Degen. Er bedankte sich, erzählte seine Geschichte mit dem FCB nach und hielt fest: «Ich werde euch vermissen und ich werde immer einer von euch sein.» Genauso wie Behrang Safari. Der Schwede fand, untypisch für ihn, fast keine Worte. «Es ist ein super Club, eine super Mannschaft. Und was soll ich sagen? Ich bin für immer ein Basler.

Schnelles Ende und grosse Wehmut

Nach nur etwa 30 Minuten zogen sich die Spieler dann ins Innere des Papa Joe's zurück, und genossen dort mit ihren Freunden und ihren Familien diese Emotionen. Für Behrang Safari waren es Momente, die er gar nicht richtig einordnen konnte. «Ich bin glücklich, aber ich bin auch traurig. Ich werde versuchen, dieses Fest so gut wie möglich zu geniessen, aber es ist schon sehr emotional.» Und genau diese Momente auf dem Balkon, die werde er am meisten vermissen. «Und jedes Jahr Meister zu sein.»

Einer, der die drei Abgänger sehr vermissen wird, ist Matías Delgado. Der Captain, der sonst den ganzen Abend über unübersehbar einfach nur überglücklich war, wird sentimental, wenn er auf die Angänge angesprochen wird. «Es ist wirklich hart. Sie sind nicht nur wichtig für das Team sondern auch grossartige Menschen. Ich bin wirklich sehr traurig, sie sind meine Freunde, und ich verbrachte viel Zeit mit ihnen. Ich hoffe nur, wird werden sie nächste Saison nicht zu fest vermissen.»

Trotz all der Wehmut ging es dann für die Spieler irgendwann weiter. Sie zelebrierten ihren Titel, für den sie so hart gearbeitet hatten. Und die Devise für die Party gab Renato Steffen schon kurz nach dem Spiel aus: «Wir werden feiern, als ob es kein Morgen gäbe.»

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