Formschwächstes Team und keine Leader – momentan passt bei Zürich nichts zusammen
Der Europacup sei das Ziel, erklärte Ancillo Canepa vor eineinhalb Wochen an einer Medienkonferenz, stellte aber auch gleich klar: «Schwierig ist es so oder so, jeder schlägt dieses Jahr in dieser Liga jeden.» Aktuell wird besonders der FC Zürich von fast jedem geschlagen und ist seit sechs Spielen sieglos.
Der Rückstand auf die Championship Group ist nach der deutlichen Niederlage gegen die Young Boys auf sieben Punkte angewachsen und es ist ein weiterer Rückschlag in einer durchaus schwierigen Spielzeit für den FCZ.
Keine Leader im Team
Ausser einem kurzen Aufwärtstrend im Spätherbst des letzten Jahres reiht sich bei den Zürchern Enttäuschung an Enttäuschung. Zwar zeigen die Limmatstädter durchaus kämpferische Leistungen, die aber schlussendlich schlicht und einfach nicht genügen. Nach dem Abgang von Sportchef Milos Malenovic, der stark auf die Jugendförderung setzte, verliessen im laufenden Transferfenster gleich mehrere Spieler den Verein. Darunter auch Stammspieler wie Mariano Gomez oder Steven Zuber.
Besonders der Abgang von Zuber wiegt schwer für die Zürcher. Der 56-fache Schweizer Nationalspieler zeigte zwar nicht mehr die gleich starken Leistungen wie in der Rückrunde der letzten Spielzeit, war dennoch der wichtigste Spieler des Teams. Ein Routinier und Leader fehlt aktuell auf dem Platz, der älteste Feldspieler im Kader der Zürcher ist derzeit die 31-jährige Winter-Neuverpflichtung Chris Kablan. Ein richtiger Leader kristallisiert sich bei den Zürchern aktuell nicht heraus und auch die Goalieposition ist zu einem grossen Thema geworden.
Identifikationsfigur oder Zukunftshoffnung?
Die langjährige Nummer 1 und Identifikationsfigur Yannick Brecher wurde nach zuletzt schwachen und enttäuschenden Auftritten auf die Bank beordert und musste gegen YB dem jungen Silas Huber den Vortritt lassen. Der 20-Jährige zeigte bei seinem Profidebüt eine ordentliche Leistung und konnte mit einzelnen Paraden Selbstvertrauen sammeln, musste aber auch dreimal hinter sich greifen.
Wie es weitergeht im Tor der Zürcher, ist unklar. «Wir wollen beide Goalies weiterentwickeln und dann schauen wir mal. Für uns ist dies gerade nicht die oberste Frage», erklärte Hediger nach der Partie gegen die Young Boys gegenüber SRF und liess sich dabei nicht in die Karten schauen. Der Moment des Wechsels ist auf die eine Art verständlich, kommt aber auch zu einem kniffligen Zeitpunkt.
In der nächsten Runde wartet der FC Basel. Erst am Sonntag vor einer Woche konnte sich der amtierende Meister in einem spektakulären Klassiker mit 4:3 durchsetzen und hatte damit einen Anteil am Goaliewechsel. Hediger steht nun vor der Frage: Stellt er in einem der hitzigsten Duelle der Super League auf den jungen und unerfahrenen Huber oder darf wieder Brecher zwischen den Pfosten stehen, der ausgerechnet gegen Basel einen schwachen Tag einlegte?
Wegweisende Wochen
Für das Selbstvertrauen und die Ruhe im Team wäre wohl eine möglichst zeitnahe Entscheidung das Beste. Nach dem kommenden Klassiker treffen die Zürcher mit Winterthur, Luzern und GC auf die drei einzigen Teams, die hinter ihnen klassiert sind.
Während Luzern noch zwei Punkte weniger auf dem Konto hat, konnte sich auch GC auf sechs Punkte an den Stadtrivalen annähern. Der Barrageplatz ist aktuell näher als die angestrebte Championship Group.
«Sie rennen und kämpfen füreinander und geben nicht auf. Wir sind in jedem Spiel nah dran und bleiben unserem Weg treu», zeigt sich Hediger kämpferisch und hält am Saisonziel fest: «Solange es noch rechnerisch möglich ist, geben wir nicht auf. Irgendwann werden wir eine Serie hinlegen müssen. Darauf arbeiten wir hin.» Es bleiben noch elf Spiele, bis es in der Super League zur Ligateilung kommt. Zeit für viele Ausrutscher bleibt somit nicht mehr.
