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Lionel Messi will bei Barça bleiben.
Lionel Messi will bei Barça bleiben.
Bild: keystone

Alles nur ein grosser Poker? Was dagegen spricht, dass Messi Barcelona verlässt

06.08.2021, 14:16

Die Nachricht schlug in der Fussball-Welt ein wie eine Bombe: In einem Communiqué teilte der FC Barcelona gestern um 19.45 Uhr mit, dass Lionel Messi den Klub nach 18 Jahren verlassen wird.

Grund für die Trennung seien nicht unterschiedliche Auffassungen zwischen dem Klub und dem Spieler, stellt der Verein fest. Eine finanzielle Übereinkunft sei zwar gefunden worden, aber die Reglemente der spanischen Profiliga würden einen solchen Vertrag aus wirtschaftlichen und strukturellen Gründen nicht zulassen.

Bereits wird spekuliert, wohin es Messi ziehen könnte. Paris St-Germain, Manchester City, Inter Miami und Newell's Old Boys gelten als wahrscheinlichste Abnehmer – wenn der sechsfache Weltfussballer den FC Barcelona auch wirklich verlassen wird. Vielerorts wird nämlich daran gezweifelt, dass es in diesem Sommer wirklich zur Trennung kommt. Aus folgenden Gründen:

Das erste Statement

Es war kurz und knapp. Drei Abschnitte, um zu verkünden, dass der wichtigste Spieler der Vereinsgeschichte den Klub nach 18 Jahren verlassen wird. Gleich zu Beginn macht Barça klar, dass die Schuld für Messis Weggang weder beim Spieler noch beim Klub, sondern bei der Liga liegt und geht damit auf Konfrontationskurs. Warum? Dazu braucht es ein wenig Hintergrundwissen.

Das Statement im Wortlaut

«Trotz einer Einigung zwischen dem FC Barcelona und Lionel Messi und der klaren Absicht beider Parteien, heute einen neuen Vertrag zu unterschreiben, kann dies aufgrund finanzieller und struktureller Hindernisse (Reglement der spanischen Liga) nicht erfolgen.

Infolge dieser Situation wird Messi nicht beim FC Barcelona bleiben. Beide Parteien bedauern zutiefst, dass die Wünsche des Spielers und des Vereins letztlich nicht erfüllt werden.

Der FC Barcelona dankt dem Spieler von ganzem Herzen für seinen Beitrag dabei, den Klub grösser gemacht zu haben, und wünscht ihm für die Zukunft in seinem persönlichen und beruflichen Leben alles Gute.»

Weil Barça aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, belastet den Klub die Gehaltsobergrenze der Liga mehr als in den vergangenen Jahren. Für jeden Klub gibt es eine individuelle Obergrenze für die jährlichen Lohnkosten – je nachdem, wie gut der Klub wirtschaftet. Bei Barcelona war dieses Lohndach vor der Pandemie noch bei 671 Millionen Euro, verkleinerte sich letzte Saison auf 347 Millionen und soll nun noch bei 170 Millionen Euro liegen.

Ist die Gehaltsobergrenze überschritten, dürfen laut der Liga keine neuen Spieler verpflichtet respektive eingeschrieben werden. Und weil Lionel Messi derzeit offiziell vertragslos ist, gilt er bei einem neuen Vertrag als Neuzugang.

Doch nicht nur Barcelona, jedes LaLiga-Team wurde von der Corona-Krise hart getroffen. Deshalb hat ein Liga-Ausschuss aus 12 Klubs, zu dem weder Barcelona noch Real Madrid gehören, vor kurzem beschlossen, 10 Prozent der Vermarktungsanteile der Liga für 2,7 Milliarden Euro und 50 Jahre an die amerikanische Firma CVC zu verkaufen.

Der Deal hätte kurzfristig zwar viel Geld in die Klubkassen gespült – der Barcelona-Anteil an den 2,7 Milliarden Euro hätte sich in den nächsten drei Jahren auf 280 Millionen Euro belaufen – und damit auch die Gehaltsobergrenze angehoben. Doch Barça und Real fürchteten, dass dadurch für die nächsten 50 Jahre 10 Prozent der TV-Gelder verloren gehen würden, und liessen den Deal platzen.

«Wir hatten eine Lösung gefunden und der neue Deal der Liga mit den US-Investoren hätte es uns ermöglicht, Messi unter Vertrag zu nehmen. Aber wir konnten den Verbleib von Lionel Messi nicht daran binden, unsere Übertragungsrechte für 50 Jahre zu verkaufen.»
Barça-Präsident Juan Laporta

Vor diesem Hintergrund glauben viele Barça-Experten, dass die verkündete Messi-Trennung nur ein Poker von Präsident Joan Laporta ist, um Druck auf Liga-Präsident Javier Tebas und die Fairplay-Regelung auszuüben. Tebas soll bei der Gehaltsobergrenze für Messi eine Ausnahme machen. Schliesslich würde die Liga mit dem 34-jährigen Argentinier seine unbestrittene Hauptattraktion verlieren.

«Die Liga will Lionel Messi logischerweise halten. Aber sie wollten, dass wir uns an die Regeln halten, und wir sind über der Gehaltsgrenze. Daher müssen wir uns von Messi trennen.»
Barça-Präsident Juan Laporta

Auf der heutigen Pressekonferenz mit Barça-Präsident Joan Laporta wurde dieser explizit gefragt, ob er der Liga mit der verkündeten Messi-Trennung Druck machen wolle. Doch Laporta wand sich um eine klare Antwort und wiederholte nur, was er bereits zuvor gesagt hatte.

Der Zeitpunkt

Wenn die Trennung zwischen Messi und Barcelona endgültig wäre, warum sollte der Klub diese ausgerechnet jetzt verkünden? Man hätte gut zuwarten können und im Hintergrund an einer möglichen Lösung arbeiten können.

Präsident Laporta erklärte auf der heutigen Pressekonferenz, dass es wichtig gewesen sei, jetzt eine Entscheidung zu treffen. «Die Saison beginnt bald und jetzt haben wir noch einige Wochen Zeit, um uns mit der neuen Situation ohne Messi zurechtzufinden.»

Trainer Koeman muss in den kommenden drei Wochen einen FC Barcelona ohne Messi planen, oder doch nicht?
Trainer Koeman muss in den kommenden drei Wochen einen FC Barcelona ohne Messi planen, oder doch nicht?
Bild: keystone

Das tönt allerdings wenig plausibel. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Zeitpunkt einen Tag nach Bekanntwerden des CVC-Deals so gesetzt wurde, damit noch genügend Zeit bleibt, um vielleicht doch noch eine Lösung für einen Verbleib von Messi zu finden. Aber die Zeit drängt: Bereits am 15. August startet Barça gegen Real Sociedad in die neue Saison.

Die Reaktionen

In der Fussball-Welt gingen die Reaktionen hoch, doch beim FC Barcelona scheint der angekündigte Messi-Abgang alle kalt zu lassen. Weder Trainer Ronald Koeman noch die langjährigen Teamkollegen Gerard Piqué, Sergio Busquets oder Jordi Alba haben sich öffentlich zur geplatzten Bombe geäussert. Und auch Sergio Agüero, der sich so gefreut hatte, mit seinem Kumpel bei Barça spielen zu können, hat nicht reagiert. Das deutet zumindest darauf hin, dass das letzte Wort in der Causa Messi noch nicht gesprochen ist.

Daraufhin deutet auch, dass Messi nicht an der heutigen Pressekonferenz aufgetaucht ist. Wenn wirklich fix wäre, dass er den FC Barcelona verlassen wird, hätte man doch erwarten müssen, dass sich der wichtigste Spieler der Klubgeschichte am Tag nach der Verkündung persönlich äussert. Stattdessen befindet er sich mit seiner Familie weiterhin in den Ferien auf Ibiza.

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Vom Hobbit zum Hipster: Lionel Messi im Wandel der Zeit

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