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Für die Nati «unersetzbar» – Ricardo Rodriguez vor seinem 100. Länderspiel

epa10207418 Switzerland's Ricardo Rodriguez and head coach Murat Yakin, during a press conference at the kybunpark stadium, in St. Gallen, Switzerland, 26 September 2022 one day ahead of the Switzerla ...
Bestritt gegen Spanien sein 99. Länderspiel. Bild: keystone

Für die Nati ist er «unersetzbar» – Ricardo Rodriguez vor seinem 100. Länderspiel

Ricardo Rodriguez bestreitet am Dienstagabend gegen Tschechien sein 100. Länderspiel für die Schweiz. «Er ist unersetzbar», sagt sein Trainer Murat Yakin.
27.09.2022, 11:5827.09.2022, 14:13
christian brägger / ch-media

Das Tempo bleibt hoch. Nach Xherdan Shaqiri Mitte November 2021 und Granit Xhaka vor einem halben Jahr kommt heute Abend gegen Tschechien mit Ricardo Rodriguez bereits der dritte Akteur aus dem aktuellen Zirkel des Nationalteams zu seinem 100. Länderspiel. Sage und schreibe erst vier Schweizer haben das davor geschafft: Heinz Hermann, Alain Geiger, Stephan Lichtsteiner, Stéphane Chapuisat – ein Who's who des Schweizer Fussballs.

Es ist nur der nächste Tatbeweis, wie prägend die drei im Fussballland sind. Um nicht von Glücksfällen zu sprechen. Weil sie auch gleich derselben Generation angehören, produzieren sie mit der Schweiz am Laufmeter Erfolgsgeschichten, die man getrost als solche bezeichnen darf. Nun ist es beileibe nicht so, dass das Gespann künstlich gestützt oder geschützt werden musste, um in den erlesenen Hunderterklub zu gelangen. So gilt auch für Rodriguez, was für Shaqiri und Xhaka längst gilt: Ein Ende der Laufbahn in der Nationalmannschaft ist nicht in Sicht. Dafür mangelt es nicht zuletzt an geeigneten Alternativen. Dafür sind sie aber auch zu gut.

Die Öffentlichkeit suchte er nie, nun hat Rodriguez sie

«Das Jubiläum bedeutet mir sehr viel, ich bin schon lange dabei. Ich bin sehr glücklich und stolz, dass ich die hundert Spiele geschafft habe», sagt Rodriguez am Montagnachmittag an der Pressekonferenz vor dem Nations-League-Spiel. Es ist ihm immer noch unangenehm, in der Öffentlichkeit zu reden, wobei sie für ihn schon schlimmer war. Doch auch mit seinen 30 Jahren steht er lieber im Hintergrund und mag nur auf dem Rasen seinen angestammten ruhigen Platz verlassen. Dabei: Ehre, wem Ehre gebührt.

Rodriguez debütierte am 7. Oktober 2011 unter Ottmar Hitzfeld in der Schlussphase des EM-Qualifikationsspiels gegen Wales. Der damals 19-Jährige galt als riesiges Talent, das im Klub beim FC Zürich die Fachleute bezirzte, wie es das längst beim WM-Titel 2009 mit der U17 getan hatte. Mit jenem Teileinsatz auf der Insel übersprang Rodriguez sogleich die U21-Auswahl und biss sich sofort im A-Team fest, wo er bis heute unbestrittene Stammkraft ist.

Switzerland's Ricardo Rodriguez, right, clears the ball from Argentina's Lionel Messi during the World Cup round of 16 soccer match between Argentina and Switzerland at the Itaquerao Stadium in Sao Pa ...
Ricardo Rodriguez ist seit seinem Debüt 2011 aus der Nati nicht mehr wegzudenken.Bild: AP/AP

Er übersprang die U21 und war sofort Stammspieler

Reto Ziegler kam in der Folge als Linksverteidiger nur noch in Freundschaftsspielen zum Zug, später mussten etwa François Moubandje, Loris Benito, Jordan Lotomba oder Ulisses Garcia hinten anstehen. Rodriguez, das war die Konstante, spielte immer, die WM 2014 in Brasilien, die EM 2016 in Frankreich, die WM 2018 in Russland und zuletzt die paneuropäische EM 2021.

Da er in all der Zeit fast nie verletzt war, stand er an Endrunden nur vor etwas mehr als einem Jahr in der Verlängerung des Achtelfinals gegen Frankreich nicht auf dem Platz. Dies war an jenem Turnier wiederum einem Kunstgriff von Vladimir Petkovic geschuldet. Der frühere Nationaltrainer liess Rodriguez nach einem schwachen Auftritt im zweiten Gruppenspiel gegen Italien fortan als einen der drei Innenverteidiger laufen, was der Spieler mit einer Leistungssteigerung zurückzahlte.

Der EM-Achtelfinal gegen Frankreich.Video: YouTube/SRF Sport

Mängel wurden sichtbar, doch Rodriguez schlug zurück

In der Viererkette hatte der Linksverteidiger davor offensichtliche Mängel nicht mehr kaschieren können; er wirkte und war langsam, nicht mehr auf der Höhe, über dem Zenit, genügte irgendwie nicht mehr. Doch er schlug zurück und Rodriguez sagt:

«Ich habe hinten links angefangen, dann agierte ich eine Zeitlang in der Mitte, jetzt bin ich wieder links. Ich kann das und versuche immer, Topleistung zu bringen.»

Natürlich hatte Rodriguez auch schwierige Jahre, doch sie muss man im Klub suchen und nicht im Nationalteam.

Trotz des frühen Wechsels von Zürich zum VfL Wolfsburg lief es mehrheitlich gut mit dem Bundesligaklub, später gab es bei der AC Milan nach zwei angenehmen Jahren plötzlich Probleme, die eine Leihe zum PSV Eindhoven brachten und schliesslich im Frühherbst 2020 den Wechsel zu Torino. Dort hat sich Rodriguez festgebissen nach einer schwierigen ersten Spielzeit, in der dritten ist er nicht mehr nur Stammspieler. Sondern seit dem Weggang von Andrea Belotti im Sommer auch der Captain von Trainer Ivan Juric.

Torino's Ricardo Rodriguez in action during the Italian Serie A soccer match between Inter and Torino, at the San Siro stadium in Milan, Italy, Saturday, Sept. 10, 2022. (Claudio Grassi/LaPresse via A ...
Seit dieser Saison ist Rodriguez in Torino Captain.Bild: keystone

Einfaches Erfolgsrezept

Eigentlich ist das Erfolgsrezept ganz einfach. Rodriguez muss sich in einem Team wohlfühlen und vom Trainer gebraucht. So sagt auch Murat Yakin: «Schön, hat Ricci seinen Weg gemacht und steht jetzt hier. Es ist auch sein Verdienst, dass die Nati so erfolgreich gespielt hat in all den Jahren. Ich kenne die Familie. Das sind alles sehr feine Menschen, die Fussball über alles lieben.»

Rodriguez war nie ein Blender, er fällt vielmehr mit Professionalität, Solidität, Arbeit und seiner unaufgeregten Art auf. Als einer, der seinen Stiefel gekonnt und in aller Ruhe hinunter spielt. Das ist durchaus im positiven Sinn gemeint. Yakin sagt:

«Für mich ist er hinten links unersetzbar, sehr wertvoll. Er spielt sehr abgeklärt.»

Rodriguez, als Sohn eines Spaniers und einer Chilenin mit einer schwerwiegenden Zwerchfellhernie in Schwamendingen aufgewachsen, ist immer noch da. Seit fast elf Jahren schon. Da kann ihn aktuell auch eine leichte Erkältung nicht umhauen.

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quelle: www.imago-images.de / imago images
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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tarek
27.09.2022 12:33registriert November 2015
Auch wenn ich mich definitiv mehrmals über Rodriguez aufgeregt habe, seine Karriere ist absolut beeindruckend.
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Ziasper
27.09.2022 12:23registriert September 2017
Eins zeichnet Rodriguez besonders aus: er ist immer voll auf dem Boden geblieben. Er bleibt bescheiden und gibt immer alles für die schweizer Nati.
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Nummy33
27.09.2022 13:04registriert April 2022
Dass er in Torino Captain ist wusste ich gar nicht. Gratulation, mag ich ihm gönnen
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