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Ski-Weltcup: Camille Rast ist in Topform – reicht es für eine Kugel?

Switzerland's Camille Rast poses after winning an alpine ski, women's World Cup slalom, in Kranjska Gora, Slovenia, Sunday, Jan. 4, 2026. (AP Photo/Marco Trovati)
Slovenia World Cup Alpine S ...
Camille Rast triumphierte am Wochenende gleich zweimal.Bild: keystone

Camille Rast bleibt in absoluter Topform – aber der Kampf um die Kugeln wird schwierig

Wenn Camille Rast diesen Winter eine Kristallkugel gewinnen will, braucht sie trotz Bestform Patzer ihrer Konkurrentinnen. Das sind die Gründe.
05.01.2026, 10:4505.01.2026, 12:31

Camille Rast befindet sich momentan in absoluter Topform. Am Wochenende gewann die Schweizerin in Kranjska Gora am Samstag den ersten Weltcup-Riesenslalom ihrer Karriere und liess dann am Sonntag im Slalom gar Mikaela Shiffrin hinter sich. Die US-Amerikanerin hatte zuvor alle fünf bisherigen Slaloms der Saison gewonnen – vier davon mit mehr als einer Sekunde Vorsprung. Einzig am Semmering vor einer Woche kam ihr eine Konkurrentin bedrohlich nahe: Natürlich war es Camille Rast, die sich in Österreich nur 0,09 Sekunden hinter Shiffrin platzierte.

Und gestern Sonntag bezwang Rast die grosse Saisondominatorin. Nicht etwa, weil diese einen Fehler einbaute. Nein, Shiffrin fuhr im zweiten Lauf voll auf Angriff, zog einen beinahe perfekten Lauf nach unten und jubelte im Ziel mit 1,69 Sekunden Vorsprung auf Wendy Holdener ausgelassen. Doch Rast war noch schneller. Die Walliserin fuhr genauso angriffig wie Shiffrin, aber noch eine Spur präziser und perfekter, und nahm der Amerikanerin am Ende 0,14 Sekunden ab.

Der doppelte Triumph der 26-Jährigen in Slowenien war ein eindrücklicher Beleg ihre Nervenstärke. Nicht nur, dass sie zweimal innert 24 Stunden solche Leistungen abrufen konnte und zweimal eine Führung nach dem ersten Lauf erfolgreich verteidigte. Die Walliserin bestritt die Rennen in Kranjska Gora auch mit einer Tragödie im Hinterkopf. Rast war nur wenige Minuten von Crans-Montana entfernt aufgewachsen.

epa12625539 Camille Rast of Switzerland reacts in the finish area during the second run of the Women's Slalom race at the FIS Alpine Skiing World Cup in Kranjska Gora, Slovenia, 04 January 2026.  ...
Rast fuhr am Wochenende in Kranjska Gora wie alle Schweizerinnen mit Trauerflor.Bild: keystone

Dank dieser zwei Siege hat sich Rast auch mitten in die Spitze der diversen Weltcup-Wertungen katapultiert. Doch wie realistisch ist ein Gewinn einer Kugel tatsächlich? Schauen wir es uns an.

Gesamtweltcup

Camille Rast ist mit dem Doppelsieg am Wochenende Mikaela Shiffrin etwas auf die Pelle gerückt. Die US-Amerikanerin hat aber immer noch 120 Punkte Vorsprung. Hinter dem Spitzenduo ist bereits eine Lücke aufgegangen zu den nächsten Verfolgerinnen wie Alice Robinson, Julia Scheib oder der Deutschen Emma Aicher.

Der Gewinn der grossen Kugel dürfte für Rast trotzdem schwierig werden. Sie fährt nur Slalom und Riesenslalom. In den technischen Disziplinen stehen insgesamt noch acht Rennen (4× Slalom, 4× Riesenslalom) an. Alleine um Shiffrin einzuholen, müsste die Schweizerin also in jedem Rennen durchschnittlich 15 Punkte mehr holen als ihre Gegnerin – vorausgesetzt, dass Shiffrin nicht auch noch im einen oder anderen Super-G startet und punktet.

Dahinter droht auch noch Konkurrenz von den Speed-Fahrerinnen. In Abfahrt und Super-G stehen noch insgesamt zwölf Weltcup-Rennen im Kalender. Speed-Spezialistinnen wie Sofia Goggia oder Lindsey Vonn können so noch viele Punkte aufholen. Auch Aicher, die in allen Disziplinen an den Start geht, könnte Rast durchaus noch ein- und überholen.

Slalom

Vier Slaloms stehen noch aus. Mit fünf Siegen und einem zweiten Platz in sechs Rennen hat Shiffrin die kleine Kugel in der Slalomwertung schon quasi auf sicher. Mit 218 Punkten Rückstand müsste Rast in den verbleibenden 4 Rennen mehr als 50 Punkte pro Wettbewerb gutmachen, um Shiffrin noch abzufangen. Der Punkteunterschied zwischen Platz 1 eines Rennens und Platz 2 beträgt 20 Punkte. Angesichts Shiffrins Slalom-Dominanz in diesem Winter scheint es unmöglich zu sein, dass Rast die Kontrahentin abfangen kann.

Riesenslalom

Am geringsten ist Rasts Rückstand im Riesenslalom. Die Walliserin liegt in dieser Wertung 119 Punkte hinter der Österreicherin Julia Scheib. Was nach wenig klingt, ist angesichts von Scheibs Konstanz aber trotzdem schon eine gewaltige Hypothek. Die 27-Jährige fuhr in dieser Saison in fünf von sechs Riesenslaloms aufs Podest, dreimal als Siegerin. Ob es so für Rast möglich ist, pro Rennen beinahe 30 Punkte aufzuholen, darf bezweifelt werden.

Fazit

Stand jetzt scheint es also unwahrscheinlich, dass Camille Rast in dieser Saison eine Kugel gewinnt. Trotz guter Leistung hat es in jeder Kategorie eine Überfliegerin mit viel Vorsprung auf die Schweizerin. Natürlich kann sich das schnell ändern, sollten Shiffrin oder Scheib den einen oder anderen Ausfall beklagen. Aber Gleiches gilt natürlich auch für Rast. Wenn sie einmal nicht liefern sollte, ist auch die letzte Kugelchance sogleich definitiv weg.

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Der Pinguin
05.01.2026 11:00registriert September 2016
Im Olympia-Jahr gibt es sowieso wichtigeres, als Kugeln. Und nach gestern ist klar: Rast gehört in zwei Disziplinen zu einem sehr kleinen Kreis von Gold-Kandidat*innen.

Ich muss sagen, ich bin immer noch begeistert über diesen zweiten Lauf gestern. Rast hat nicht einfach gewonnen, nein, sie hat eine Schiffrin in Top-Form geschlagen. Das ist bisher eigentlich nur Petra Vlhova gelungen.
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RicoH
05.01.2026 11:06registriert Mai 2019
Erfreuen wir uns einfach ob den Leistungen von Camille. Was sie aktuell zeigt ist aussergewöhnlich und war so nicht unbedingt zu erwarten. Sie hat die bisher unantastbare Mikaela Shiffrin bezwungen!
Auch wenn es nicht zu einer Kristallkugel führen sollte, Camille ist absolut top. Ist es nicht das, warum wir die Rennen verfolgen?
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Amboss
05.01.2026 11:49registriert April 2014
Ich verstehe nicht, dass man immer gleich von den Kugeln sprechen muss, wenn eine Athletin mal gut in Form ist...
Camille ist gerade erst in der Weltspitze angekommen und hatte keinen guten Saisonstart.

Freuen wir uns doch einfach darüber, was Camille im Moment gerade abliefert.
Und das ist schlichtweg grandios. Dieser zweite Lauf gestern - der Wahnsinn.
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