Am Ende scheiterte Amorim bei ManUnited an seiner Überheblichkeit und Sturheit
Die Vorschusslorbeeren waren gross, als Ruben Amorim im November 2024 zu Manchester United kam. Der Portugiese galt nach seinen Erfolgen bei Sporting Lissabon, das er zu den ersten beiden Meistertiteln seit 2002 geführt hatte, als eines der grössten Trainertalente im Fussball. Ihm wurde zugetraut, die Red Devils nach den vielen Krisenjahren endlich wieder zum Erfolg zu führen. 14 Monate später ist dieses Vorhaben als gescheitert einzustufen.
Am heutigen Montag wurde Ruben Amorim von Manchester United entlassen. Die Klubführung habe sich «schweren Herzens» dazu entschieden, dass der Zeitpunkt für eine Veränderung gekommen sei. Der englische Rekordmeister sucht also den achten Cheftrainer seit dem Rücktritt von Alex Ferguson im Jahr 2013.
ManUnited hat sich deutlich verbessert
Dabei schien es bei den Red Devils zuletzt in die richtige Richtung zu gehen. Manchester United steht nach den Plätzen 8 und 15 in den letzten beiden Saisons auf dem 6. Rang, nur 3 Punkte hinter einem Champions-League-Platz, aber auch nur 4 Zähler vor Platz 14. Zuletzt gab es zwar zwei enttäuschende Unentschieden gegen Schlusslicht Wolverhampton und Aufsteiger Leeds, doch die Statistiken zeichnen ein klares Bild: Offensiv ist ManUnited dieses Jahr deutlich besser als in der Vorsaison. Gemäss «Expected Goals»-Wert spielt es die drittbesten Chancen der Premier League heraus und kreiert laut fbref.com die meisten Chancen – nur im Abschluss hapert es ab und zu noch etwas. Die Sommertransfers zeigen Wirkung, insbesondere Bryan Mbeumo, der mit sieben Toren der beste Schütze im Team ist.
Defensiv mangelt es ManUnited hingegen weiterhin an Stabilität. In dieser Saison bekommen die Gegner gar die etwas besseren Chancen als im Vorjahr, insgesamt ist Amorims Team aber deutlich besser unterwegs, was die Tordifferenz gemäss «Expected Goals» angeht. Nach 20 Partien steht diese bei +9, am Ende der letzten Saison betrug sie –1,3. In der reellen Tordifferenz drückt sich dies ebenfalls aus. So schossen die Red Devils in dieser Saison 4 Tore mehr, als sie kassierten (34:30), in der letzten Saison lautete das Torverhältnis 44:54.
Man kann Amorim also nicht vorwerfen, das Team in dieser Saison nicht weiterentwickelt zu haben. Dass er die Probleme in der Defensive noch nicht beheben konnte, liegt womöglich auch daran, dass mit Patrick Dorgu, der im letzten Winter aus Lecce gekommen ist, erst ein Spieler für die Verteidigung verpflichtet wurde. Im Sommer wurden 225 Millionen Euro in Sturmtrio Benjamin Sesko, Bryan Mbeumo und Matheus Cunha investiert. Da war kein Geld mehr da beim Klub, der aus finanziellen Sorgen im letzten Jahr hunderte Stellen abgebaut und dem Staff um Trainer Amorim das kostenlose Mittagessen gestrichen hat.
Amorim wollte mehr Macht und Einfluss
Der Grund für die Entlassung des 40-jährigen Portugiesen ist also wohl nicht nur sportlicher Natur. Vielmehr dürfte es zwischen Amorim und den Verantwortlichen um Geschäftsführer Omar Berrada sowie Mitbesitzer und Entscheidungsträger Jim Ratcliffe immer grössere Differenzen gegeben haben. Zuletzt deutete der Trainer diese vermehrt öffentlich an. Besonders beachtenswert war seine letzte Pressekonferenz als United-Coach am Sonntag nach dem 1:1 in Leeds.
«Ich bin hierhergekommen, um Manager von Manchester United zu sein, nicht Trainer», sagte er dort. In England haben die Trainer traditionell mehr zu sagen, was beispielsweise Transfers angeht, weshalb dort von Managern und nicht von Cheftrainern gesprochen wird. Das Problem: Amorim wurde im November explizit als Cheftrainer angestellt – als erster in der Geschichte von Manchester United. Allgemein wird mittlerweile auch in England vermehrt auf Cheftrainer gesetzt. Um die Spielerverpflichtungen sollte sich bei ManUnited vor allem Sportdirektor Jason Wilcox kümmern.
Offensichtlich verstand Amorim seine Rolle bei den Red Devils anders als die Verantwortlichen im Klub. Er wollte mehr Macht und Einfluss haben, als ihm als Cheftrainer zustand.
Ein weiterer Kritikpunkt an Amorim war sein stures Festhalten am 3-4-3-System. Nicht einmal der Papst könne ihn davon abbringen, sagte er im September. Dabei beklagte er wiederholt, nicht die richtigen Spieler dafür zu haben. Die Profis kamen mit ihren neuen Rollen auf dem Platz nicht immer zurecht, was zu Problemen führte.
«Der Sportdirektor soll seinen Job erledigen»
Vor Weihnachten sagte Amorim nun: «Um das perfekte 3-4-3 zu spielen, müssen wir viel Geld ausgeben und benötigen Zeit. Ich beginne zu verstehen, dass dies nicht klappen wird und ich mich vielleicht anpassen muss.» Als er am letzten Freitag erklären sollte, weshalb ihm nicht schon von Beginn an klar gewesen sei, dass dies nicht möglich sei, wollte er nicht antworten. Auf die Frage danach, ob sich etwas am Budget verändert oder ob Sportdirektor Wilcox mit ihm darüber gesprochen habe, antwortete er vielsagend: «Ich will nicht darüber reden, aber Sie sind sehr schlau.»
Wilcox, der zuvor bei ManCity tätig war, bevorzuge angeblich ein 4-3-3-System. Als Sir Jim Ratcliffe im Februar 2024 als Minderheitsaktionär bei Manchester United die Entscheidungsmacht von der Familie Glazer übernahm, sagte er, dass der Spielstil des Teams auf Führungsebene bestimmt werde und der «Trainer diesen Stil spielen lassen muss». Dass dann neun Monate später Ruben Amorim als Nachfolger von Erik ten Hag verpflichtet wurde, ist vor diesem Hintergrund nicht einleuchtend. Doch sprach Ratcliffe wiederholt von einem langfristigen Projekt, ManUnited war bereit dazu, das Kader für Amorims Spielstil umzubauen.
Die jüngsten Aussagen des Trainers deuten darauf hin, dass sich daran etwas geändert hat. Zudem wurde auch klar, dass Amorim und Sportdirektor Wilcox nicht immer gleicher Meinung waren. Am Sonntag stellte der Portugiese eine klare Forderung: «Der Sportdirektor soll seinen Job erledigen.»
Dass Amorim sein Herz auf der Zunge trägt, ist nicht neu. Er sprach mal vom «schlechtesten Team in der Geschichte von Manchester United», im Dezember gab er zu: «Das Problem ist, dass ich als Manager nicht gut genug bin.» Seine Offenheit kam nicht überall gut an, im Verein wurde sie scheinbar aber geduldet. Nun wurde es scheinbar auch den Verantwortlichen zu viel.
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