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Patrice Evra versetzt einem Anhänger seines Teams einen Kung-Fu-Tritt. bild: twitter

Evras Kung-Fu-Tritt gegen eigenen Fan – diese Sprechchöre brachten das Fass zum Überlaufen

Von den Fans provoziert brannten bei Patrice Evra vor dem Europa-League-Spiel von Olympique Marseille bei Vitoria Guimarães komplett die Sicherungen durch. Mit einem Kung-Fu-Tritt streckte er einen eigenen Fan nieder. Ihm droht nun eine lange Sperre.



Donnerstagabend, Estadio Dom Afonso Henriques in Guimarães: Die Spieler von Olympique Marseille bereiten sich auf dem Rasen auf das Europa-League-Spiel gegen Vitoria vor. Lockeres Einlaufen, ein paar Dehnübungen. Im Stadion sind auch bereits die rund 500 mitgereisten OM-Fans. Bald setzen sie zu Schmähgesängen gegen Patrice Evra an.

Der 36-jährige Aussenverteidiger und ehemalige Captain der französischen Nationalmannschaft war im Winter 2016/17 ablösefrei von Juventus Turin zu Marseille gewechselt, konnte die Erwartungen in dieser Saison aber nicht mehr erfüllen. Nach mässigen Leistungen zum Saisonstart verzichtete Trainer Rudi Garcia immer öfter auf seine Dienste. Auch in Guimarães war Evra nicht für die Startaufstellung vorgesehen gewesen.

Den Fans stiessen neben den schwachen Leistungen auch seine zahlreichen Videos in den sozialen Medien sauer auf, die er jeweils am Montag und auch nach Niederlagen postet. Auch deshalb wurde er wohl zur Zielscheibe.

Evras Halloween-Video auf Instagram:

In Guimarães wurde Evra beim Aufwärmen rund 20 Minuten lang verhöhnt. Erst lächelte der Routinier die Beleidigungen noch weg, schickte gemäss «L'Equipe» sogar Küsschen ins Publikum. Doch die OM-Anhänger hatten kein Erbarmen. Und als sie «Hau ab aus Marseille, du bist eine Null» und «Geh zurück zu deinen Videos» sangen, ging Evra schliesslich auf Konfrontationskurs. 

Mit dem Ausdruck «Qui c'est qui parle?» forderte er die Fans auf, sich ihm zu stellen. Die Sprechchöre verstummten sofort, einige Hitzköpfe sprangen jedoch übers Plexiglas auf den Platz und es kam zu einer Rudelbildung. «Was willst du?», fragte Evra und verpasste einem Fan eine Ohrfeige. Teamkollege Luiz Gustavo konnte die Situation schliesslich beruhigen – allerdings nur kurz.

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Das erste Handgemenge zwischen Evra und den Fans. Video: streamable

Wenig später kam es dann zur totalen Eskalation: Evra trat einen Zuschauer im Stile eines Kung-Fu-Kämpfers gegen den Kopf. Die Szene erinnerte an den legendären Ausraster von Eric Cantona, der im Januar 1995 einen gegnerischen Fan ebenfalls mit einem Kung-Fu-Tritt attackierte.

Die portugiesischen Ordner beendeten die Auseinandersetzung. Rolando und Doria begleiteten ihren Teamkollegen schliesslich Richtung Kabine. Evra sah für seinen Ausraster noch vor Spielbeginn die Rote Karte. Weil sich die Aktion vor dem Anpfiff ereignete, durfte Marseille trotzdem mit elf Spielern auflaufen und verlor mit 0:1.

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Evras Kung-Fu-Kick gleich zu Beginn des Videos. Video: streamable

Evra selbst hat sich noch nicht zum Vorfall geäussert. Er sass während des Spiels auf der Tribüne und machte zwischendurch Selfies mit ein paar Fans.

Trainer Garcia ging mit seinem Schützling nach dem Spiel hart ins Gericht: «Wir werden sehen, was passiert. Ich habe Informationen bekommen, aber ich habe nichts gesehen, weil ich noch in der Kabine war. Patrice ist ein sehr erfahrener Mann und darf deshalb nicht auf solche Provokationen eingehen. So schlimm diese auch sein mögen. Er muss lernen, cool zu bleiben.»

Olympique Marseille kündigte noch in der Nacht via Twitter eine Untersuchung des Vorfalls an. «L'Equipe» spekulierte, dass es womöglich der letzte Auftritt von Evra im Trikot von OM gewesen sein könnte. Das glaubt auch Ex-Nationaltrainer Raymond Domenech: «Er weiss selbst, dass es vorbei ist. Er wird nicht mehr für Marseille spielen», sagte er «L'Equipe TV».

Klar ist schon jetzt, dass Evra mit einer langen Sperre rechnen muss. Zum Vergleich: Cantona wurde nach seiner Kung-Fu-Attacke für ein halbes Jahr gesperrt.

Entscheid im «Fall Evra» am 10. November

Die UEFA will am 10. November darüber entscheiden, wie lange Patrice Evra nach seiner Roten Karte vor dem Anpfiff des Europa-League-Spiels zwischen Vitoria Guimarães und Marseille (1:0) aus dem Verkehr gezogen wird. Eine Sperre von einer Partie ist wie bei jedem anderen Platzverweis das Minimum. (sda)

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